Wildbiologie · Jägersprache
Kitz
auch: Rehkitz, Bockkitz
Kitz heißt in der Jägersprache das Jungtier des Rehwilds im ersten Lebensjahr; auch bei Gams- und Steinwild spricht man von Kitzen.
Was bedeutet „Kitz“?
Umgangssprachlich ist das Kitz schlicht das Rehkind. Jagdlich bezeichnet der Begriff jedes Stück Rehwild bis zum Ende seines ersten Lebensjahres, unabhängig vom Geschlecht; das männliche Jungtier heißt auch Bockkitz. Im zweiten Lebensjahr wird aus dem männlichen Kitz der Jährlingsbock, aus dem weiblichen das Schmalreh. Auch Gams- und Steinwild setzen Kitze: Die Gamsgeiß bringt meist ein einzelnes Kitz zur Welt, das ihr schon kurz nach der Geburt ins Gelände folgt. Bei den großen Hirscharten wie Rot- oder Damwild heißt der Nachwuchs dagegen Kalb.
Setzzeit, Tarnkleid und Aufzucht beim Reh
Rehe setzen im Mai und Juni. Obwohl die Blattzeit schon im Hochsommer liegt, ruht der Keim zunächst rund viereinhalb Monate; erst ab Dezember entwickelt sich der Embryo weiter, sodass die Geburt in die günstige Jahreszeit fällt. Meist bringt eine Ricke zwei Kitze zur Welt, junge Ricken oft nur eines, drei sind selten. Die Kitze tragen anfangs ein weiß geflecktes Haarkleid, das nach einigen Wochen verschwindet. Sie sind Ablieger: Statt zu fliehen, drücken sie sich reglos in die Vegetation. Gesäugt werden sie etwa sechs bis sieben Monate. Das Kitzgebiss zeigt Milchzähne oder den beginnenden Zahnwechsel.
Gefahren und Bejagung
Wegen ihres Drückverhaltens sind Kitze in den ersten Lebenswochen durch Mähwerke stark gefährdet. Hilfreich sind das Absuchen der Wiesen mit dem Hund, Wildrettergeräte an der Mähmaschine und Drohnen mit Wärmebildkamera. Daneben zählt der Fuchs zu den Beutegreifern. Bejagt werden Kitze nach Landesrecht, in Nordrhein-Westfalen etwa zusammen mit den Ricken ab dem 1. September. Sollen Ricke und Kitz erlegt werden, kommt zuerst das Kitz an die Reihe, damit kein verwaistes Jungtier zurückbleibt.
„Kitz“ in der Jägerprüfung
Rund sechzig Fragen im Bestand enthalten den Begriff. Häufig geht es um Maßnahmen gegen das Ausmähen, um die Säugezeit, um die Abschussreihenfolge bei Ricke und Kitz und um das Ansprechen im Spätherbst, wenn ein Bockkitz mit kleinen, unverfegten Knöpfen von einem ähnlich starken Stück mit verfegten Spießen zu unterscheiden ist. Auch Fallwild wird geprüft; tot aufgefundene Kitze, etwa nach der Mahd, sind in die Abschussliste einzutragen.
Häufige Fragen zu „Kitz“
Wann werden Rehkitze geboren?
Die Setzzeit liegt im Mai und Juni. Möglich macht das die Keimruhe nach der Blattzeit im Juli und August.
Warum bleiben Kitze bei Gefahr liegen?
Rehkitze sind Ablieger mit ausgeprägtem Drückinstinkt. Das schützt sie vor Beutegreifern, macht sie aber bei der Wiesenmahd sehr verletzlich.
Warum wird bei Ricke und Kitz zuerst das Kitz erlegt?
Würde zuerst die Ricke fallen, bliebe das Kitz ohne Muttertier zurück. Mit der richtigen Reihenfolge wird der Elterntierschutz gewahrt.
„Kitz“ kommt in 59 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- RickeRicke ist die jägersprachliche Bezeichnung für das weibliche Stück Rehwild. Sie trägt kein Gehörn und ist im Winter an der Schürze am Spiegel zu erkennen.
- SchmalrehEin Schmalreh ist ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, das in der Regel noch kein eigenes Kitz geführt hat; das gleichaltrige männliche Stück heißt Jährlingsbock.
- KitzrettungKitzrettung umfasst alle Maßnahmen, mit denen Rehkitze vor der Mahd in Wiesen aufgespürt und aus dem Gefahrenbereich des Mähwerks gebracht werden, heute meist per Drohne mit Wärmebildkamera.
- SetzzeitDie Setzzeit ist der Zeitraum, in dem weibliches Haarwild, vor allem Schalenwild, seine Jungen zur Welt bringt (jägersprachlich: setzt); sie fällt bei den meisten Arten in das Frühjahr oder den Frühsommer.
- KalbKalb heißt in der Jägersprache das Jungtier von Rot-, Dam-, Sika- und Elchwild im ersten Lebensjahr; beim Rotwild unterscheidet man Hirschkalb (männlich) und Wildkalb (weiblich).
- ElterntierschutzElterntierschutz ist die Regel aus § 22 Abs. 4 BJagdG: Während der Setz- und Brutzeiten bleiben Alttiere, die ihre Jungen noch aufziehen, von der Jagd verschont, bis der Nachwuchs selbstständig ist.
- MahdMahd ist das Abschneiden des Aufwuchses auf Wiesen und anderem Grünland. Jagdlich zählt sie zu den größten Gefahren für Rehkitze, Junghasen und Gelege von Bodenbrütern.
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