Waffenkunde
Kaliber
auch: Büchsenkaliber, Schrotkaliber
Das Kaliber gibt den Innendurchmesser des Laufs und damit den Durchmesser des Geschosses an; zugleich dient die Kaliberbezeichnung als eindeutige Kennung einer Patronensorte.
Was bedeutet „Kaliber“?
Bei Büchsen versteht man unter Kaliber den Durchmesser der Laufbohrung. In gezogenen Läufen wird er zwischen den Feldern gemessen, also an der engsten Stelle. Da Lauf und Geschoss aufeinander abgestimmt sind, beschreibt der Wert zugleich die Geschossstärke. In der Praxis hat die Bezeichnung aber noch eine zweite Funktion: Sie identifiziert eine bestimmte Patrone eindeutig. Metrische Angaben wie 7 × 64 oder 9,3 × 62 stehen neben Zollangaben wie .308 Winchester, die dem metrischen 7,62 × 51 entspricht. Eine Patrone im falschen Kaliber in einer Waffe kann lebensgefährlich sein. Bei Flinten spricht man von Schrotkalibern, gebräuchlich sind hier vor allem 12, 16 und 20.
Gängige Büchsenkaliber und ihr Einsatz
Als Allrounder für alles Schalenwild gelten der deutsche Klassiker 7 × 64, die weit verbreitete .308 Winchester, die leistungsstarke .30-06 Springfield und das traditionelle Mauser-Kaliber 8 × 57 IS. Für starkes Schalenwild wie Rot-, Dam- und Schwarzwild ist in Deutschland die 9,3 × 62 beliebt, für weite Schüsse auf starkes Wild die .300 Winchester Magnum. Am unteren Ende steht die .222 Remington mit 5,6 mm Geschossdurchmesser, die als kleinstes zugelassenes Rehwildkaliber bezeichnet wird; auch die .243 Winchester ist ein Rehwildkaliber. Bei Flinten gilt eine umgekehrte Zählung: Unter 12, 16 und 20 hat Kaliber 20 den engsten Lauf.
Kaliber und Energie nach § 19 BJagdG
Das Bundesjagdgesetz beschreibt die Mindestanforderungen an Büchsenmunition nicht allein über das Kaliber. Auf Rehwild genügt jedes Kaliber, sofern die Energie auf 100 m (E 100) mindestens 1.000 Joule erreicht. Für alles übrige Schalenwild und Wölfe müssen beide Werte gemeinsam stimmen: ein Kaliber ab 6,5 mm, dazu eine E 100 von wenigstens 2.000 Joule. Deshalb scheidet etwa die Försterpatrone 9,3 × 72 R für Rotwild aus – sie ist dick, bringt aber zu wenig Energie. Waffenrechtlich darf ein Jäger Kurzwaffenmunition nur in dem Kaliber erwerben, das in seiner Waffenbesitzkarte eingetragen ist.
„Kaliber“ in der Jägerprüfung
Mit fast zweihundert Fragen im Bestand ist das Kaliber ein Schwerpunkt der Waffenkunde. Verlangt wird, Patronen einer Wildart zuzuordnen, Zoll- und Millimeterangaben umzurechnen, Schrotkaliber richtig einzuordnen und die Gefährdungsreichweite zu kennen; bei der 8 × 57 IS ist mit rund 5.000 m Flugweite zu rechnen. Ein häufiger Fehler ist, bei Schalenwild nur von einem Mindestkaliber zu sprechen, obwohl das Gesetz Kaliber und Energie kombiniert. Auch Begriffe wie der Bergstutzen, eine mehrläufige Kugelwaffe mit verschiedenen Kalibern, tauchen auf.
Häufige Fragen zu „Kaliber“
Wie wird das Kaliber bei einem gezogenen Lauf gemessen?
Gemessen wird von Feld zu Feld, also über die erhabenen Stege zwischen den Zügen. Das ist der kleinste Innendurchmesser des Laufs.
Warum darf man mit der 9,3 × 72 R nicht auf Rotwild schießen?
Maßgeblich ist nicht das Kaliber, sondern ob die verwendete Patrone auf 100 m mindestens 2.000 Joule erreicht; die 9,3 × 72 R gilt in der Prüfung als Beispiel für eine Patrone, bei der das trotz großen Kalibers nicht der Fall ist. Für Rotwild müssen Kaliber und Energie gleichzeitig ausreichen.
Welches Kaliber eignet sich für Damwild?
Geeignet ist ein Kaliber ab 6,5 mm mit mindestens 2.000 Joule E 100, etwa die .308 Winchester oder die 9,3 × 62.
„Kaliber“ kommt in 186 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Waffenkunde und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Verwandte Begriffe
- BüchsenpatroneEine Büchsenpatrone ist die Munition für gezogene Läufe; sie besteht aus Hülse, Zündhütchen, Treibladung und Geschoss und muss für Schalenwild die Mindestwerte des § 19 BJagdG erfüllen.
- SchrotpatroneEine Schrotpatrone ist die Munition der Flinte: In einer meist aus Kunststoff gefertigten Hülse liegen Pulver, Pfropfen und viele kleine Metallkugeln, die Schrote.
- ZielfernrohrEin Zielfernrohr (ZF) ist eine auf der Büchse montierte Optik, die Vergrößerung und Zieleinrichtung in einem Gerät vereint und präzise Schüsse auf mittlere bis weite Entfernungen ermöglicht.
- WaffenbesitzkarteDie Waffenbesitzkarte (WBK) ist die waffenrechtliche Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Schusswaffen. Jede Waffe wird darin mit Art und Kaliber eingetragen und im Nationalen Waffenregister mit Hersteller, Modell und Seriennummer erfasst; zum Führen berechtigt die Karte nicht.
- KugelfangAls Kugelfang bezeichnet man einen Hintergrund hinter dem Wild, der ein Geschoss zuverlässig stoppt, etwa einen ansteigenden Hang oder Erdwall; fehlt er, unterbleibt der Büchsenschuss.
- TeilmantelgeschossEin Teilmantelgeschoss (TM) ist ein Büchsengeschoss, dessen Mantel die Spitze offen lässt, sodass der Bleikern dort frei liegt. Beim Auftreffen pilzt es auf und gibt viel Energie im Wildkörper ab.
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