Wildbiologie · Jägersprache
Fährte
auch: Wildfährte
Fährte ist das jägersprachliche Wort für die Spur des Schalenwildes, also die Abfolge seiner Tritte im Boden; den einzelnen Abdruck eines Laufes nennt man Tritt oder Trittsiegel.
Was bedeutet „Fährte“?
Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt jeder Abdruck eines Tieres Spur. Jagdlich wird genauer unterschieden: Beim Schalenwild – etwa Reh, Rothirsch, Damhirsch, Sikawild oder Wildschwein – spricht man von der Fährte. Sie setzt sich aus den Tritten zusammen, die die Schalen, also die gespaltenen Hufe, hinterlassen. Wer beim Rotwild von einer Spur redet, verwendet nach jagdlichem Verständnis den falschen Begriff. Fährten zählen neben Losung, Verbiss sowie Fege- und Plätzstellen zu den Pirschzeichen, mit denen sich das Vorkommen von Wild im Revier nachweisen lässt. Beim Rehwild etwa verraten Fährten, Plätzstellen und Losung gemeinsam, dass die Art vorkommt.
Fährten richtig lesen
Die Größe eines Abdrucks allein reicht nie für eine sichere Artbestimmung. Zu beurteilen sind Gangbild, Form der Schalen, Umgebung und begleitende Zeichen. Manche Merkmale sind jedoch sehr aussagekräftig. Die Fährte des Schwarzwildes erkennt man eindeutig am Geäfter; zieht es vertraut, zeichnet sich dieses als kommaförmiger Abdruck ab. Beim Damwild nimmt der Ballen gut die Hälfte des Trittsiegels ein. Rehwild besitzt zwischen den Schalen Klauensäckchen, die bei jedem Tritt Duftstoffe in die Fährte abgeben, sodass sie eine Duftspur trägt.
Die Fährte bei der Nachsuche
Nach einem Schuss wird die Fährte des kranken Wildes zur Aufgabe des Schweißhundes. Bei der Riemenarbeit arbeitet der Hund sie am langen Schweißriemen aus. Schwierigkeiten entstehen, wenn ein anderes Stück die Wundfährte mit frischer Fährte kreuzt und der Hund dieser Verleitfährte folgt. Wild kann auch in der eigenen Fährte ein Stück zurückziehen und dann mit einem weiten Satz seitlich abspringen; diese Stellen heißen Absprünge. Zum Üben legt man künstliche Fährten mit einem Fährtenschuh, an dem ein Teil eines Wildlaufs befestigt ist. Gibt ein Hund Laut, obwohl er keine Fährte hält und kein Wild sieht, spricht man von Waidlaut.
„Fährte“ in der Jägerprüfung
Achtunddreißig unterschiedliche Fragen enthalten den Begriff. Häufig geht es um Begriffe der Nachsuche wie Riemenarbeit, Verleitfährte, Absprünge und Fährtenschuh, um Hinweise auf das Vorkommen von Rehwild und um das Erkennen der Schwarzwildfährte am Geäfter. Ein klassischer Fehler ist, beim Schalenwild von Spur statt von Fährte zu sprechen.
Häufige Fragen zu „Fährte“
Was ist der Unterschied zwischen Fährte und Spur?
Spur ist der allgemeine Ausdruck für die Abdrücke eines Tieres. Beim Schalenwild sagt der Jäger Fährte, der einzelne Abdruck heißt Tritt.
Woran erkennt man die Fährte von Schwarzwild?
Am Abdruck des Geäfters. Beim vertraut ziehenden Stück ist er typischerweise kommaförmig.
Was ist eine Verleitfährte?
Die frische Fährte eines anderen Stückes, die die Wundfährte kreuzt. Folgt der Hund ihr, verlässt er die eigentliche Nachsuche.
„Fährte“ kommt in 38 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- TrittsiegelEin Trittsiegel ist der Abdruck eines einzelnen Laufs im Boden, etwa die Schalen eines Rehs oder die Zehen und Krallen eines Dachses. Es gehört zu den Pirschzeichen, mit denen der Jäger Wild nachweist.
- SchalenwildSchalenwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer mit Schalen – Hirschartige, Hornträger und Schwarzwild.
- SchalenSchalen sind in der Jägersprache die beiden Hauptklauen der Paarhufer, auf denen das Tier läuft; nach ihnen ist das Schalenwild benannt.
- PirschzeichenPirschzeichen sind die Spuren, die beschossenes Wild am Anschuss und auf seiner Fluchtfährte hinterlässt, etwa Schweiß, Haare, Knochensplitter oder Panseninhalt.
- NachsucheDie Nachsuche ist die Suche nach krankgeschossenem Wild mit einem ausgebildeten Jagdhund, meist einem Schweißhund. Sie ist Pflicht des Jägers und soll das Leiden des Stückes schnell beenden.
- SchweißfährteDie Schweißfährte ist die Fährte eines angeschossenen Stückes Wild, das auf seiner Flucht Schweiß (jägersprachlich für Blut) und andere Pirschzeichen hinterlässt; sie wird auch Wundfährte oder Rotfährte genannt.
- SchweißhundEin Schweißhund ist ein Jagdhund, der auf die Nachsuche nach krankgeschossenem Schalenwild spezialisiert ist; klassische Rassen sind der Hannoversche Schweißhund, der Bayerische Gebirgsschweißhund und die Alpenländische Dachsbracke.
- LosungLosung ist das Wort der Jägersprache für den Kot des Wildes. Sie gehört zu den Pirschzeichen und hilft, Wildvorkommen im Revier nachzuweisen.
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