Jagdpraxis
Gesellschaftsjagd
auch: Gemeinschaftsjagd
Eine Gesellschaftsjagd ist eine Jagd, bei der mehrere Jäger und Helfer organisiert unter einem Jagdleiter zusammenwirken. Typische Formen sind Treibjagd, Kesseltreiben und Drückjagd.
Was ist eine „Gesellschaftsjagd“?
Im Jagdbetrieb unterscheidet man zwischen Einzeljagd und Gesellschaftsjagd. Bei der Einzeljagd ist ein Jäger allein oder mit sehr wenigen Beteiligten unterwegs, etwa beim Ansitz, auf der Pirsch oder bei der Lockjagd. Bei der Gesellschaftsjagd arbeiten dagegen viele Schützen, Treiber und Hundeführer nach einem gemeinsamen Plan. Die meisten Gesellschaftsjagden sind Bewegungsjagden: Das Wild wird durch Treiber, Hunde oder gezielte Beunruhigung auf die Läufe gebracht. Die Treibjagd gilt als typische Gesellschaftsjagd, häufig auf Niederwild; das Kesseltreiben ist immer eine. Auch Drückjagd und Ansitzdrückjagd auf Schalenwild gehören dazu.
Jagdleiter und Sicherheitsregeln
Für jede Gesellschaftsjagd muss ausnahmslos ein Jagdleiter bestimmt werden. Er trägt die Verantwortung für den sicheren Ablauf und kontrolliert die Jagdscheine der Teilnehmer. Zentral sind außerdem eine Sicherheitsbelehrung und klar festgelegte Schussbereiche. Jeder Schütze schießt nur in den ihm zugewiesenen Bereich und beachtet die Grenzen seines Schussfeldes. Mit Büchsen- oder Flintenlaufgeschossen darf grundsätzlich nicht ins Treiben geschossen werden; nur unter besonderen Verhältnissen, etwa bei Ansitzdrückjagden, kann der Jagdleiter Ausnahmen zulassen, wenn eine Gefährdung ausgeschlossen ist. Wird ein Treiben abgeblasen, entlädt jeder sofort seine Waffe. Schüsse in Richtung von Treibern, Hunden oder anderen Jägern sind ausnahmslos tabu. Bei warmem Wetter sorgt der Jagdleiter dafür, dass das erlegte Wild schon während der Jagd versorgt und gekühlt wird.
Brauchtum: Signale, Standplatz und Strecke
Zu Beginn wird mit dem Jagdhorn die Begrüßung geblasen; verbreitet ist dabei das Fürst-Pless-Horn. Einen armlangen, in den Boden gesteckten Standplatzbruch findet der Schütze an seinem zugewiesenen Stand. Erleger ist bei einer Gesellschaftsjagd der Schütze, dessen Kugel oder Schrot das Stück zuerst tödlich getroffen hat. Den feierlichen Abschluss bildet das Streckelegen, bei dem das erlegte Wild nach festen Regeln aufgereiht wird. Beim Schalenwild folgt die Reihenfolge Rot-, Dam-, Gams-, Muffel- und Schwarzwild; Rehwild wird ans Ende der Schalenwildstrecke gelegt, obwohl es zum Niederwild zählt. Zum Schluss erklingt das Halali, und mit dem Signal zum Essen wird zum Schüsseltreiben eingeladen.
„Gesellschaftsjagd“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung verlangt vor allem, Einzel- und Gesellschaftsjagd sicher zu trennen und die Aufgaben des Jagdleiters zu kennen. Häufig geht es um den Schuss ins Treiben, das Entladen nach dem Abblasen, die mitzuführenden Papiere und die Versorgung des Wildes bei Wärme. Aus dem Brauchtum kommen Jagdhorn, Signale und Streckenordnung. Ein typischer Fehler ist, Rehwild beim Streckelegen ans Niederwild zu legen oder den ersten Schuss statt des ersten tödlichen Treffers als maßgeblich für den Erleger anzusehen.
Häufige Fragen zu „Gesellschaftsjagd“
Welche Jagdarten zählen zur Gesellschaftsjagd?
Vor allem Treibjagd, Kesseltreiben, Drückjagd und Ansitzdrückjagd. Ansitz und Pirsch sind dagegen typische Einzeljagden.
Welche Aufgaben hat der Jagdleiter?
Er ist für den sicheren Ablauf verantwortlich und prüft die Jagdscheine. Den Büchsenschuss ins Treiben darf nur er freigeben, und bei Wärme organisiert er die Kühlung der Strecke.
Wer ist bei einer Gesellschaftsjagd der Erleger?
Derjenige, der den ersten tödlichen Treffer gesetzt hat. Ein späterer Fangschuss begründet kein Erlegerrecht.
„Gesellschaftsjagd“ kommt in 85 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- TreibjagdEine Treibjagd ist eine Gesellschaftsjagd, bei der Treiber und Hunde das Wild kräftig in Bewegung bringen und auf die Schützen zu treiben – klassisch auf Niederwild wie Hase oder Fasan.
- DrückjagdDie Drückjagd ist eine Bewegungs- und Gesellschaftsjagd vor allem auf Schalenwild, bei der wenige Treiber und Hunde das Wild ruhig in Bewegung bringen, sodass es vertraut an Schützen auf festen Ständen vorbeizieht.
- JagdartEine Jagdart ist die Form, in der die Jagd praktisch ausgeübt wird – etwa als Ansitz, Pirsch, Treib- oder Drückjagd, Baujagd oder Beizjagd –, jeweils mit eigenem Zweck, Ablauf und eigenen Sicherheitsregeln.
- StreckenlegungDie Streckenlegung, auch das Streckelegen, ist das geordnete Auslegen des erlegten Wildes nach einer Gesellschaftsjagd nach festen Regeln des jagdlichen Brauchtums; sie bildet deren feierlichen Abschluss.
- JagdhornDas Jagdhorn ist ein Signalinstrument, mit dem Jäger den Ablauf einer Jagd leiten, sich verständigen und die Strecke verblasen; am häufigsten wird heute das ventillose Fürst-Pless-Horn in B verwendet.
- VerblasenVerblasen bedeutet, die gelegte Strecke nach einer Gesellschaftsjagd mit Jagdhornsignalen zu ehren. Dabei werden die Totsignale der erlegten Wildarten geblasen, abschließend folgt das Halali.
- SchussfeldDas Schussfeld ist der Bereich vor dem Schützen, in den er gefahrlos schießen kann; es muss frei von Personen und gut einsehbar sein, bevor ein Schuss fällt.
Weitere Begriffe aus Jagdpraxis
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