Jagdpraxis umfasst alles, was zwischen Ansitz und Wildkammer passiert: Jagdarten, Ansprechen, Schussabgabe, Versorgung des erlegten Wildes und das jagdliche Brauchtum. Die Begriffe dieser Seite begegnen dir in der Prüfung ebenso wie später im Revier.
Abfangen ist das rasche Töten eines krankgeschossenen Stückes Wild, um sein Leiden abzukürzen – klassisch mit der kalten (blanken) Waffe, im weiteren Sinn auch durch einen Fangschuss.
Die Ansitzjagd, kurz Ansitz oder Anstand, ist eine Einzeljagd, bei der der Jäger an einem festen Platz wie Kanzel, Leiter oder Schirm auf Wild wartet, statt es aufzusuchen oder treiben zu lassen.
Ansprechen ist in der Jägersprache das sichere Bestimmen eines Stückes Wild vor dem Schuss: Wildart, Geschlecht, Altersklasse, Gesundheitszustand und ob es erlegt werden darf.
Aufbrechen ist in der Jägersprache das Öffnen der Bauchhöhle eines erlegten Stückes Schalenwild und das Entnehmen der inneren Organe. Umgangssprachlich entspricht das dem Ausweiden.
Das Aufbrechmesser ist ein Jagdmesser mit stumpfer, abgerundeter Spitze, mit dem erlegtes Wild aufgebrochen wird. Die Spitze verhindert, dass Magen oder Darm versehentlich angeschnitten werden.
Aufbruch nennt der Jäger die Gesamtheit der inneren Organe, die beim Aufbrechen eines erlegten Stückes herausgenommen werden – im Alltag würde man von Eingeweiden sprechen.
Aushakeln ist eine ältere Methode, bei Federwild das Gescheide mit dem Finger oder einem Haken durch eine kleine Öffnung herauszuziehen, statt den Vogel aufzubrechen.
Bedenkliche Merkmale sind Auffälligkeiten am lebenden oder erlegten Wild, die Zweifel an der Genusstauglichkeit wecken; Anlage 4 der Tier-LMHV fasst sie in 13 Kategorien zusammen.
Bergen bezeichnet das Holen des erlegten Stücks vom Anschuss oder Fundort, damit es rasch aufgebrochen, ausgekühlt und hygienisch weiterversorgt werden kann.
Ein Bruch ist in der Jägersprache ein von Hand abgebrochener grüner Zweig bestimmter Holzarten, der als stilles Verständigungs- oder Ehrenzeichen dient.
Der Büchsenschuss ist der Schuss mit einem Einzelgeschoss aus einem gezogenen Lauf; auf Schalenwild zielt er als Kammerschuss auf Herz und Lunge hinter dem Blatt.
Die Drückjagd ist eine Bewegungs- und Gesellschaftsjagd vor allem auf Schalenwild, bei der wenige Treiber und Hunde das Wild ruhig in Bewegung bringen, sodass es vertraut an Schützen auf festen Ständen vorbeizieht.
Ein Fangschuss ist ein Schuss, mit dem krankgeschossenes Wild schnell getötet wird, um sein Leiden zu beenden; zusammen mit dem Fangstich gehört er zum Abfangen.
Geräusch nennt die Jägersprache die inneren Organe Herz, Lunge, Leber und Nieren des erlegten Wildes. Zusammen mit dem Gescheide wird es beim Aufbrechen entnommen.
Gescheide ist das jägersprachliche Wort für den Magen-Darm-Trakt des Wildes. Man unterscheidet das große Gescheide (Magen bzw. Mägen) und das kleine Gescheide (Därme).
Eine Gesellschaftsjagd ist eine Jagd, bei der mehrere Jäger und Helfer organisiert unter einem Jagdleiter zusammenwirken. Typische Formen sind Treibjagd, Kesseltreiben und Drückjagd.
Der Hauptbruch ist ein armlanger, befegter Zweig, der als jagdliches Bruchzeichen „Achtung“ bedeutet und darauf hinweist, dass in der Nähe eine weitere Information folgt.
Der Inbesitznahmebruch ist ein Zweig, der auf die linke Seite eines erlegten Stückes gelegt wird und nach jagdlichem Brauch anzeigt, dass der Erleger das Wild in Besitz genommen hat.
Eine Jagdart ist die Form, in der die Jagd praktisch ausgeübt wird – etwa als Ansitz, Pirsch, Treib- oder Drückjagd, Baujagd oder Beizjagd –, jeweils mit eigenem Zweck, Ablauf und eigenen Sicherheitsregeln.
Das Jagdhorn ist ein Signalinstrument, mit dem Jäger den Ablauf einer Jagd leiten, sich verständigen und die Strecke verblasen; am häufigsten wird heute das ventillose Fürst-Pless-Horn in B verwendet.
Jagdliches Brauchtum umfasst die überlieferten Regeln, Zeichen und Rituale der Jägerschaft – von der Waidmannssprache über Bruchzeichen und Jagdsignale bis zum Streckelegen – und ist eng mit der Waidgerechtigkeit verbunden.
Die Knochensäge ist ein Werkzeug, mit dem beim Aufbrechen älterer Stücke Schalenwild das verknöcherte Brustbein durchtrennt wird, wenn ein Messer dafür nicht mehr ausreicht.
Als Kugelfang bezeichnet man einen Hintergrund hinter dem Wild, der ein Geschoss zuverlässig stoppt, etwa einen ansteigenden Hang oder Erdwall; fehlt er, unterbleibt der Büchsenschuss.
Die kundige Person ist ein Jäger, der erlegtes Wild vor der Abgabe als Lebensmittel auf bedenkliche Merkmale untersucht; die nötige Sachkunde wird grundsätzlich mit der Jägerprüfung erworben.
Der Letzte Bissen ist ein kleiner Bruch, also ein Zweig, den der Jäger dem erlegten männlichen Schalenwild als Zeichen der Achtung in den Äser oder ins Gebräch legt.
Ringeln bezeichnet beim Aufbrechen das kreisförmige Umschneiden des Weidlochs, also des Afters, damit der Enddarm gelöst und zusammen mit dem übrigen Gescheide entnommen werden kann.
Der Schrotschuss ist der Schuss mit einer Schrotpatrone aus der Flinte, bei dem viele kleine Kugeln als Garbe wirken; waidgerecht ist er auf höchstens 35 Meter.
Das Schussfeld ist der Bereich vor dem Schützen, in den er gefahrlos schießen kann; es muss frei von Personen und gut einsehbar sein, bevor ein Schuss fällt.
Der Schützenbruch, auch Überreichungsbruch genannt, ist ein Zweig, den der Jagdleiter oder Jagdherr dem erfolgreichen Schützen auf dem Messer oder dem Jagdhorn überreicht und den dieser an der rechten Hutseite trägt.
Der Sicherheitswinkel ist der nach der Unfallverhütungsvorschrift Jagd einzuhaltende Winkel von 30° zu den Nachbarschützen, in den bei Gesellschaftsjagden nicht geschossen werden darf.
Die Strecke ist die Gesamtheit des bei einer Jagd, an einem Jagdtag oder in einem Zeitraum erlegten Wildes; nach Gesellschaftsjagden wird sie nach festen Regeln ausgelegt und verblasen.
Die Streckenlegung, auch das Streckelegen, ist das geordnete Auslegen des erlegten Wildes nach einer Gesellschaftsjagd nach festen Regeln des jagdlichen Brauchtums; sie bildet deren feierlichen Abschluss.
Eine Treibjagd ist eine Gesellschaftsjagd, bei der Treiber und Hunde das Wild kräftig in Bewegung bringen und auf die Schützen zu treiben – klassisch auf Niederwild wie Hase oder Fasan.
Die Trichinenprobe ist eine Muskelprobe, die bei trichinenpflichtigem Wild wie Schwarzwild, Dachs oder Waschbär entnommen und amtlich auf Trichinen untersucht wird, bevor das Wildbret verzehrt werden darf.
Verblasen bedeutet, die gelegte Strecke nach einer Gesellschaftsjagd mit Jagdhornsignalen zu ehren. Dabei werden die Totsignale der erlegten Wildarten geblasen, abschließend folgt das Halali.
Versorgen heißt, erlegtes Wild nach dem Schuss fachgerecht zu behandeln: bergen, aufbrechen, verschmutzte Teile entfernen und auskühlen, damit das Wildbret seine Qualität behält.
Das Waidblatt, auch Standhauer genannt, ist ein schweres Jagdmesser mit feststehender Klinge von 20 bis 25 cm. Es gehört zu den blanken Waffen und dient vor allem dem Abfangen von stärkerem Wild.
Waidmannsdank ist die traditionelle Antwort eines Jägers auf den Glückwunsch „Waidmannsheil“ – etwa wenn ihm nach dem Erlegen eines Stückes der Bruch überreicht wird. Übersetzt bedeutet es schlicht „Danke“.
Waidmannsheil ist der jagdliche Glückwunsch und Gruß unter Jägern. Man wünscht damit Jagderfolg oder gratuliert zu einem erlegten Stück; die Antwort darauf lautet „Waidmannsdank“.
Der Warnbruch ist ein Verständigungsbruch aus einem befegten, zum Kreis gebogenen Zweig, der gut sichtbar aufgehängt wird und andere Jäger vor einer Gefahr warnt.
Wildbret ist in der Jägersprache das Fleisch von erlegtem Wild, das als Lebensmittel verwendet wird – umgangssprachlich also Wildfleisch; eine ältere Schreibweise lautet „Wildpret“.
Wildbrethygiene umfasst alle Maßnahmen vom Ansprechen vor dem Schuss bis zur Kühlung, mit denen der Jäger sicherstellt, dass Wildbret nicht verunreinigt wird oder verdirbt.
Wildfolge ist das Verfolgen von krankgeschossenem Wild, das in einen benachbarten Jagdbezirk gewechselt ist; sie ist nur nach Vereinbarung oder in gesetzlich eng begrenzten Ausnahmen erlaubt.
Eine Wildmarke ist ein amtlich nummeriertes Kennzeichen, meist aus Kunststoff, das am erlegten Stück befestigt wird und dessen Herkunft sowie die Zuordnung von Proben nachweist.
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