Wildbiologie · Jägersprache
Schwarzwild
auch: Wildschwein, Sauen
Schwarzwild ist die jagdliche Bezeichnung für das Wildschwein (Sus scrofa), die einzige wildlebende Schweineart Deutschlands; es zählt zum Schalenwild, ist aber kein Wiederkäuer.
Was ist Schwarzwild?
Mit Schwarzwild meint der Jäger das Wildschwein, das zur Familie der Echten Schweine gehört und Stammform des Hausschweins ist. Weil es gespaltene Schalen trägt, zählt es jagdlich zum Schalenwild – als einzige Art dieser Gruppe ohne Wiederkäuermagen und ohne Kauplatte. Als Allesfresser nimmt es Wurzeln, Knollen, Gräser, Mastfrüchte wie Eicheln und Bucheckern, Feldfrüchte, Insekten, Würmer, Schnecken, Eier, kleine Wirbeltiere und Aas auf. Den Namen verdankt es seiner Haut, der Schwarte, deren Borstenkleid im Winter deutlich dichter und dunkler wird. Das männliche Stück heißt Keiler, das weibliche Bache; Frischlinge sind biologisch im ersten, Überläufer im zweiten Lebensjahr.
Körperbau, Gebiss und Jägersprache
Die Ohren heißen Teller, der Schwanz Pürzel, der Rüsselbereich Gebrech, die langen Rückenborsten Federn; am Kamm lässt sich der Saubart rupfen. Der Magen heißt Weidsack, das Fett Weißes. Keiler tragen im Blatt- und Schulterbereich ein derbes Schild. Ihre vergrößerten Eckzähne bilden das Gewaff: unten die Gewehre oder Hauer, oben die Haderer; bei der Bache heißen die kleineren Eckzähne Haken. Das Dauergebiss hat 44 Zähne, das Milchgebiss 28. Der Zahnwechsel setzt mit etwa 12 Monaten ein, nach rund 24 Monaten ist das Dauergebiss komplett; die Backenzähne M1 bis M3 schieben mit etwa 6, 12 und 24 Monaten. Der Gesichtssinn ist nur schwach entwickelt.
Rotte, Fortpflanzung und Bejagung
Schwarzwild lebt in Familienverbänden, den Rotten, die eine erfahrene Leitbache führt. Sie darf nie erlegt werden. Die Rauschzeit liegt meist im November und Dezember, die Tragzeit merkt man sich als drei Monate, drei Wochen und drei Tage. Frischlinge sind wegen der hohen Vermehrungsleistung ganzjährig möglich. Schwarzwild suhlt sich gern, und im Feld kann es erhebliche Schäden an Grünland und Feldfrüchten anrichten. Auf Drückjagden bildet es den typischen Schwerpunkt. In vielen Ländern, etwa Brandenburg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen (befristet bis 31.01.2028), ist es ganzjährig jagdbar; in Baden-Württemberg gilt die allgemeine Schonzeit im Frühjahr ausdrücklich nicht für Schwarzwild. Führende Bachen sind durch den Elterntierschutz geschützt.
„Schwarzwild“ in der Jägerprüfung
Mit rund 500 Fragen ist Schwarzwild einer der am häufigsten geprüften Begriffe. Abgefragt werden Jägersprache, Gebiss und Zahnzahl, Ernährungstyp, Rauschzeit, Tragzeit, Rottenstruktur und die Schonung der Leitbache, außerdem die Afrikanische Schweinepest. Eine Falle liegt darin, ob eine Frage auf das biologische Alter oder auf das Jagdjahr abzielt – Frischling und Überläufer können dann unterschiedlich zu zählen sein. Ebenso häufig falsch: Schwarzwild als Wiederkäuer einzustufen.
Häufige Fragen zu „Schwarzwild“
Wieso zählt das Wildschwein zum Schalenwild, wenn es gar nicht wiederkäut?
Entscheidend für die Einordnung als Schalenwild sind die gespaltenen Schalen, nicht die Verdauung. Schwarzwild hat Schalen, besitzt aber als Allesfresser einen einfachen Magen ohne Wiederkäuerfunktion.
Wie viele Zähne hat Schwarzwild?
Das Dauergebiss umfasst 44 Zähne, das Milchgebiss 28. Vollständig ist das Dauergebiss nach etwa 24 Monaten.
Welches Stück Schwarzwild darf man aus einer Rotte nie schießen?
Die Leitbache. Als führende, erfahrene Bache steht sie an der Spitze des Familienverbands und wird deshalb grundsätzlich geschont.
„Schwarzwild“ kommt in 500 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Verwandte Begriffe
- KeilerKeiler heißt in der Jägersprache das männliche Wildschwein ab dem dritten Lebensjahr; kennzeichnend ist sein Gewaff aus vergrößerten Eckzähnen, den Gewehren und Haderern.
- BacheBache ist die jägersprachliche Bezeichnung für das weibliche Stück Schwarzwild, also die Wildsau. Führende Bachen mit abhängigen Frischlingen stehen unter dem Elterntierschutz.
- FrischlingEin Frischling ist ein Stück Schwarzwild im ersten Lebensjahr. Anfangs trägt es ein längs gestreiftes Tarnkleid, das es mit etwa vier bis fünf Monaten verliert.
- ÜberläuferEin Überläufer ist ein Stück Schwarzwild im zweiten Lebensjahr – also kein Frischling mehr, aber noch keine ausgewachsene Bache und kein Keiler.
- RotteRotte ist die jägersprachliche Bezeichnung für den Familienverband des Schwarzwildes. Zu ihr gehören überwiegend Bachen mit Frischlingen und Überläufern; sie wird meist von einer erfahrenen Leitbache geführt.
- GewaffGewaff heißen in der Jägersprache die vergrößerten Eckzähne des Keilers. Es setzt sich aus den unteren Eckzähnen, den Gewehren oder Hauern, und den oberen, den Haderern, zusammen.
- SchwarteSchwarte ist die jägersprachliche Bezeichnung für die Haut samt Borstenkleid des Schwarzwildes; auch das Fell des Dachses heißt Schwarte.
- RauschzeitRauschzeit ist die Paarungszeit des Schwarzwildes, klassisch im November und Dezember. Auch beim Muffelwild spricht man von der Rauschzeit.
Weitere Begriffe aus Wildbiologie
SchwingenSetzzeitSchneckenSikawildSchmaltierSperberSchmalrehSpiegelAlle Begriffe aus Wildbiologie