Jagdpraxis · Jägersprache
Fangschuss
Ein Fangschuss ist ein Schuss, mit dem krankgeschossenes Wild schnell getötet wird, um sein Leiden zu beenden; zusammen mit dem Fangstich gehört er zum Abfangen.
Was ist ein „Fangschuss“?
Nicht jeder Schuss tötet sofort. Liegt ein Stück nach dem Treffer noch lebend oder wird es bei der Nachsuche gestellt, erlöst der Jäger es mit einem weiteren gezielten Schuss, dem Fangschuss. Er ist eine Form des Abfangens, das auch mit der kalten Waffe als Fangstich möglich ist. Beim Blattfang wird der Fangschuss aufs Blatt gesetzt. Tierschutzrechtlich gilt: Ein sicherer erster Schuss, bei krankem Wild ein sofortiger Fangschuss und eine konsequente Nachsuche gehören zusammen; wer das unterlässt, handelt nicht nur unweidmännisch, sondern riskiert eine Strafbarkeit. Ein Erlegerrecht begründet der Fangschuss nicht.
Waffen und Munition für den Fangschuss
Schrot, Posten, gehacktes Blei, Bolzen und Pfeile sind nach § 19 Abs. 1 Nr. 1 BJagdG auf Schalenwild, Wölfe und Seehunde auch beim Fangschuss verboten; ausgenommen ist nur Schrot beim Fangschuss auf Wölfe und beim Töten von in Fallen gefangenen Wölfen. Mit Pistole oder Revolver ist der Fangschuss erlaubt, wenn die Mündungsenergie mindestens 200 Joule beträgt. Das Magazin einer halbautomatischen Kurzwaffe darf nach dem Prüfungsstoff höchstens 20 Patronen fassen. Auch beim Fangschuss muss ein Kugelfang vorhanden sein.
Wann und von wem der Fangschuss gegeben wird
Direkt nach dem Schuss lädt der Jäger nach, bleibt im Anschlag und beobachtet das Wild, um nötigenfalls sofort einen Fangschuss anbringen zu können. Besonders wichtig ist das beim Krellschuss: Das Geschoss streift die Wirbelsäule, das Stück bricht zusammen und steht nach kurzer Zeit wieder auf. Ohne sofortigen Fangschuss geht es verloren. Bei einer Nachsuche gibt in der Regel der Schweißhundeführer den Fangschuss vor dem gestellten Wild. Wird Schwarzwild von Hunden gestellt, kann ein Schuss die Hunde gefährden; dann kommt zum Abfangen die Saufeder in Betracht. Wechselt krankes Wild ins Nachbarrevier, richtet sich das weitere Vorgehen nach den Wildfolgeregeln des Landes oder einer schriftlichen Wildfolgevereinbarung; ob das Stück fortgeschafft werden darf, ist dort unterschiedlich geregelt.
„Fangschuss“ in der Jägerprüfung
Mit knapp 60 unterschiedlichen Fragen ist der Fangschuss ein Kernthema. Besonders oft wird die Mündungsenergie von 200 Joule für Kurzwaffen abgefragt, dazu die Einsatzzwecke von Kurzwaffen, die Rolle des Hundeführers bei der Nachsuche und das Verhalten bei Wildfolge. Häufiger Fehler: Schrot als Fangschuss auf Schalenwild nach Bundesrecht für zulässig zu halten.
Häufige Fragen zu „Fangschuss“
Welche Mündungsenergie braucht eine Kurzwaffe für den Fangschuss?
Mindestens 200 Joule.
Darf man einen Fangschuss auf Schalenwild mit Schrot abgeben?
Nach Bundesrecht nein: § 19 Abs. 1 Nr. 1 BJagdG verbietet Schrot auf Schalenwild auch als Fangschuss; ausgenommen ist nur Schrot beim Fangschuss auf Wölfe und beim Töten von in Fallen gefangenen Wölfen. Nordrhein-Westfalen lässt den Fangschuss mit Schrot abweichend zu (§ 19 LJG-NRW).
Wer gibt bei der Nachsuche den Fangschuss?
Wenn nichts anderes bestimmt ist, der Hundeführer. Er gibt den Fangschuss vor dem gestellten Wild.
„Fangschuss“ kommt in 59 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Jagdpraxis und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- AbfangenAbfangen ist das rasche Töten eines krankgeschossenen Stückes Wild, um sein Leiden abzukürzen – klassisch mit der kalten (blanken) Waffe, im weiteren Sinn auch durch einen Fangschuss.
- NachsucheDie Nachsuche ist die Suche nach krankgeschossenem Wild mit einem ausgebildeten Jagdhund, meist einem Schweißhund. Sie ist Pflicht des Jägers und soll das Leiden des Stückes schnell beenden.
- KugelfangAls Kugelfang bezeichnet man einen Hintergrund hinter dem Wild, der ein Geschoss zuverlässig stoppt, etwa einen ansteigenden Hang oder Erdwall; fehlt er, unterbleibt der Büchsenschuss.
- PistoleEine Pistole ist eine Kurzwaffe mit Magazin im Griff und einem Schlitten als Verschluss, der nach jedem Schuss selbsttätig nachlädt. Jagdlich ist sie nur in wenigen Ausnahmefällen zugelassen.
- RevolverEin Revolver ist eine Kurzwaffe mit einer drehbaren Trommel, deren meist sechs Kammern je eine Patrone aufnehmen. Die Trommel ist dabei zugleich Magazin und Patronenlager.
- WildfolgeWildfolge ist das Verfolgen von krankgeschossenem Wild, das in einen benachbarten Jagdbezirk gewechselt ist; sie ist nur nach Vereinbarung oder in gesetzlich eng begrenzten Ausnahmen erlaubt.
- KrellschussEin Krellschuss ist ein Treffer, bei dem das Geschoss einen Dornfortsatz der Wirbelsäule streift, ohne das Rückenmark zu durchtrennen. Das Stück bricht vorübergehend gelähmt zusammen, wird aber oft nach kurzer Zeit wieder hoch und flüchtet.
- SchweißhundEin Schweißhund ist ein Jagdhund, der auf die Nachsuche nach krankgeschossenem Schalenwild spezialisiert ist; klassische Rassen sind der Hannoversche Schweißhund, der Bayerische Gebirgsschweißhund und die Alpenländische Dachsbracke.
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