Jagdpraxis · Jägersprache
Bruch
auch: Bruchzeichen
Ein Bruch ist in der Jägersprache ein von Hand abgebrochener grüner Zweig bestimmter Holzarten, der als stilles Verständigungs- oder Ehrenzeichen dient.
Was bedeutet „Bruch“?
Im Alltag würde man schlicht von einem abgebrochenen Zweig sprechen. Jäger nennen ihn Bruch, weil er traditionell mit der Hand vom Ast gebrochen und nicht abgeschnitten wird. Das Messer kommt nur zum Einsatz, um bestimmte Brüche zu befegen: Dabei wird der Zweig am Mitteltrieb mit der Klinge bearbeitet, damit er deutlicher auffällt. Brüche bilden die wortlose Zeichensprache der Jäger und gehören zum jagdlichen Brauchtum – neben der Waidmannssprache, den Jagdsignalen und dem Streckelegen. Verwendet werden dürfen nur bruchgerechte Baumarten, die sich Prüflinge mit dem Merkwort TaFiKiEiEr einprägen.
Die wichtigsten Bruchzeichen
Man unterscheidet Ehren- und Mitteilungszeichen. Zu den Ehrenzeichen zählt der Erlegerbruch, der mit Schweiß des Stücks benetzt an der rechten Hutseite getragen wird; überreicht wird er als Schützenbruch auf dem Messer oder dem Jagdhorn, entgegengenommen mit der rechten Hand und einem Waidmannsdank. Der Letzte Bissen kommt männlichem Schalenwild in den Äser oder das Gebräch, der Inbesitznahmebruch auf die linke Körperseite. Mitteilungszeichen sind der armlange Hauptbruch („Achtung“), der Standplatzbruch, der Anschussbruch, der Fährtenbruch für die Fluchtrichtung, der befegte Leitbruch, der zum Kreis gebogene Warnbruch vor Gefahren und der Wartebruch aus zwei gekreuzten Zweigen. Mit dem Nichtschussbruch wird Wild gekennzeichnet, das nicht hätte beschossen werden dürfen.
Fährtenbruch richtig legen
Der Fährtenbruch ist halbarmlang und nicht befegt; die Gegenseite wird geäftert. Bei weiblichem Wild weist die gewachsene Spitze in Fluchtrichtung, bei männlichem die gebrochene Seite. Ist die Fluchtrichtung unbekannt, wird der Bruch an beiden Enden geäftert. Auch das Aufgeben des Wartens lässt sich zeigen: Die Seitenzweige werden abgebrochen, und die gewachsenen Spitzen zeigen gekreuzt in die Abmarschrichtung.
„Bruch“ in der Jägerprüfung
Brüche sind fester Bestandteil der schriftlichen und mündlichen Prüfung. Gefragt wird nach der Herkunft des Namens, dem Befegen, den bruchgerechten Baumarten sowie Aussehen und Bedeutung einzelner Zeichen. Typische Fehler: Der Hauptbruch markiert nicht den Anschuss, sondern kündigt weitere Informationen an; Standplatz- und Hauptbruch sind trotz gleicher Länge verschieden; Leitbruch und Fährtenbruch unterscheiden sich im Befegen und in der Aussage.
Häufige Fragen zu „Bruch“
Warum heißt der Bruch Bruch?
Weil der Zweig von Hand vom Ast gebrochen wird, ohne ihn mit dem Messer abzuschneiden. Das Messer dient nur dazu, manche Brüche zu befegen.
Was ist ein befegter Bruch?
Bei einem befegten Bruch hat der Jäger den Mitteltrieb mit dem Messer bearbeitet. So hebt sich das Zeichen deutlicher ab, etwa beim Leitbruch.
Was bedeutet der Hauptbruch?
Der armlange Hauptbruch steht für „Achtung“ und weist darauf hin, dass weitere Informationen folgen. Er wird auf den Boden gelegt oder in unübersichtlichem Gelände aufgehängt.
„Bruch“ kommt in 31 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- Jagdliches BrauchtumJagdliches Brauchtum umfasst die überlieferten Regeln, Zeichen und Rituale der Jägerschaft – von der Waidmannssprache über Bruchzeichen und Jagdsignale bis zum Streckelegen – und ist eng mit der Waidgerechtigkeit verbunden.
- HauptbruchDer Hauptbruch ist ein armlanger, befegter Zweig, der als jagdliches Bruchzeichen „Achtung“ bedeutet und darauf hinweist, dass in der Nähe eine weitere Information folgt.
- SchützenbruchDer Schützenbruch, auch Überreichungsbruch genannt, ist ein Zweig, den der Jagdleiter oder Jagdherr dem erfolgreichen Schützen auf dem Messer oder dem Jagdhorn überreicht und den dieser an der rechten Hutseite trägt.
- InbesitznahmebruchDer Inbesitznahmebruch ist ein Zweig, der auf die linke Seite eines erlegten Stückes gelegt wird und nach jagdlichem Brauch anzeigt, dass der Erleger das Wild in Besitz genommen hat.
- WarnbruchDer Warnbruch ist ein Verständigungsbruch aus einem befegten, zum Kreis gebogenen Zweig, der gut sichtbar aufgehängt wird und andere Jäger vor einer Gefahr warnt.
- Letzter BissenDer Letzte Bissen ist ein kleiner Bruch, also ein Zweig, den der Jäger dem erlegten männlichen Schalenwild als Zeichen der Achtung in den Äser oder ins Gebräch legt.
- AnschussDer Anschuss ist in der Jägersprache die Stelle, an der das Wild stand, als es beschossen wurde. Hier sucht der Jäger nach Pirschzeichen, und hier beginnt jede Nachsuche.
- StreckenlegungDie Streckenlegung, auch das Streckelegen, ist das geordnete Auslegen des erlegten Wildes nach einer Gesellschaftsjagd nach festen Regeln des jagdlichen Brauchtums; sie bildet deren feierlichen Abschluss.
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