Jagdpraxis · Jägersprache
Ansprechen
auch: Ansprache
Ansprechen ist in der Jägersprache das sichere Bestimmen eines Stückes Wild vor dem Schuss: Wildart, Geschlecht, Altersklasse, Gesundheitszustand und ob es erlegt werden darf.
Was bedeutet „Ansprechen“?
Im Alltag heißt ansprechen, jemanden anzureden. Der Jäger meint damit etwas völlig anderes: das genaue Erkennen und Einordnen eines Stückes Wild, bevor eine Schussentscheidung fällt. Es geht um mehr als die Art. Geklärt werden muss auch das Geschlecht, das bei Schalenwild oft über die Freigabe entscheidet, die Altersklasse im Abgleich mit dem Abschussplan, der Gesundheitszustand und ob Jagdzeit und Freigabe den Abschuss erlauben. Handelt es sich um ein führendes Muttertier, wird zuerst das Jungtier erlegt. Das genaue Ansprechen gilt als Grundsatz waidgerechter Jagd.
Ansprechen in der Praxis
Vor jedem Schuss steht eine gedankliche Prüfliste: sicher angesprochen, Kugelfang vorhanden, genug Büchsenlicht, niemand im Schussfeld, vertretbare Entfernung, sicherer Haltepunkt. Fällt auch nur eine Antwort negativ aus, unterbleibt der Schuss. Büchsenlicht endet, sobald kein sicheres Ansprechen mehr möglich ist, und ist nicht dasselbe wie die gesetzliche Jagdzeit. Für die Dämmerung eignet sich ein lichtstarkes Fernglas wie 8 × 56. Wo das Landesrecht Nachtsichttechnik bei der Schwarzwildjagd zulässt, ermöglicht ein Vorsatzgerät, das Ziel bis zur Schussabgabe genau anzusprechen und das Hintergelände zu beobachten.
Typische Ansprechmerkmale
Weibliches Rehwild lässt sich im November an der Schürze erkennen. Beim Gamswild weisen herunterhängende Pinselhaare und stark gehakelte Krucken auf einen Bock hin. Männliches Damwild lässt sich über Pinsel und Rosenstöcke relativ sicher bestimmen; zudem hilft der lange Wedel mit schwarz umrandetem Spiegel bei der Artbestimmung. Zugleich ist das Ansprechen die Lebenduntersuchung des Wildes: Wer Verhalten und Zustand vor dem Schuss beobachtet, legt den Grundstein der Wildbrethygiene.
„Ansprechen“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung verlangt die Bestandteile des Ansprechens, konkrete Geschlechtsmerkmale bei Reh-, Gams- und Damwild und das Wissen, dass die Lebenduntersuchung und damit die Wildbrethygiene hier beginnen. Häufiger Fehler: Das Ansprechen auf die Wildart zu verkürzen oder Büchsenlicht mit Jagdzeit gleichzusetzen.
Häufige Fragen zu „Ansprechen“
Was gehört zum Ansprechen von Wild?
Wildart, Geschlecht, Altersklasse, Gesundheitszustand und die Frage, ob das Stück nach Jagdzeit, Abschussplan und Freigabe erlegt werden darf. Außerdem muss geklärt sein, ob es sich um ein führendes Muttertier handelt.
Warum beginnt die Wildbrethygiene beim Ansprechen?
Beim Beobachten vor dem Schuss fallen Krankheitsanzeichen und auffälliges Verhalten auf. Diese Lebenduntersuchung ist damit der erste Schritt der Wildbrethygiene.
Was tun, wenn ein Stück nicht sicher angesprochen werden kann?
Nicht schießen. Ein unterlassener Schuss lässt sich nachholen, ein Fehlabschuss nicht.
„Ansprechen“ kommt in 21 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Jagdpraxis und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- KugelfangAls Kugelfang bezeichnet man einen Hintergrund hinter dem Wild, der ein Geschoss zuverlässig stoppt, etwa einen ansteigenden Hang oder Erdwall; fehlt er, unterbleibt der Büchsenschuss.
- SchussfeldDas Schussfeld ist der Bereich vor dem Schützen, in den er gefahrlos schießen kann; es muss frei von Personen und gut einsehbar sein, bevor ein Schuss fällt.
- FernglasDas Fernglas ist das wichtigste Beobachtungsgerät des Jägers. Mit ihm wird Wild gesucht, bestimmt und angesprochen, bevor überhaupt eine Waffe in Anschlag kommt.
- ElterntierschutzElterntierschutz ist die Regel aus § 22 Abs. 4 BJagdG: Während der Setz- und Brutzeiten bleiben Alttiere, die ihre Jungen noch aufziehen, von der Jagd verschont, bis der Nachwuchs selbstständig ist.
- WildbrethygieneWildbrethygiene umfasst alle Maßnahmen vom Ansprechen vor dem Schuss bis zur Kühlung, mit denen der Jäger sicherstellt, dass Wildbret nicht verunreinigt wird oder verdirbt.
- AbschussplanDer Abschussplan ist die behördlich bestätigte oder festgesetzte Planung, wie viele Stücke einer Wildart nach Geschlecht und Altersklasse in einem Revier für ein Jagdjahr oder – je nach Landesrecht – für mehrere Jagdjahre erlegt werden sollen.
- AnsitzjagdDie Ansitzjagd, kurz Ansitz oder Anstand, ist eine Einzeljagd, bei der der Jäger an einem festen Platz wie Kanzel, Leiter oder Schirm auf Wild wartet, statt es aufzusuchen oder treiben zu lassen.
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