Wildbiologie · Jägersprache
Federwild
auch: Federwildarten
Federwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle wildlebenden Vogelarten, die dem Jagdrecht unterliegen – etwa Hühnervögel, Enten, Gänse, Tauben, Schnepfen, Rabenvögel sowie Greifvögel und Falken.
Was bedeutet „Federwild“?
Das Gegenstück zum Haarwild ist das Federwild. Welche Vogelarten dazugehören, legt § 2 BJagdG fest; die Länder können weitere Arten dem Jagdrecht unterstellen. Wichtig ist jedoch: Dem Jagdrecht zu unterliegen heißt nicht automatisch, bejagt werden zu dürfen. Alle wildlebenden europäischen Vögel stehen zugleich unter dem Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie, die eine Jagd nur für bestimmte Arten und unter engen Bedingungen zulässt, und unter den Zugriffsverboten des § 44 BNatSchG. Zur Jägersprache des Federwildes gehören Ständer für die Beine, Schwingen für die Flügel, Stoß für den Schwanz, Fänge für die Greifwerkzeuge von Greifvögeln, Gelege für die Eier im Nest und Hudern für das Wärmen der Jungen.
Gruppen des Federwildes
Im Jagdunterricht werden mehrere Gruppen unterschieden. Zu den Hühnervögeln zählen Fasan, Rebhuhn, Wachtel, Auer-, Birk- und Haselwild sowie Alpenschneehuhn; sie sind Bodenbrüter mit Nestflüchtern. Zum Wasserwild gehören Enten, Gänse, Schwäne, Säger und Blässhuhn, bei denen die Sturzmauser sie zeitweise flugunfähig macht. Hinzu kommen Schnepfen, Tauben und Rabenvögel, von denen einzelne Arten Jagdzeiten haben, sowie Greifvögel und Falken, die zwar dem Jagdrecht unterliegen, aber keine Jagdzeit haben und ganzjährig zu schonen sind. Eulen gehören nicht zum Federwild; sie sind nach Naturschutzrecht streng geschützt. Die Brandgans ist ein Beispiel für eine Federwildart, die mitunter in einem Fuchsbau brütet.
Besondere Verbote beim Federwild
Wie Schalenwild darf Federwild nicht zur Nachtzeit erlegt werden, also nicht zwischen anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang und anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang. Zusätzlich zu den allgemeinen Verboten sind beim Federwild Vogelleim, Fallen, Angelhaken, Netze sowie geblendete oder verstümmelte Lockvögel untersagt. Verboten sind auch Belohnungen für Abschuss oder Fang sowie das Ausnehmen von Gelegen. Die Jagdzeiten ergeben sich aus der Bundesjagdzeitenverordnung und abweichenden Landesregelungen; in Brandenburg etwa reicht die Jagdzeit der Graugans vom 1. August bis 31. Januar.
Versorgung und Hundeeinsatz
Noch lebendes Federwild wird tierschutzgerecht durch einen Schlag auf den Kopf getötet. Heute wird es aufgebrochen statt ausgehakelt, weil beim Aushakeln der Darm vom Magen reißt und dessen Inhalt die Bauchhöhle verschmutzen kann und die Organe beim Aufbrechen besser auf bedenkliche Merkmale untersucht werden können; Krankheiten zeigen sich besonders oft an der Leber. Der Kropf sitzt im Halsbereich und wird vor der Abgabe geleert. Auf der Strecke liegt Haarwild vor Federwild. Je nach Landesrecht ist bei der Jagd auf Federwild ein brauchbarer Jagdhund mitzuführen.
„Federwild“ in der Jägerprüfung
Über 120 unterschiedliche Fragen enthalten den Begriff. Sie reichen von Wildbrethygiene und Kropf über Streckenlegen und Brauchbarkeitsprüfung bis zur Frage, welche Vögel überhaupt Federwild sind. Häufiger Fehler: Eulen dazuzuzählen oder aus der Zugehörigkeit zum Jagdrecht eine Jagderlaubnis abzuleiten.
Häufige Fragen zu „Federwild“
Gehören Eulen zum Federwild?
Nein. Eulen sind nach Naturschutzrecht streng geschützt und werden nicht als Federwild des Bundesjagdgesetzes gelernt.
Warum wird Federwild heute aufgebrochen statt ausgehakelt?
Beim Aushakeln wird der Darm vom Magen getrennt, sodass Inhalt in die Bauchhöhle laufen kann. Beim Aufbrechen bleiben die Eingeweide unversehrt und lassen sich besser beurteilen.
Darf Federwild nachts bejagt werden?
Grundsätzlich nicht. Nach § 19 Abs. 1 Nr. 4 BJagdG gilt für Federwild wie für Schalenwild grundsätzlich das Nachtjagdverbot; ausgenommen sind beim Schalenwild das Schwarzwild und beim Federwild Möwen, Waldschnepfen sowie Auer-, Birk- und Rackelwild.
„Federwild“ kommt in 122 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- HaarwildHaarwild ist der jagdliche Sammelbegriff für alle wildlebenden Säugetiere, die nach Bundesjagdgesetz und gegebenenfalls Landesrecht dem Jagdrecht unterliegen – im Gegensatz zum Federwild, den jagdrechtlich erfassten Vögeln.
- HühnervögelHühnervögel (Galliformes) sind kräftig gebaute, überwiegend am Boden lebende Vögel mit starken Ständern, kurzen runden Schwingen und schnellem Startflug; alle heimischen Arten brüten am Boden und sind Nestflüchter.
- GreifvögelGreifvögel sind meist tagaktive Beutegreifer mit Hakenschnabel, kräftigen Fängen und sehr scharfem Sehvermögen, etwa Bussarde, Habicht, Sperber, Milane, Weihen und Adler. Sie können dem Jagdrecht unterliegen, sind aber streng geschützt und nicht regulär bejagbar.
- RabenvögelRabenvögel (Corvidae) sind eine Familie besonders intelligenter, lernfähiger Singvögel. Zu ihnen gehören unter anderem Rabenkrähe, Nebelkrähe, Saatkrähe, Kolkrabe, Elster, Eichelhäher und Dohle.
- StoßStoß ist das jägersprachliche Wort für den Schwanz der Vögel, also die Gesamtheit der Schwanzfedern; seine Form ist ein wichtiges Merkmal bei der Bestimmung von Federwild und Greifvögeln.
- SchwingenSchwingen ist das jägersprachliche Wort für die Flügel des Federwildes und der Greifvögel; gemeint sind die Flügel samt ihren großen Flugfedern.
- StänderStänder ist das jägersprachliche Wort für die Beine der Vögel, insbesondere des Federwildes; bei Greifvögeln und Eulen heißen die Greifwerkzeuge dagegen Fänge.
- AushakelnAushakeln ist eine ältere Methode, bei Federwild das Gescheide mit dem Finger oder einem Haken durch eine kleine Öffnung herauszuziehen, statt den Vogel aufzubrechen.
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