Jagdpraxis
Wildkammer
Eine Wildkammer ist ein hygienisch ausgestatteter Raum, in dem erlegtes Wild aufgehängt, versorgt, gekühlt und weiterverarbeitet wird.
Was ist eine Wildkammer?
Nach dem Erlegen muss Wild rasch in einen Zustand gebracht werden, in dem es als Lebensmittel sicher bleibt. Die Wildkammer ist dafür der zentrale Ort: Hier wird das Stück hängend versorgt, abgekühlt und für die Be- und Verarbeitung vorbereitet. Das hängende Aufbrechen an der Wildkammer gilt als hygienischer als das liegende im Revier, weil das Stück keinen Bodenkontakt hat und die Schwerkraft die Arbeit erleichtert. Nachteil ist der Zeitverlust durch den Transport; deshalb eignet sich diese Methode besonders für Gesellschaftsjagden.
Ausstattung einer Wildkammer
Wände, Decke und Fußboden müssen abwaschbar sein. Ein gegen eindringende Schädlinge gesicherter Abfluss gehört zur Mindestausstattung. Zum Händewaschen dient ein Becken mit warmem und kaltem Wasser in Trinkwasserqualität. Hinzu kommen ausreichende Belüftung, sehr gute Beleuchtung und Schutz vor Ungeziefer. Für die Arbeit braucht es eine Aufhängevorrichtung mit Winde, eine Waage sowie Tische und Geräte aus rostfreiem Material. Gekühlt wird in einer Kühlzelle oder einem Wildkühlschrank, in dem die Wildkörper hängen, ohne einander zu berühren. Ein Thermometer, besser noch eine Temperaturaufzeichnung, gehört ebenfalls zur Ausstattung.
Kühlung und typische Fehler
Bei Großwild soll die Zieltemperatur innerhalb von zwölf Stunden erreicht sein. Im Sommer gehört das Stück deshalb ohne Umweg in die Kühlkammer; im Winter hilft die Außentemperatur zwar, reicht bei Sonne aber nicht aus. Verhitzen droht, wenn die Kammer zu warm ist, die Luft nicht zirkuliert oder mehrere Stücke aufeinanderliegen. Wer Wildbret einfriert, verlängert die Haltbarkeit durch Vakuumieren von sechs bis acht auf zwölf bis achtzehn Monate.
„Wildkammer“ in der Jägerprüfung
Gefragt wird nach der Mindestausstattung, etwa gesichertem Abfluss, Handwaschbecken und Belüftung, und nach dem Zweck der Einrichtung. Eine Situationsfrage betrifft ein im Sommer weidwund geschossenes Reh: Es wird unaufgebrochen in die nahe Wildkammer gebracht, dort bei gutem Licht versorgt, verschmutzte Stellen werden großzügig abgeschärft und erst danach mit Trinkwasser ausgespült. Außerdem wird geprüft, dass bei Schwarzwild vor dem Abschwarten und Zerwirken das Ergebnis der Trichinenuntersuchung abzuwarten ist.
Häufige Fragen zu „Wildkammer“
Was muss eine Wildkammer mindestens haben?
Einen gegen Schädlinge gesicherten Abfluss, ein Handwaschbecken mit warmem und kaltem Trinkwasser und eine ausreichende Belüftung. Dazu kommen abwaschbare Oberflächen und eine Kühlmöglichkeit.
Wie schnell muss Wild in der Wildkammer abkühlen?
Bei Großwild soll die Zieltemperatur binnen zwölf Stunden erreicht werden. Im Sommer ist daher der sofortige Transport in die Kühlung nötig.
Darf Schwarzwild in der Wildkammer sofort abgeschwartet werden?
Nein. Erst muss das Ergebnis der Trichinenuntersuchung vorliegen. Wer das Fleisch vorher in Verkehr bringt, macht sich strafbar; wer es vorher für den eigenen Haushalt zubereitet oder verarbeitet, handelt ordnungswidrig.
„Wildkammer“ kommt in 4 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Jagdpraxis und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- WildbrethygieneWildbrethygiene umfasst alle Maßnahmen vom Ansprechen vor dem Schuss bis zur Kühlung, mit denen der Jäger sicherstellt, dass Wildbret nicht verunreinigt wird oder verdirbt.
- WildbretWildbret ist in der Jägersprache das Fleisch von erlegtem Wild, das als Lebensmittel verwendet wird – umgangssprachlich also Wildfleisch; eine ältere Schreibweise lautet „Wildpret“.
- AufbrechenAufbrechen ist in der Jägersprache das Öffnen der Bauchhöhle eines erlegten Stückes Schalenwild und das Entnehmen der inneren Organe. Umgangssprachlich entspricht das dem Ausweiden.
- VersorgenVersorgen heißt, erlegtes Wild nach dem Schuss fachgerecht zu behandeln: bergen, aufbrechen, verschmutzte Teile entfernen und auskühlen, damit das Wildbret seine Qualität behält.
- TrichinenprobeDie Trichinenprobe ist eine Muskelprobe, die bei trichinenpflichtigem Wild wie Schwarzwild, Dachs oder Waschbär entnommen und amtlich auf Trichinen untersucht wird, bevor das Wildbret verzehrt werden darf.
- KnochensägeDie Knochensäge ist ein Werkzeug, mit dem beim Aufbrechen älterer Stücke Schalenwild das verknöcherte Brustbein durchtrennt wird, wenn ein Messer dafür nicht mehr ausreicht.
- AushakelnAushakeln ist eine ältere Methode, bei Federwild das Gescheide mit dem Finger oder einem Haken durch eine kleine Öffnung herauszuziehen, statt den Vogel aufzubrechen.
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