Wildbiologie · Jägersprache
Rotwild
auch: Rothirsch, Cervus elaphus
Rotwild (Cervus elaphus) ist die größte heimische Hirsch- und Schalenwildart Deutschlands. Jagdlich meint der Begriff die gesamte Art; der Hirsch ist das männliche Stück, das weibliche ab dem dritten Lebensjahr Alttier.
Was ist „Rotwild“?
Umgangssprachlich wird meist vom Rothirsch gesprochen, auch wenn die ganze Art gemeint ist. Jagdlich unterscheidet man sauber: Rotwild ist die Art, der Hirsch das männliche Stück, Tier oder Alttier das weibliche ab dem dritten Lebensjahr, dazu Schmaltier und Kalb. Rotwild gehört zu den Wiederkäuern mit Pansen, zur Unterfamilie der Echten Hirsche, und zählt jagdlich zum Hochwild. Den Namen verdankt es der rotbraunen Sommerdecke; im Winter ist die Decke grau- bis braungrau. Es ist groß, sozial, sehr störungsempfindlich und ein ausdauernder Läufer.
Körper, Gebiss und Geweih
Hirsche erreichen bis etwa 150 cm Schulterhöhe und meist 100 bis 160 kg, Tiere bis etwa 120 cm und 70 bis 110 kg. Ältere Hirsche tragen zur Brunft eine Mähne am Träger. Im Oberkiefer fehlen Schneidezähne, dort liegt eine Kauplatte. Die Grandeln sind zurückgebildete obere Eckzähne. Das Dauergebiss ist meist nach 28 bis 30 Monaten vollständig, danach lässt sich das Alter nur noch grob schätzen. Nur der Hirsch trägt ein Geweih, das er meist von Februar bis April abwirft. Das stärkste Geweih trägt ein Hirsch in freier Wildbahn meist erst im reifen Alter, häufig im 10. bis 14. Lebensjahr. Aus der Zahl der Enden lässt sich das Alter nicht sicher ablesen. Ein Hirsch mit Aug-, Eis- und Mittelsprosse sowie Gabel heißt Eissprossenzehner.
Jahreslauf, Rudel und Wildschäden
In Mitteleuropa liegt die Brunft im September und Oktober, gesetzt wird im Mai und Juni. Im Juli und August befindet sich der Hirsch in der Feistzeit. Rotwild lebt die meiste Zeit in Rudeln, die nach Geschlechtern getrennt sind. Ein Rudel aus Alttieren, Schmaltieren, Kälbern und geringen Hirschen führt meist ein Alttier mit Kalb an. Vom Äsungstyp her gilt Rotwild als Mischäser, auch intermediärer Typ genannt. Im Wald verbeißt es Knospen und Triebe junger Bäume und schält im Winter wie im Sommer die Rinde, was zu Wertverlusten führt. Bei Gefahr flüchtet es eher über weite Strecken, als sich in dichter Deckung zu verbergen.
Rechtsrahmen und Jagdzeiten
Für Büchsenpatronen auf Rotwild verlangt § 19 BJagdG mindestens 6,5 mm Kaliber und eine Energie von mindestens 2.000 Joule auf 100 m. Eine Trichinenuntersuchung ist nicht vorgeschrieben. Mehrere Länder beschränken das Rotwild auf festgelegte Gebiete. In Nordrhein-Westfalen ist seine Hege außerhalb von Jagdgattern auf festgelegte Verbreitungsgebiete beschränkt; dort unterliegt es dem Abschussplan, im Freigebiet darf es ohne Abschussplan erlegt werden. In Baden-Württemberg gilt für Hirsche die Jagdzeit vom 1. August bis 31. Januar, außerhalb der Rotwildgebiete gilt dort jedoch ein Abschussgebot; in Bayern sind Reviere außerhalb der Rotwildgebiete rotwildfrei zu machen und zu halten. In Berlin, Bremen und Hamburg kommt Rotwild praktisch nicht vor.
„Rotwild“ in der Jägerprüfung
Rotwild gehört zu den am häufigsten geprüften Wildarten. Schwerpunkte sind Geweihkunde, Brunft, Rudelstruktur, Gebiss mit Grandeln, Jägersprache, Äsungstyp und Bewirtschaftung. Häufige Fehler sind, Geweih und Gehörn zu verwechseln, Rotwild als Einzelgänger zu bezeichnen, die Brunftzeiten von Rot-, Dam- und Rehwild durcheinanderzubringen und von der Endenzahl auf das Alter zu schließen. Jagdzeiten sind stets nach dem geltenden Landesrecht zu nennen.
Häufige Fragen zu „Rotwild“
Was sind Grandeln beim Rotwild?
Grandeln sind die stark zurückgebildeten Eckzähne im Oberkiefer. Sie gelten als bekannte Besonderheit des Rotwildgebisses.
Wann ist Brunftzeit beim Rotwild?
In Mitteleuropa im September und Oktober. Vorher, im Juli und August, liegt die Feistzeit der Hirsche.
Wann wirft der Rothirsch sein Geweih ab?
In der Regel zwischen Februar und April. Alte Hirsche werfen dabei früher ab als junge.
„Rotwild“ kommt in 376 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- KahlwildKahlwild ist der Sammelbegriff für alle weiblichen Stücke und Kälber bei Rot-, Dam- und Sikawild – also für alles, was kein Geweih trägt.
- KalbKalb heißt in der Jägersprache das Jungtier von Rot-, Dam-, Sika- und Elchwild im ersten Lebensjahr; beim Rotwild unterscheidet man Hirschkalb (männlich) und Wildkalb (weiblich).
- SchmaltierSchmaltier heißt bei Rot-, Dam- und Sikawild das weibliche Stück im zweiten Lebensjahr. Es trägt kein Geweih, lebt im Kahlwildrudel und hat in der Regel noch kein eigenes Kalb.
- GeweihEin Geweih ist der knöcherne Kopfschmuck der männlichen Hirsche wie Rot-, Dam-, Sika- und Elchhirsch. Es sitzt auf den Rosenstöcken, wird jedes Jahr abgeworfen und unter dem Bast neu gebildet.
- GrandelnGrandeln sind die zurückgebildeten oberen Eckzähne des Rotwildes, die Hirsch und Tier im Oberkiefer vor den Backenzähnen tragen. Sie gelten als begehrte Trophäe und werden als Schmuck gefasst.
- RudelEin Rudel ist ein fester Verband mehrerer Stücke derselben Wildart, die gemeinsam äsen, ziehen und ruhen – typisch für Rot-, Dam-, Gams- und Muffelwild; auch Wölfe leben im Rudel.
- BrunftBrunft ist das Jägerwort für die Paarungszeit des Schalenwilds, vor allem der Hirscharten; beim Reh heißt sie Blattzeit, bei Schwarz- und Muffelwild Rauschzeit.
- SchälschadenEin Schälschaden ist ein Wildschaden im Wald, bei dem Wild – vor allem Rotwild – Rinde vom Stamm löst, um an die nährstoffreiche Bastschicht darunter zu gelangen.
Weitere Begriffe aus Wildbiologie
RotteSchalenRosenstockSchalenwildRosenSchmalrehRickeRehwildAlle Begriffe aus Wildbiologie