Jagdpraxis · Jägersprache
Treibjagd
auch: Treiben
Eine Treibjagd ist eine Gesellschaftsjagd, bei der Treiber und Hunde das Wild kräftig in Bewegung bringen und auf die Schützen zu treiben – klassisch auf Niederwild wie Hase oder Fasan.
Was ist eine „Treibjagd“?
Die Treibjagd zählt zu den Bewegungsjagden und ist eine typische Gesellschaftsjagd: Mehrere Jäger und Helfer arbeiten nach einem festen Plan zusammen. Der Abschnitt, der jeweils durchgedrückt wird, heißt im Jägerdeutsch Treiben. Im Unterschied zu Einzeljagden wie Ansitz oder Pirsch geht es nicht um das stille Abwarten, sondern darum, das Wild gezielt zu bewegen. Treiber und Hunde bringen es aktiv in Richtung der Schützen, die in einer Schützenlinie oder auf Ständen stehen. Ihr Schwerpunkt liegt beim Niederwild; regional sind etwa Hase und Fasan das Ziel. Eine Sonderform ist das Kesseltreiben mit eigenen Hornsignalen.
Ablauf, Hunde und Jagdsignale
Die Jagd wird mit Hornsignalen gegliedert: Das Anblasen eröffnet die Jagd oder ein neues Treiben, beim Kesseltreiben folgt „Treiber in den Kessel“, das die Treiber anhalten lässt, und schließlich „Hahn in Ruh“. Sobald ein Treiben abgeblasen ist, entlädt jeder Schütze sofort seine Waffe. Zum Schluss wird die Jagd abgeblasen; nach dem Verblasen der Strecke folgt das Halali. Bei jeder Such-, Drück- und Treibjagd müssen brauchbare Jagdhunde dabei sein. Eingesetzt werden stöbernde oder apportierende Hunde, je nach Wildart. Erwünscht ist ein bogenreiner Hund, der im ihm zugewiesenen Bogen des Treibens bleibt. Als Schützenstand dienen teils niedrige, mobile Drückjagdböcke von etwa 2 bis 3 m Höhe.
Sicherheit und Verbote
Die Hauptgefahren bei der Treibjagd sind flache Schüsse, unklare Schusswinkel und die Treiber und Hunde im Gelände. Geschossen wird erst, wenn Stück, Ziel und ein sicherer Kugelfang zweifelsfrei feststehen. Büchsen- und Flintenlaufgeschosse dürfen grundsätzlich nicht ins Treiben abgegeben werden; nach der Unfallverhütungsvorschrift Jagd darf der Jagdleiter davon nur bei besonderen Verhältnissen abweichen und nur, wenn eine Gefährdung sicher ausgeschlossen ist. Nach § 19 BJagdG ist die Treibjagd bei Mondschein verboten, und Waldschnepfen dürfen im Frühjahr weder mit Such- noch mit Treibjagd bejagt werden.
„Treibjagd“ in der Jägerprüfung
Die Treibjagd kommt in sehr vielen Prüfungsfragen vor. Erwartet wird, sie als typische Gesellschaftsjagd zu erkennen und von der Drückjagd abzugrenzen. Häufig geht es um die richtige Reihenfolge der Hornsignale beim Kesseltreiben, um das Verhalten mit der Waffe nach dem Abblasen und um die Frage, wann mit der Büchse ins Treiben geschossen werden darf. Auch die Pflicht, brauchbare Hunde mitzuführen, und die sachlichen Verbote werden regelmäßig abgefragt.
Häufige Fragen zu „Treibjagd“
Was ist der Unterschied zwischen Treibjagd und Drückjagd?
Beide sind Bewegungsjagden. Die Drückjagd bewegt das Wild langsam, damit es ruhig an festen Ständen vorbeizieht, und gilt vor allem Schalenwild. Bei der Treibjagd wird kräftiger getrieben, meist auf Niederwild.
Was muss man tun, wenn ein Treiben abgeblasen wird?
Die Waffe wird sofort entladen. Das Signal „Hahn in Ruh“ nach jedem Treiben und am Ende der Jagd bedeutet, dass alle Waffen entladen und gesichert sein müssen.
Darf man bei einer Treibjagd mit der Büchse ins Treiben schießen?
Grundsätzlich nicht; nur unter besonderen Verhältnissen, etwa wegen der Geländeform, darf der Jagdleiter eine Ausnahme zulassen, wenn eine Gefährdung ausgeschlossen ist. Ohne sie ist der Schuss ins Treiben wegen der Treiber und Hunde tabu.
„Treibjagd“ kommt in 120 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Jagdpraxis und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- DrückjagdDie Drückjagd ist eine Bewegungs- und Gesellschaftsjagd vor allem auf Schalenwild, bei der wenige Treiber und Hunde das Wild ruhig in Bewegung bringen, sodass es vertraut an Schützen auf festen Ständen vorbeizieht.
- GesellschaftsjagdEine Gesellschaftsjagd ist eine Jagd, bei der mehrere Jäger und Helfer organisiert unter einem Jagdleiter zusammenwirken. Typische Formen sind Treibjagd, Kesseltreiben und Drückjagd.
- JagdartEine Jagdart ist die Form, in der die Jagd praktisch ausgeübt wird – etwa als Ansitz, Pirsch, Treib- oder Drückjagd, Baujagd oder Beizjagd –, jeweils mit eigenem Zweck, Ablauf und eigenen Sicherheitsregeln.
- JagdhornDas Jagdhorn ist ein Signalinstrument, mit dem Jäger den Ablauf einer Jagd leiten, sich verständigen und die Strecke verblasen; am häufigsten wird heute das ventillose Fürst-Pless-Horn in B verwendet.
- DrückjagdbockEin Drückjagdbock, auch Bockleiter genannt, ist ein niedriger, meist mobiler Hochsitz von etwa zwei bis drei Metern Höhe, der bei Drück- und Treibjagden als Schützenstand dient.
- StöberhundEin Stöberhund ist ein kleiner bis mittelgroßer Jagdhund, der selbstständig in dichter Deckung sucht, Wild spurlaut herausbringt und dabei Kontakt zum Führer hält; wichtigste deutsche Rasse ist der Deutsche Wachtelhund.
- Sachliches VerbotSachliche Verbote sind die in § 19 BJagdG aufgezählten Jagdmethoden, Munitionsarten und Hilfsmittel, deren Einsatz bei der Jagd untersagt ist.
- WaldschnepfeDie Waldschnepfe (Scolopax rusticola) ist ein heimlich lebender Schnepfenvogel feuchter Wälder. Kennzeichen sind der lange, gerade Stecher, das laubfarbene Tarngefieder und weit hinten sitzende Augen.
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