Wildbiologie
Blattzeit
auch: Rehbrunft, Brunft des Rehwilds
Blattzeit ist das Jägerwort für die Brunft, also die Paarungszeit, des Rehwilds; sie fällt in den Sommer, meist von Mitte Juli bis Mitte August.
Was bedeutet „Blattzeit“?
Während man bei Rot- oder Damwild einfach von der Brunft spricht, hat die Paarungszeit der Rehe einen eigenen Namen: die Blattzeit. Sie liegt im Hochsommer, in der Regel zwischen Mitte Juli und Mitte August, mit einem Höhepunkt um die Wende von Juli zu August, und dauert etwa drei bis vier Wochen. Rehwild brunftet damit deutlich früher als die anderen heimischen Hirscharten; Rotwild folgt erst im September und Oktober, Damwild im Oktober und November. Der Bock hat sein Gehörn zu dieser Zeit längst verfegt und ist voll brunftaktiv. Im Jahreslauf schließt die Blattzeit an die Territorialphase an, in der Böcke im Frühjahr und Sommer ihre Reviere besetzen.
Verhalten in der Blattzeit und die Keimruhe
Typisch ist, dass der Bock die Ricke vor sich hertreibt, häufig auf kreisförmigen Bahnen, die der Jäger Hexenringe nennt. Das Begatten nennt der Jäger Beschlagen. Auch Schmalrehe, also weibliche Rehe im zweiten Lebensjahr, können schon beschlagen werden. Nach der Befruchtung beginnt beim Reh eine Besonderheit: Das Ei ruht rund viereinhalb Monate, bevor ab Dezember die eigentliche Embryonalentwicklung einsetzt. Rehwild ist die einzige heimische Schalenwildart mit dieser Keimruhe. Deshalb liegen zwischen Blattzeit und Setzzeit im Mai und Juni gut neun Monate, obwohl die Brunft im Sommer stattfindet.
Blatten: die Lockjagd auf den Bock
Aus der Blattzeit leitet sich eine eigene Jagdart ab, die Blattjagd. Beim Blatten ahmt der Jäger Laute nach, die den Bock anlocken sollen – vor allem den Fiepton der Ricke, aber auch den Fiepton des Kitzes oder das Angstgeschrei der Ricke. Daneben bleiben Ansitz, Pirsch und Bewegungsjagd weitere Jagdarten auf Rehwild; welche Stücke wann erlegt werden dürfen, richtet sich nach dem jeweiligen Landesrecht.
„Blattzeit“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung fragt vor allem die Bedeutung des Begriffs, den Zeitraum Juli/August und die Dauer ab. Beliebt sind außerdem Fragen nach den Lauten beim Blatten und nach anderen Wildarten, deren Paarungszeit in dieselben Wochen fällt – das sind Baummarder und Dachs. Eine häufige Fehlerquelle ist die Tragzeit: Wer die Keimruhe vergisst, kann nicht erklären, warum Kitze erst im Frühsommer gesetzt werden.
Häufige Fragen zu „Blattzeit“
Wann ist die Blattzeit?
Die Blattzeit des Rehwilds liegt meist zwischen Mitte Juli und Mitte August. Ihr Höhepunkt fällt häufig in die Zeit von Ende Juli bis Anfang August.
Was ist Blatten?
Blatten ist die Lockjagd auf den Rehbock während der Blattzeit. Der Jäger imitiert dabei Fieplaute der Ricke oder des Kitzes, um den Bock heranzulocken.
Warum werden Kitze erst im Mai oder Juni gesetzt?
Nach der Befruchtung im Sommer folgt eine Keimruhe von rund viereinhalb Monaten. Erst ab Dezember entwickelt sich der Embryo weiter, sodass die Kitze bei guter Äsung und Deckung zur Welt kommen.
„Blattzeit“ kommt in 14 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- RickeRicke ist die jägersprachliche Bezeichnung für das weibliche Stück Rehwild. Sie trägt kein Gehörn und ist im Winter an der Schürze am Spiegel zu erkennen.
- KitzKitz heißt in der Jägersprache das Jungtier des Rehwilds im ersten Lebensjahr; auch bei Gams- und Steinwild spricht man von Kitzen.
- SchmalrehEin Schmalreh ist ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, das in der Regel noch kein eigenes Kitz geführt hat; das gleichaltrige männliche Stück heißt Jährlingsbock.
- BrunftBrunft ist das Jägerwort für die Paarungszeit des Schalenwilds, vor allem der Hirscharten; beim Reh heißt sie Blattzeit, bei Schwarz- und Muffelwild Rauschzeit.
- SetzzeitDie Setzzeit ist der Zeitraum, in dem weibliches Haarwild, vor allem Schalenwild, seine Jungen zur Welt bringt (jägersprachlich: setzt); sie fällt bei den meisten Arten in das Frühjahr oder den Frühsommer.
- GehörnGehörn ist die jagdsprachliche Bezeichnung für den Kopfschmuck des Rehbocks. Biologisch ist es ein Geweih aus Knochen, das jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
- AnsitzjagdDie Ansitzjagd, kurz Ansitz oder Anstand, ist eine Einzeljagd, bei der der Jäger an einem festen Platz wie Kanzel, Leiter oder Schirm auf Wild wartet, statt es aufzusuchen oder treiben zu lassen.
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