Wildbiologie · Jägersprache
Schmaltier
Schmaltier heißt bei Rot-, Dam- und Sikawild das weibliche Stück im zweiten Lebensjahr. Es trägt kein Geweih, lebt im Kahlwildrudel und hat in der Regel noch kein eigenes Kalb.
Was bedeutet „Schmaltier“?
Die Altersstufen des weiblichen Rotwildes heißen Wildkalb im ersten Lebensjahr, Schmaltier im zweiten und Tier oder Alttier ab dem dritten. Bei Dam- und Sikawild gilt dieselbe Einteilung. Das männliche Gegenstück beim Rotwild ist der Schmalspießer, der im zweiten Lebensjahr sein erstes einfaches Geweih trägt. Beim Rehwild entspricht dem Schmaltier das Schmalreh. Umgangssprachlich würde man von einer jungen, noch nicht führenden Hirschkuh sprechen; jagdlich ist die saubere Unterscheidung zwischen Hirsch, Tier, Schmaltier und Kalb gefordert.
Schmaltier ansprechen und vom Alttier trennen
Äußerlich wirkt das Schmaltier meist zierlicher als ein Alttier und zeigt wie alle weiblichen Stücke kein Brunftgepräge. Es steht im Kahlwildrudel, an dessen Spitze beim Rotwild meist ein führendes Alttier mit Kalb zieht. Das sicherste Merkmal im Sommer ist das Gesäuge: Ein allein äsendes weibliches Stück im Juli lässt sich nur daran zweifelsfrei als führendes Alttier oder Schmaltier erkennen. Am erlegten Stück hilft der Unterkiefer weiter. Beim Schmaltier sind der erste und zweite Molar vorhanden, der dritte Prämolar ist noch dreiteilig; das vollständige Dauergebiss ist erst nach rund 27 bis 30 Monaten ausgebildet. Beim Damwild und Sikawild können Schmaltiere schon in der Brunft des Jahres nach ihrer Geburt erstmals beschlagen werden.
Schmaltier in Abschussplanung und Jagdzeit
In der Abschussplanung für Rotwild bilden Kälber sowie Schmaltiere und Schmalspießer gemeinsam die Klasse III. Einige Länder, etwa Niedersachsen, sehen für Schmaltiere und Schmalspießer zusätzlich zur regulären Jagdzeit ein frühes Zeitfenster im Frühjahr vor. Die genauen Daten sind nach dem jeweils geltenden Landesrecht zu lernen.
„Schmaltier“ in der Jägerprüfung
Prüfungsfragen verlangen die korrekte Benennung der Alters- und Geschlechtsstufen, die Führung des Rudels und das Erkennen eines Schmaltieres am Gebiss. Ein beliebtes Fallbeispiel beschreibt Alttier, Schmaltier und Kalb zusammen: Wer glaubt, nach dem Erlegen des Alttieres werde das Schmaltier das Kalb schon weiterführen, liegt falsch. Häufiger Fehler ist zudem, Tier, Alttier und Schmaltier unsauber zu verwenden.
Häufige Fragen zu „Schmaltier“
Wie unterscheidet man ein Schmaltier von einem Alttier?
Im Sommer am sichersten am Gesäuge, das nur das führende Alttier zeigt. Am erlegten Stück verrät der noch nicht abgeschlossene Zahnwechsel das Schmaltier.
Wie heißt das männliche Gegenstück zum Schmaltier?
Beim Rotwild ist es der Schmalspießer, ein männliches Stück im zweiten Lebensjahr mit seinem ersten einfachen Geweih.
„Schmaltier“ kommt in 11 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RotwildRotwild (Cervus elaphus) ist die größte heimische Hirsch- und Schalenwildart Deutschlands. Jagdlich meint der Begriff die gesamte Art; der Hirsch ist das männliche Stück, das weibliche ab dem dritten Lebensjahr Alttier.
- DamwildDamwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart aus der Gruppe der Echten Hirsche, deren männliche Stücke ein Schaufelgeweih tragen; jagdlich zählt es zum Schalenwild und zum Hochwild.
- SikawildSikawild (Cervus nippon) ist eine aus Ostasien stammende, in Deutschland eingebürgerte Hirschart, die jagdlich zum Schalenwild und zum Hochwild zählt und in Größe zwischen Reh- und Rotwild steht.
- KahlwildKahlwild ist der Sammelbegriff für alle weiblichen Stücke und Kälber bei Rot-, Dam- und Sikawild – also für alles, was kein Geweih trägt.
- KalbKalb heißt in der Jägersprache das Jungtier von Rot-, Dam-, Sika- und Elchwild im ersten Lebensjahr; beim Rotwild unterscheidet man Hirschkalb (männlich) und Wildkalb (weiblich).
- SchmalrehEin Schmalreh ist ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, das in der Regel noch kein eigenes Kitz geführt hat; das gleichaltrige männliche Stück heißt Jährlingsbock.
- SpießerEin Spießer ist ein junger männlicher Geweih- oder Gehörnträger, dessen Stangen noch unverzweigt sind, also je nur einen Spieß ohne Enden tragen; beim Rot- und Damhirsch ist das meist der erste Kopf.
- ElterntierschutzElterntierschutz ist die Regel aus § 22 Abs. 4 BJagdG: Während der Setz- und Brutzeiten bleiben Alttiere, die ihre Jungen noch aufziehen, von der Jagd verschont, bis der Nachwuchs selbstständig ist.
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