Wildbiologie · Jägersprache
Kalb
auch: Hirschkalb, Wildkalb, Rotwildkalb
Kalb heißt in der Jägersprache das Jungtier von Rot-, Dam-, Sika- und Elchwild im ersten Lebensjahr; beim Rotwild unterscheidet man Hirschkalb (männlich) und Wildkalb (weiblich).
Was bedeutet „Kalb“?
Wie in der Landwirtschaft beim Rind bezeichnet Kalb auch in der Jagd ein Jungtier, hier jedoch bei den größeren Hirscharten. Gemeint ist das Stück im ersten Lebensjahr. Das männliche Kalb heißt Hirschkalb, das weibliche Wildkalb. Kälber zählen zusammen mit den weiblichen Stücken zum Kahlwild, also zu allem Rotwild ohne Geweih. Nach dem ersten Lebensjahr wechselt die Bezeichnung: Aus dem Wildkalb wird im zweiten Jahr das Schmaltier, aus dem Hirschkalb der Schmalspießer mit seinem ersten, einfachen Geweih. Beim Rehwild spricht man dagegen nicht von Kalb, sondern von Kitz.
Setzzeit, Tarnkleid und Aufzucht beim Rotwild
Nach einer Tragzeit von etwa acht bis achteinhalb Monaten setzt das Alttier zwischen Ende Mai und Juni in aller Regel ein einzelnes Kalb; Zwillinge kommen selten vor. Das Neugeborene trägt ein hell geflecktes Tarnkleid und verlässt sich bei Gefahr darauf, sich reglos in die Deckung zu drücken. Gesäugt wird es bis ins nächste Frühjahr, häufig rund zehn Monate lang. Ein Geweih trägt das Hirschkalb im ersten Jahr noch nicht; anders als das Bockkitz beim Rehwild bildet es kein Erstlingsgeweih, das schon im ersten Lebensjahr abgeworfen würde. Das Gebiss zeigt Milchzähne oder den beginnenden Zahnwechsel, weshalb sich das Alter hier noch recht gut ansprechen lässt.
Kälber bei anderen Hirscharten und im Rudel
Auch beim Damwild wird meist ein Kalb gesetzt, selten zwei, nach einer Tragzeit von etwa 230 Tagen; die Kälber folgen der Mutter erst nach etwa zwei bis drei Wochen. Beim Sikawild liegt die Setzzeit zwischen Mai und Mitte Juli, gesäugt wird etwa drei bis vier Monate. Elchkühe verteidigen ihre Kälber energisch, Zwillinge sind bei ihnen möglich. Beim Rotwild wird das Kahlwildrudel gewöhnlich von einem erfahrenen Alttier geführt, das selbst ein Kalb bei sich hat. Das Leittier und sein Kalb bilden damit den Kern des Familienverbands.
„Kalb“ in der Jägerprüfung
Gefragt wird nach der Zahl der Kälber je Alttier, nach der Rudelführung und nach der Geweihentwicklung. Wichtig ist der Elterntierschutz: Ein führendes Alttier darf nicht erlegt werden, auch wenn das Kalb verdeckt steht und ein Schmaltier im Rudel ist. Weitere Themen sind die zulässige Munition, denn für ein Hirschkalb gelten dieselben Anforderungen wie für übriges Schalenwild, das Vorgehen nach einem Schuss auf einer Drückjagd und die Frage, ob ein verunfalltes Kalb in der Abschuss- oder Streckenliste zu erfassen ist, was das Landesrecht regelt.
Häufige Fragen zu „Kalb“
Wie heißt ein weibliches Rotwildkalb?
Das weibliche Kalb heißt Wildkalb, das männliche Hirschkalb. Im zweiten Lebensjahr wird das weibliche Stück Schmaltier genannt.
Wie viele Kälber bekommt ein Rotwild-Alttier?
In der Regel eines pro Jahr, Zwillinge sind die Ausnahme. Rotwild gilt deshalb als Art mit geringer Vermehrungsrate.
Mit welcher Munition darf ein Hirschkalb erlegt werden?
Ein Rotwildkalb fällt unter das übrige Schalenwild. Die Büchsenpatrone muss daher mindestens 6,5 mm Kaliber haben und auf 100 m mindestens 2.000 Joule Energie bringen, eine 6,5 × 57 mit diesen Werten ist zulässig.
„Kalb“ kommt in 25 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RotwildRotwild (Cervus elaphus) ist die größte heimische Hirsch- und Schalenwildart Deutschlands. Jagdlich meint der Begriff die gesamte Art; der Hirsch ist das männliche Stück, das weibliche ab dem dritten Lebensjahr Alttier.
- KahlwildKahlwild ist der Sammelbegriff für alle weiblichen Stücke und Kälber bei Rot-, Dam- und Sikawild – also für alles, was kein Geweih trägt.
- SchmaltierSchmaltier heißt bei Rot-, Dam- und Sikawild das weibliche Stück im zweiten Lebensjahr. Es trägt kein Geweih, lebt im Kahlwildrudel und hat in der Regel noch kein eigenes Kalb.
- SpießerEin Spießer ist ein junger männlicher Geweih- oder Gehörnträger, dessen Stangen noch unverzweigt sind, also je nur einen Spieß ohne Enden tragen; beim Rot- und Damhirsch ist das meist der erste Kopf.
- RudelEin Rudel ist ein fester Verband mehrerer Stücke derselben Wildart, die gemeinsam äsen, ziehen und ruhen – typisch für Rot-, Dam-, Gams- und Muffelwild; auch Wölfe leben im Rudel.
- DamwildDamwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart aus der Gruppe der Echten Hirsche, deren männliche Stücke ein Schaufelgeweih tragen; jagdlich zählt es zum Schalenwild und zum Hochwild.
- KitzKitz heißt in der Jägersprache das Jungtier des Rehwilds im ersten Lebensjahr; auch bei Gams- und Steinwild spricht man von Kitzen.
- ElterntierschutzElterntierschutz ist die Regel aus § 22 Abs. 4 BJagdG: Während der Setz- und Brutzeiten bleiben Alttiere, die ihre Jungen noch aufziehen, von der Jagd verschont, bis der Nachwuchs selbstständig ist.
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