Wildbiologie · Jägersprache
Windfang
Windfang ist das jägersprachliche Wort für die Nase – beim Schalenwild ebenso wie bei vielen weiteren Haarwildarten, etwa beim Hasen.
Was bedeutet „Windfang“?
Die Jägersprache hat für viele Körperteile des Wildes eigene Namen. Die Nase heißt beim Reh-, Rot-, Dam- und Sikawild ebenso wie beim Hasen Windfang. Wenn Wild riecht, sagt der Jäger, es nimmt Witterung auf. Beim Schwarzwild übernimmt das Gebrech, also der Rüssel, eine besondere Rolle: Dort sitzen ein wichtiger Tast- und Geruchssinn, mit dem die Sauen beim Brechen und Suchen arbeiten. Wer die Jägersprache beherrscht, muss Windfang, Lauscher, Lichter, Äser, Löffel, Teller und Gebrech sicher zuordnen können. Beim Rehwild ist der Windfang schwarz gefärbt.
Der Geruchssinn als Warnsinn
Nase und Ohren sind für fast alles Haarwild die entscheidenden Warnsinne. Daraus folgt eine Grundregel der Jagd: Der Wind muss vom Wild zum Jäger wehen, nicht umgekehrt. Starker oder drehender Wind kann die Wahrnehmung des Wildes zwar stören, macht den Jäger aber keineswegs unbemerkt. Raubwild wie Fuchs, Dachs oder Marder setzt die Nase vor allem bei Nahrungssuche, Reviermarkierung und Feinderkennung ein. Duftspuren sind außerdem an Fährten, Wechseln und im Sozialkontakt von Bedeutung. Beim Reh- und Muffelwild liegt der Muffelfleck oberhalb des Windfangs in der Nähe des Äsers.
Rachenbremsen: Befall über den Windfang
Die Rachenbremse ist eine hummelähnliche Fliege, die lebende Larven gebärt. In den Sommermonaten schleudert sie diese im Vorbeiflug in den Windfang von Reh- oder Rotwild. Die Larven wandern in die Nasennebenhöhlen und den Rachen, um dort geschützt zu überwintern. Starker Befall macht sich vor allem im Mai durch Husten bemerkbar. Rehe versuchen sich durch plötzliche Fluchten und Ablecken des Windfangs zu wehren. Die Genusstauglichkeit ist in der Regel nicht beeinträchtigt.
„Windfang“ in der Jägerprüfung
Direkt abgefragt wird der Begriff bei Aufzählungen jägersprachlicher Körperteile. Häufiger erscheint er in Fragen zur Rachenbremse und zur Lage des Muffelflecks. Typischer Fehler: das Gebrech des Schwarzwildes als Windfang zu bezeichnen.
Häufige Fragen zu „Windfang“
Was ist der Windfang beim Reh?
Die Nase. Beim Rehwild ist sie schwarz, darüber liegt der Muffelfleck in der Nähe des Äsers.
Wie gelangen Rachenbremsenlarven in das Reh?
Die Fliege spritzt ihre lebenden Larven im Flug in den Windfang. Von dort wandern sie über die Nasennebenhöhlen in den Rachenraum.
Warum ist der Wind bei der Jagd so wichtig?
Geruch gehört zu den wichtigsten Warnsinnen des Haarwildes. Steht der Wind vom Jäger zum Wild, kann es den Menschen wittern, bevor dieser zu Schuss kommt.
„Windfang“ kommt in 8 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- LauscherLauscher ist das Wort der Jägersprache für die Ohren des Schalenwildes, etwa bei Reh-, Rot- und Damwild; andere Wildarten haben eigene Ohrbezeichnungen.
- LichterLichter ist das Wort der Jägersprache für die Augen des Wildes, etwa bei Reh-, Rot-, Dam- und Schwarzwild; beim Hasen spricht man auch von Sehern.
- ÄserÄser ist das jägersprachliche Wort für das Maul des Schalenwildes, also etwa von Reh, Rot-, Dam- oder Sikawild. Beim Schwarzwild heißt der entsprechende Bereich dagegen Gebrech.
- GebrächGebräch hat zwei jagdliche Bedeutungen: Es bezeichnet den Rüssel des Schwarzwildes (meist Gebrech geschrieben) und den Wildschaden, bei dem Sauen den Boden mit diesem Rüssel umbrechen.
- LöffelLöffel ist das Wort der Jägersprache für die Ohren von Hase und Kaninchen. Beim Feldhasen sind sie lang und schwarz gespitzt, beim Wildkaninchen kürzer und ohne schwarze Spitze.
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- PirschPirsch ist eine Einzeljagdart, bei der der Jäger das Revier leise und langsam gegen oder quer zum Wind begeht, um sich dem Wild unbemerkt zu nähern.
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