Jagdpraxis · Jägersprache

Versorgen

auch: Aufbrechen, Wildversorgung

Versorgen heißt, erlegtes Wild nach dem Schuss fachgerecht zu behandeln: bergen, aufbrechen, verschmutzte Teile entfernen und auskühlen, damit das Wildbret seine Qualität behält.

Was bedeutet „Versorgen“?

In der Jägersprache meint Versorgen die Arbeit am erlegten Stück unmittelbar nach dem Schuss. Im engeren Sinn wird das Wort gleichbedeutend mit Aufbrechen verwendet, also dem Entnehmen der Eingeweide. Im weiteren Sinn umfasst es alle Schritte, mit denen der Jäger als Lebensmittelerzeuger die Qualität und Haltbarkeit des Wildbrets sichert: zeitnahes Bergen, sofortiges Aufbrechen, das Entfernen von Gewebe aus Schusskanal und Blutergüssen, das Auskühlen sowie hygienische Lagerung und Transport. Was hier versäumt wird, ist am fertigen Wildbret nicht mehr gutzumachen. Vom Versorgen zu unterscheiden ist das Zerwirken, das Zerlegen des bereits aufgebrochenen Wildkörpers in Teilstücke.

Vorgeschriebene Schritte und Arbeitsweise

Fleischhygienerechtlich sind beim Schalenwild drei Dinge vorgeschrieben: verschmutzte Teile wie den Ausschuss zuschneiden, die Körperhöhle mit Trinkwasser säubern und das Stück bald auf höchstens 7 °C Innentemperatur kühlen. Die vom Kugelschuss betroffenen Wildbretteile schneidet man schon beim Aufbrechen heraus. Aufgebrochen wird entweder liegend am Erlegungsort – schnell, aber mit Gefahr der Verschmutzung durch den Boden – oder hängend am Aufbrechplatz der Wildkammer, was hygienischer ist, aber Zeit für den Transport kostet. Zum Schutz vor Zoonosen gehören flüssigkeitsdichte Einmalhandschuhe dazu; Hände und Messer werden danach gereinigt und desinfiziert. Klassisches Werkzeug sind die blanken Waffen, die vor allem dem Versorgen und dem Abfangen dienen.

Sonderfall Waidwundschuss im Sommer

Wurde ein Reh im Sommer waidwund erlegt, bricht man es nicht draußen auf, sondern bringt es sofort in die nahe Wildkammer und versorgt es dort bei gutem Licht. Verschmutzte Stellen werden großzügig abgeschärft, erst danach wird mit Trinkwasser ausgespült. Ist die Unterhaut stark verunreinigt, schlägt man das Stück aus der Decke.

„Versorgen“ in der Jägerprüfung

Geprüft werden der Zweck des Versorgens, nämlich die Erhaltung der Wildbretqualität, und die vorgeschriebenen Arbeitsschritte samt Kühltemperatur. Häufig ist der Begriff auch in Fällen zur Wildfolge eingebaut: Verendet ein beschossenes Stück jenseits der Reviergrenze, regeln Wildfolgevereinbarung und Landesrecht, was der Schütze tun darf und wen er benachrichtigen muss. Außerdem verlangt § 22a BJagdG, krankgeschossenes Wild unverzüglich zu erlegen; für schwerkrankes Wild gilt dasselbe, sofern nicht ein Fangen und Versorgen ausreicht und möglich ist.

Häufige Fragen zu „Versorgen“

Warum muss Wild nach dem Erlegen versorgt werden?

Damit die Qualität des Wildbrets nicht leidet. Schnelles Aufbrechen, Entfernen verschmutzter Teile und zügiges Kühlen verhindern, dass das Fleisch verdirbt.

Auf welche Temperatur muss Schalenwild nach dem Versorgen gekühlt werden?

Alsbald auf eine Innentemperatur von höchstens 7 °C.

Ist liegendes oder hängendes Aufbrechen besser?

Liegendes Aufbrechen ist schneller und eignet sich für Ansitz und Einzeljagd. Hängendes Aufbrechen an der Wildkammer ist hygienischer, weil das Stück keinen Bodenkontakt hat.

„Versorgen“ kommt in 25 Prüfungsfragen vor

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