Wildbiologie · Jägersprache
Gebräch
auch: Gebrech
Gebräch hat zwei jagdliche Bedeutungen: Es bezeichnet den Rüssel des Schwarzwildes (meist Gebrech geschrieben) und den Wildschaden, bei dem Sauen den Boden mit diesem Rüssel umbrechen.
Was bedeutet „Gebräch“?
Im ersten Sinn steht das Wort für den Schnauzenbereich einer Sau, also das, was man umgangssprachlich Rüssel nennt. In Fachtexten findet sich dafür meist die Schreibung Gebrech, in Prüfungsantworten auch Gebräch. Im zweiten Sinn meint Gebräch das Ergebnis der Nahrungssuche: Schwarzwild bricht, das heißt, es wühlt den Boden auf, um an Engerlinge, Würmer und Knollen zu kommen. Die aufgerissenen Flächen heißen dann ebenfalls Gebräch. Beide Bedeutungen hängen zusammen, denn der Schaden entsteht genau mit dem Körperteil, das denselben Namen trägt.
Das Gebrech als Sinnesorgan
Der Rüssel ist für Sauen weit mehr als ein Werkzeug zum Wühlen. In ihm sitzen ein hoch entwickelter Tastsinn und ein feiner Geruchssinn, mit denen das Schwarzwild den Boden prüft und darin Nahrung findet. Für den Ansitz bedeutet das: Neben Wind und Geräuschen muss man bei Sauen den Tastsinn im Gebrech als eigene Wahrnehmungsleistung kennen. Im Brauchtum hat das Gebräch ebenfalls seinen Platz. Der Letzte Bissen, ein kleiner Bruch, wird erlegtem männlichem Schalenwild in den Äser gelegt, beim Keiler entsprechend ins Gebräch, und zwar quer von rechts nach links.
Gebräch als Wildschaden in der Landwirtschaft
Auf dem Feld zählt das Gebräch neben Fraß, Tritt und Lager zu den vier Schadensarten; der Merkspruch dazu lautet „FTLG“. Hauptverursacher ist allein das Schwarzwild. Betroffen sind vor allem Grünland, Kartoffeläcker und Maisfelder. Frisch umgebrochene Flächen erkennt man sofort. Im Kartoffelschlag brechen Sauen den Acker auf und fressen die Knollen. Für den Jäger ist Gebräch zugleich ein Hinweis, dass Schwarzwild im Revier steht, ebenso wie Fährten, Suhlen, Malbäume, Losung und Kessel.
„Gebräch“ in der Jägerprüfung
Gefragt wird nach beiden Bedeutungen. Einerseits gehört das Gebräch zu den äußeren Körperteilen des Schwarzwildes, die aufgezählt werden sollen. Andererseits wird verlangt, die landwirtschaftlichen Schadensarten zu kennen und das Gebräch eindeutig dem Schwarzwild zuzuordnen. Auch Anwesenheitszeichen von Sauen im Revier und der Letzte Bissen kommen vor. Ein typischer Fehler ist, beim Schwarzwild nur an den Sehsinn zu denken und den Tastsinn im Rüssel zu vergessen.
Häufige Fragen zu „Gebräch“
Was ist der Unterschied zwischen Gebrech und Gebräch?
Meist steht Gebrech für den Rüssel des Schwarzwildes und Gebräch für den umgebrochenen Boden. In Prüfungsantworten wird Gebräch allerdings auch für den Rüssel selbst verwendet, deshalb sollte man beide Schreibweisen kennen.
Welche Kulturen sind vom Gebräch besonders betroffen?
Vor allem Grünland, Kartoffeläcker und Maisflächen. Sauen suchen dort im Boden nach Engerlingen, Würmern und Knollen und reißen dabei die Grasnarbe oder den Acker auf.
„Gebräch“ kommt in 3 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- SchwarzwildSchwarzwild ist die jagdliche Bezeichnung für das Wildschwein (Sus scrofa), die einzige wildlebende Schweineart Deutschlands; es zählt zum Schalenwild, ist aber kein Wiederkäuer.
- WildschadenWildschaden ist ein Schaden, den frei lebendes Wild an land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen und Kulturen anrichtet; ersatzpflichtig ist er nach § 29 BJagdG nur bei bestimmten Wildarten.
- SuhleDie Suhle ist eine schlammige, wassergefüllte Bodenstelle, in der sich Schwarz-, Rot- und Sikawild wälzen; das Bad im Schlamm kühlt und hält Parasiten fern.
- MalbaumEin Malbaum ist ein Baum, an dem sich Schwarzwild nach dem Suhlen reibt und scheuert. Das Reiben heißt jägersprachlich Malen und hinterlässt Schlamm und Borsten an der Rinde.
- TellerTeller ist das jägersprachliche Wort für die Ohren des Schwarzwildes. Bei Reh- und Rotwild heißen die Ohren dagegen Lauscher, bei Hase und Kaninchen Löffel.
- Letzter BissenDer Letzte Bissen ist ein kleiner Bruch, also ein Zweig, den der Jäger dem erlegten männlichen Schalenwild als Zeichen der Achtung in den Äser oder ins Gebräch legt.
- LosungLosung ist das Wort der Jägersprache für den Kot des Wildes. Sie gehört zu den Pirschzeichen und hilft, Wildvorkommen im Revier nachzuweisen.
- WindfangWindfang ist das jägersprachliche Wort für die Nase – beim Schalenwild ebenso wie bei vielen weiteren Haarwildarten, etwa beim Hasen.
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