Wildbiologie
Rebhuhn
auch: Perdix perdix
Das Rebhuhn (Perdix perdix) ist ein heimischer Hühnervogel der offenen, strukturreichen Feldflur. Als Bodenbrüter mit Nestflüchter-Küken lebt es im Herbst und Winter im Familienverband, der Kette.
Was ist das „Rebhuhn“?
Das Rebhuhn gehört zur Ordnung der Hühnervögel und zur Familie der Fasanenartigen. Jagdlich zählt es zum klassischen Niederwild der Feldflur und wird zusammen mit dem Fasan zu den Feldhühnern gerechnet. Es ist überwiegend Standvogel und bewegt sich nur kleinräumig. Einst in zahlreichen Feldrevieren verbreitet, gilt es heute als Musterbeispiel für den Rückgang des Niederwildes. Als Charakterart zeigt es an, ob eine Agrarlandschaft genug Struktur besitzt. Nadelwaldgebiete mit Kahlflächen eignen sich für die Rebhuhnhege nicht.
Fortpflanzung, Kette und Geschlechtsunterschiede
Die Paare finden sich im Februar und März und bleiben mindestens ein Jahr zusammen. Das Rebhuhn brütet am Boden, die Küken sind Nestflüchter und werden von beiden Altvögeln geführt. In den ersten Lebenswochen brauchen sie sehr viel tierisches Eiweiß, vor allem Insekten und andere kleine Wirbellose; später nimmt der Pflanzenanteil zu. Altvögel fressen Sämereien, Körner, Wildkräuter, Grünes und Insekten. Im Herbst und Winter lebt die Familie als Kette zusammen, deren Stärke Hinweise auf Bruterfolg und Überleben gibt. Hahn und Henne lassen sich an der Zeichnung der Oberflügeldeckfedern unterscheiden. Der Hufeisenfleck ist beim Hahn meist deutlicher, taugt aber nicht als alleiniges Merkmal.
Bestandsrückgang und Hege
Für den Rückgang gibt es nicht nur eine Ursache. Genannt werden Strukturverlust, intensive Bewirtschaftung, fehlende Brachen, schwindende Insekten, frühe Mahd, Pestizide, Witterung und Prädation. Herbizide treffen das Rebhuhn indirekt, weil sie Nahrung und Deckung schmälern. Wirksame Hege setzt daher am Lebensraum an: mehrjährige Brachen und lückige Blühstreifen, Altgrasstreifen, Feldraine und gepflegte Hecken, über Winter erhaltene Stoppeln, späte Mahd und Ruhe in der Brutzeit. Die Bejagung von Fressfeinden hilft nur, wenn sie in diese Lebensraumhege eingebettet ist. Bestände werden über Kettenzählung, Rufkartierung und Beobachtung im Revier erfasst.
Rechtsstatus und Jagdzeiten nach Bundesland
Das Rebhuhn unterliegt dem Jagdrecht, seine Bejagbarkeit regeln aber die Länder, und wegen der Bestandslage ist sie vielerorts stark eingeschränkt. In Baden-Württemberg, Brandenburg, Berlin und Bremen ist es ganzjährig geschont. Im Saarland und in Sachsen-Anhalt ist die Jagd vom 1. September bis 15. Dezember erlaubt, in Hamburg vom 1. September bis 30. November. In Bayern läuft die Jagdzeit vom 1. September bis 31. Oktober, wobei Verbände einen freiwilligen Verzicht empfehlen; Hessen sieht den 16. September bis 31. Oktober bei ausreichendem Bestand vor. Nach der Bundeswildschutzverordnung darf rechtmäßig erlegtes Rebhuhn vermarktet werden, weil die Art in Anlage 2 von den Vermarktungsbeschränkungen ausgenommen ist.
„Rebhuhn“ in der Jägerprüfung
Das Rebhuhn ist ein Kernbeispiel für Bodenbrut, Nestflucht und Lebensraumhege. Gefragt wird nach der Kette, nach der Kükennahrung, nach der Zeit der Paarbildung und nach den Merkmalen zur Unterscheidung der Geschlechter. Typische Fehler sind, nur Körner als Kükennahrung zu nennen, die Kette mit Rudel oder Schwarm zu verwechseln und als Hegemaßnahme allein die Fuchsbejagung anzuführen.
Häufige Fragen zu „Rebhuhn“
Was ist eine Kette beim Rebhuhn?
So heißt der Familienverband, in dem Altvögel und Junge im Herbst und Winter zusammenleben. Die Größe der Kette verrät, wie erfolgreich die Brut war.
Warum brauchen Rebhuhnküken Insekten?
In den ersten Lebenswochen benötigen sie sehr viel tierisches Eiweiß. Deshalb trifft der Insektenrückgang das Rebhuhn indirekt über die Nahrung.
Wie unterscheidet man Rebhahn und Rebhenne?
An der Zeichnung der Oberflügeldeckfedern. Der Hufeisenfleck ist beim Hahn meist ausgeprägter, sollte aber nur zusammen mit anderen Merkmalen bewertet werden.
„Rebhuhn“ kommt in 70 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- KetteKette nennt der Jäger den Familienverband der Rebhühner aus Hahn, Henne und den Jungvögeln, der vom Spätsommer bis zur Paarbildung im Frühjahr zusammenbleibt.
- HühnervögelHühnervögel (Galliformes) sind kräftig gebaute, überwiegend am Boden lebende Vögel mit starken Ständern, kurzen runden Schwingen und schnellem Startflug; alle heimischen Arten brüten am Boden und sind Nestflüchter.
- BodenbrüterBodenbrüter sind Vögel, die ihr Nest gut getarnt direkt auf dem Boden anlegen – dazu zählen alle heimischen Hühnervögel, aber etwa auch Gänse, Schnepfen und die Weihen.
- NestflüchterNestflüchter sind Jungtiere, die schon kurz nach Schlupf oder Geburt weit entwickelt sind, das Nest verlassen und dem führenden Elterntier folgen. Typisch sind Hühnervögel, Enten und Junghasen.
- FasanDer Fasan, genauer Jagdfasan (Phasianus colchicus), ist ein ursprünglich asiatischer Hühnervogel, der in Europa eingebürgert wurde und heute als typisches Niederwild reich gegliederter Feldfluren gilt; jagdrechtlich zählt er zum Federwild.
- WachtelDie Wachtel (Coturnix coturnix) ist der kleinste heimische Hühnervogel. Sie lebt versteckt in der offenen Feldflur, brütet am Boden und zieht – anders als fast alle anderen heimischen Hühnervögel – über weite Strecken.
- BlühstreifenEin Blühstreifen ist ein Streifen mit heimischen Blühpflanzen am Acker-, Weg- oder Gewässerrand, der Insekten fördert und so Nahrung für Küken und Niederwild schafft; für die Hege wird eine Breite von mindestens 6 Metern empfohlen.
- PrädatorenmanagementPrädatorenmanagement ist die gezielte Bejagung von Fressfeinden wie Fuchs, Krähe oder Elster, um gefährdete Bodenbrüter und Niederwild zu schützen – wirksam nur zusammen mit einer Verbesserung des Lebensraums.
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