Wildbiologie · Jägersprache
Haarwild
auch: Haarwildarten
Haarwild ist der jagdliche Sammelbegriff für alle wildlebenden Säugetiere, die nach Bundesjagdgesetz und gegebenenfalls Landesrecht dem Jagdrecht unterliegen – im Gegensatz zum Federwild, den jagdrechtlich erfassten Vögeln.
Was bedeutet „Haarwild“?
Der Ausdruck stammt aus der Jägersprache und meint im Alltagsdeutsch schlicht die jagdbaren Säugetiere, also Wild mit Fell statt Federn. Entscheidend ist dabei nicht die Zoologie, sondern das Recht: Nur Säugetierarten, die das Bundesjagdgesetz oder ein Landesjagdgesetz ausdrücklich erfasst, zählen dazu. Zoologisch verteilen sich die Haarwildarten auf mehrere Ordnungen, vor allem Paarhufer, Raubtiere, Hasenartige und Nagetiere. Das Gegenstück bildet das Federwild, zu dem die dem Jagdrecht unterstellten Vogelarten gehören.
Die jagdlichen Gruppen des Haarwildes
Für den Unterricht wird Haarwild in Gruppen gegliedert. Zum Schalenwild gehören Reh-, Rot-, Dam-, Sika-, Muffel-, Gams-, Stein- und Schwarzwild sowie Elch und Wisent; mit Ausnahme des Rehwildes zählt alles Schalenwild zum Hochwild. Raubwild umfasst etwa Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Waschbär und Marderhund, während Wolf, Luchs und Wildkatze als Großraubwild mit besonderem Schutzstatus behandelt werden. Hinzu kommen die Hasenartigen mit Feldhase, Wildkaninchen und Schneehase sowie jagdlich relevante Nagetiere wie Murmeltier, Nutria und Bisam. Der Biber ist im Bundesjagdgesetz nicht als Haarwild aufgeführt; er unterliegt dem Naturschutzrecht.
Gebiss und Jägersprache als Bestimmungshilfe
Das Gebiss verrät die Gruppe: Wiederkäuendes Schalenwild hat im Oberkiefer vorn keine Schneidezähne, sondern eine Kauplatte. Schwarzwild besitzt dagegen ein vollständiges Allesfressergebiss und ist deshalb Schalenwild, aber kein Wiederkäuer. Raubwild erkennt man an Fang- und Reißzähnen. Hasenartige tragen hinter den oberen Schneidezähnen kleine Stiftzähne; bei Nagetieren findet man dagegen pro Kiefer lediglich zwei ständig nachwachsende Nagezähne. Auch die Jägersprache unterscheidet fein: Decke heißt die Haut des Schalenwildes, Schwarte die des Schwarzwildes, Balg die von Raubwild und Niederwild. Ohren heißen je nach Art Lauscher, Löffel oder Teller.
„Haarwild“ in der Jägerprüfung
Der Begriff taucht in vielen Prüfungsfächern auf. Gefragt wird etwa, welche Haarwildarten zum Hochwild zählen, welche Arten im Oberkiefer keine Schneidezähne haben oder welche mit einem Pfeifen warnen, nämlich Murmeltier und Wildkaninchen. In der Wildbrethygiene geht es darum, dass bei der amtlichen Untersuchung der vollständige Wildkörper samt Innereien vorzulegen ist. Häufige Fehler sind, Hasenartige als Nagetiere zu bezeichnen, Schwarzwild zu den Wiederkäuern zu rechnen oder die Zugehörigkeit zum Jagdrecht mit einer tatsächlichen Jagdzeit gleichzusetzen.
Häufige Fragen zu „Haarwild“
Worin unterscheiden sich Haarwild und Federwild?
Haarwild umfasst die dem Jagdrecht unterliegenden Säugetiere, Federwild die entsprechenden Vogelarten. Beide Begriffe beschreiben also rechtlich erfasste Wildtiere und keine zoologischen Gruppen.
Darf jedes Haarwild bejagt werden?
Nein. Schonzeiten, eine ganzjährige Schonung, Landesrecht oder Artenschutzrecht können die Jagd auf eine Art ausschließen. Welche Jagdzeiten gelten, ist bundeslandspezifisch geregelt.
Warum sind Hasen kein Nagetier, obwohl sie Haarwild sind?
Hasenartige bilden eine eigene Ordnung. Sie unterscheiden sich durch die zusätzlichen Stiftzähne im Oberkiefer, die echten Nagetieren fehlen.
„Haarwild“ kommt in 54 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- FederwildFederwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle wildlebenden Vogelarten, die dem Jagdrecht unterliegen – etwa Hühnervögel, Enten, Gänse, Tauben, Schnepfen, Rabenvögel sowie Greifvögel und Falken.
- SchalenwildSchalenwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer mit Schalen – Hirschartige, Hornträger und Schwarzwild.
- RaubwildRaubwild ist die jagdrechtliche Sammelbezeichnung für bestimmte Haarwildarten, die zu den Raubtieren gehören und sich von Fleisch oder als Allesfresser ernähren, etwa Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Waschbär und Marderhund.
- DeckeDecke ist das jägersprachliche Wort für Haut und Fell des Schalenwildes und vieler weiterer Haarwildarten, etwa bei Reh-, Rot- und Damwild.
- BalgBalg ist das jägersprachliche Wort für das Fell samt Haut von Raubwild und Niederwild, etwa von Fuchs, Marder oder Hase. Beim Schalenwild heißt es Decke, beim Schwarzwild und Dachs Schwarte.
- SchwarteSchwarte ist die jägersprachliche Bezeichnung für die Haut samt Borstenkleid des Schwarzwildes; auch das Fell des Dachses heißt Schwarte.
- FeldhaseDer Feldhase (Lepus europaeus) ist ein Niederwild der offenen Kulturlandschaft aus der Ordnung der Hasenartigen. Er ist kein Nagetier, ruht in einer oberirdischen Sasse und bringt behaarte, sehende Junge zur Welt.
- MurmeltierDas Alpenmurmeltier (Marmota marmota) ist ein Nagetier aus der Familie der Hörnchen, das im Hochgebirge in Familienverbänden lebt, bei Gefahr pfeift und echten Winterschlaf hält.
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