Jagdpraxis · Jägersprache
Streckenlegung
auch: Streckelegen, Strecke legen
Die Streckenlegung, auch das Streckelegen, ist das geordnete Auslegen des erlegten Wildes nach einer Gesellschaftsjagd nach festen Regeln des jagdlichen Brauchtums; sie bildet deren feierlichen Abschluss.
Was bedeutet „Streckenlegung“?
Nach einer Gesellschaftsjagd wird nicht einfach Wild zusammengetragen. Es wird nach einer überlieferten Ordnung auf einer freien, ebenen Fläche aufgereiht. Dieses Streckelegen ist zusammen mit Jagdsignalen, Bruchzeichen und der Waidmannssprache ein Kernstück des jagdlichen Brauchtums. Im Ablauf einer Gesellschaftsjagd folgt es auf die eigentliche Jagd, gemeinsam mit dem Versorgen des Wildes und dem Veranlassen von Nachsuchen; danach kommen Streckenmeldung und Abschluss.
Regeln und Reihenfolge beim Streckelegen
Jedes Stück liegt auf der rechten Körperseite, mit dem Haupt vom Betrachter aus nach links; die Reihe einer Wildart wird von rechts nach links gelegt. Oben, also am weitesten vom Betrachter entfernt, liegt das stärkste Stück. Es gilt Hochwild vor Niederwild, Haar- vor Federwild, männlich vor weiblich, stark vor schwach und alt vor jung. Die Reihenfolge lautet Rotwild, Damwild, Gamswild, Muffelwild, Schwarzwild, Rehwild und danach Niederwild. Zwischen den Arten bleibt etwa eine Wildbreite frei. Federwild liegt ebenfalls mit dem Kopf nach links, die Ständer angezogen. Das Schalenwild erhält den letzten Bissen.
Streckelegen bei Drückjagden
Bei heutigen Drückjagden fällt das Streckelegen häufig schlichter aus, die Grundordnung sollte aber erhalten bleiben. Wird nur Schwarzwild erlegt, sortiert man nach Stärke; die stärksten Keiler kommen nach oben. Zum Schluss werden zuerst „Jagd vorbei“ und dann das „Halali“ geblasen, bei dem die Jäger die Kopfbedeckung in die Hand nehmen.
„Streckenlegung“ in der Jägerprüfung
Kaum ein Brauchtumsthema wird so häufig geprüft. Gefragt werden die Körperseite, die Richtung der Reihe, die Grundsätze wie Hochwild vor Niederwild, die Stellung der Schützen und die letzten Signale. Häufiger Fehler: das Rehwild falsch einzuordnen. Es zählt zwar zum Niederwild, liegt bei Gesellschaftsjagden aber am unteren Ende der Schalenwildreihe.
Häufige Fragen zu „Streckenlegung“
Auf welche Seite wird Wild beim Streckelegen gelegt?
Auf die rechte Körperseite, das Haupt vom Betrachter aus nach links. Die Reihe einer Wildart beginnt rechts und läuft nach links.
Welche Signale werden zum Schluss geblasen?
Zuerst „Jagd vorbei“, danach das „Halali“. Beim Halali nehmen die Jäger ihre Kopfbedeckung in die Hand.
„Streckenlegung“ kommt in 7 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Jagdpraxis und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- StreckeDie Strecke ist die Gesamtheit des bei einer Jagd, an einem Jagdtag oder in einem Zeitraum erlegten Wildes; nach Gesellschaftsjagden wird sie nach festen Regeln ausgelegt und verblasen.
- Jagdliches BrauchtumJagdliches Brauchtum umfasst die überlieferten Regeln, Zeichen und Rituale der Jägerschaft – von der Waidmannssprache über Bruchzeichen und Jagdsignale bis zum Streckelegen – und ist eng mit der Waidgerechtigkeit verbunden.
- Letzter BissenDer Letzte Bissen ist ein kleiner Bruch, also ein Zweig, den der Jäger dem erlegten männlichen Schalenwild als Zeichen der Achtung in den Äser oder ins Gebräch legt.
- VerblasenVerblasen bedeutet, die gelegte Strecke nach einer Gesellschaftsjagd mit Jagdhornsignalen zu ehren. Dabei werden die Totsignale der erlegten Wildarten geblasen, abschließend folgt das Halali.
- BruchEin Bruch ist in der Jägersprache ein von Hand abgebrochener grüner Zweig bestimmter Holzarten, der als stilles Verständigungs- oder Ehrenzeichen dient.
- GesellschaftsjagdEine Gesellschaftsjagd ist eine Jagd, bei der mehrere Jäger und Helfer organisiert unter einem Jagdleiter zusammenwirken. Typische Formen sind Treibjagd, Kesseltreiben und Drückjagd.
- DrückjagdDie Drückjagd ist eine Bewegungs- und Gesellschaftsjagd vor allem auf Schalenwild, bei der wenige Treiber und Hunde das Wild ruhig in Bewegung bringen, sodass es vertraut an Schützen auf festen Ständen vorbeizieht.
Weitere Begriffe aus Jagdpraxis
TreibjagdTrichinenprobeSicherheitswinkelSchützenbruchVersorgenSchussfeldWaidblattSchrotschussAlle Begriffe aus Jagdpraxis