Jagdpraxis · Jägersprache
Gescheide
Gescheide ist das jägersprachliche Wort für den Magen-Darm-Trakt des Wildes. Man unterscheidet das große Gescheide (Magen bzw. Mägen) und das kleine Gescheide (Därme).
Was bedeutet „Gescheide“?
Umgangssprachlich würde man von den Eingeweiden oder vom Verdauungstrakt sprechen. Die Jägersprache teilt das Gescheide in zwei Teile. Zum großen Gescheide gehören bei den Wiederkäuern unter dem Schalenwild Pansen, Netzmagen, Blättermagen sowie Labmagen, bei anderen Haarwildarten der einfache Magen; beim Schwarzwild heißt er Weidsack. Das kleine Gescheide umfasst Dick- und Dünndarm. Abzugrenzen ist der Aufbruch: So heißt die Gesamtheit aller inneren Organe, die beim Aufbrechen entnommen werden. Das Gescheide ist also nur ein Teil davon.
Das Gescheide beim Aufbrechen
Beim Öffnen der Bauchdecke schieben zwei Finger der freien Hand das Gescheide nach innen, während das Messer zwischen den Fingern schneidet. Die stumpfe Spitze des Aufbrechmessers verhindert zusätzlich, dass Pansen oder Darmschlingen angeschnitten werden. Pansen, Gescheide und Harnblase dürfen dabei nicht verletzt werden. Im sechsten Schritt wird zuerst das Darmpaket mit dem großen Gescheide aus der Bauchhöhle gelöst; danach folgen nach Durchtrennen des Zwerchfells Herz, Lunge und Leber, wobei die zuvor gelöste Drossel als Zugleine dient. Bei kleinem Federwild wie Enten und Tauben wird das Gescheide ausgehakelt, beim Feldhasen nach dem Ausdrücken der Blase entnommen.
Gescheide als Pirschzeichen und Hygienethema
Liegt ein Treffer hinter der Kammer im Weichschussbereich, werden Pansen und Gescheide verletzt. Am Anschuss finden sich dann wässrig-bräunlicher Schweiß mit Panseninhalt oder beim Darmschuss fettiger, grünlicher Schweiß; die Nachsuche erfordert mehrere Stunden Wartezeit. Rohes Gescheide von Hasen und Kaninchen sollte nicht an Hunde verfüttert werden, weil diese Wildarten Zwischenwirte eines Hundebandwurms sein können. Fehlt beim Erlegen und Aufbrechen eine kundige Person, müssen für die Vermarktung über zugelassene Betriebe sämtliche Organe einschließlich Haupt und Gescheide mitgeliefert werden.
„Gescheide“ in der Jägerprüfung
Regelmäßig verlangt wird die Unterscheidung von kleinem und großem Gescheide. Daneben kommen Fragen zum sauberen Aufbrechen, zu den beim Waidwundschuss getroffenen Organen und zum Verfüttern an Hunde vor. Bei Szenarien zum Waidwundschuss wird erwartet, dass Pansen und Gescheide als getroffene Organe genannt werden. Wer Gescheide mit Aufbruch oder Geräusch gleichsetzt, macht einen typischen Fehler.
Häufige Fragen zu „Gescheide“
Was ist das kleine Gescheide?
Damit sind Dick- und Dünndarm des Wildes gemeint. Das große Gescheide umfasst dagegen Pansen und die übrigen Mägen bzw. den einfachen Magen.
Warum soll man Hasengescheide nicht an Hunde verfüttern?
Feldhase und Wildkaninchen können Zwischenwirte eines Hundebandwurms sein. Frisst der Hund das rohe Gescheide, kann er sich infizieren.
„Gescheide“ kommt in 23 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Jagdpraxis und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- AufbrechenAufbrechen ist in der Jägersprache das Öffnen der Bauchhöhle eines erlegten Stückes Schalenwild und das Entnehmen der inneren Organe. Umgangssprachlich entspricht das dem Ausweiden.
- AufbruchAufbruch nennt der Jäger die Gesamtheit der inneren Organe, die beim Aufbrechen eines erlegten Stückes herausgenommen werden – im Alltag würde man von Eingeweiden sprechen.
- AushakelnAushakeln ist eine ältere Methode, bei Federwild das Gescheide mit dem Finger oder einem Haken durch eine kleine Öffnung herauszuziehen, statt den Vogel aufzubrechen.
- WildbrethygieneWildbrethygiene umfasst alle Maßnahmen vom Ansprechen vor dem Schuss bis zur Kühlung, mit denen der Jäger sicherstellt, dass Wildbret nicht verunreinigt wird oder verdirbt.
- Kundige PersonDie kundige Person ist ein Jäger, der erlegtes Wild vor der Abgabe als Lebensmittel auf bedenkliche Merkmale untersucht; die nötige Sachkunde wird grundsätzlich mit der Jägerprüfung erworben.
- GeräuschGeräusch nennt die Jägersprache die inneren Organe Herz, Lunge, Leber und Nieren des erlegten Wildes. Zusammen mit dem Gescheide wird es beim Aufbrechen entnommen.
- AufbrechmesserDas Aufbrechmesser ist ein Jagdmesser mit stumpfer, abgerundeter Spitze, mit dem erlegtes Wild aufgebrochen wird. Die Spitze verhindert, dass Magen oder Darm versehentlich angeschnitten werden.
- PirschzeichenPirschzeichen sind die Spuren, die beschossenes Wild am Anschuss und auf seiner Fluchtfährte hinterlässt, etwa Schweiß, Haare, Knochensplitter oder Panseninhalt.
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