Wildbiologie · Jägersprache
Balg
Balg ist das jägersprachliche Wort für das Fell samt Haut von Raubwild und Niederwild, etwa von Fuchs, Marder oder Hase. Beim Schalenwild heißt es Decke, beim Schwarzwild und Dachs Schwarte.
Was bedeutet „Balg“?
Im Alltag spricht man von Fell. Der Jäger unterscheidet je nach Wildart: Die behaarte Haut von Raubwild und Niederwild ist der Balg, beim Schalenwild die Decke und beim Schwarzwild die Schwarte. Eine Ausnahme ist der Dachs, obwohl er Raubwild ist: Seine Haut heißt ebenfalls Schwarte, nicht Balg. Das Abziehen der Haut bei Raubwild und Niederwild heißt Abbalgen oder Streifen. Beim Gamswild wird das Winterfell ebenfalls Balg genannt; aus den Rückenhaaren dieses Winterbalgs stammt der Gamsbart.
Balg als Ansprech- und Wertmerkmal
Der Balg hilft beim Bestimmen: Der Baummarder trägt einen dunkel kastanienbraunen, seidigen Balg, der Steinmarder einen grau- bis schwarzbraunen. Der Feldhase ist durch seinen erdbraunen Balg gut getarnt, der Fischotter besitzt einen dichten, wasserabweisenden Balg mit isolierender Unterwolle. Beim Fuchs unterscheidet der Jäger Farbvarianten: den sehr hellen Birkfuchs, den rotbraunen Brandfuchs, den schwarzbraunen Kohlfuchs und den Kreuzfuchs mit gekreuztem Rücken- und Schulterstreifen. Raubwild hat im Winter den wertvollsten Balg, der Fuchs liefert nur dann einen verwertbaren. Den geringsten wirtschaftlichen Wert hat der Hasenbalg.
Abbalgen und Gesundheitsschutz
Wurde im Gebiet der Fuchsbandwurm nachgewiesen, feuchtet der Jäger den Balg vor dem Abbalgen an und trägt Handschuhe und Mundschutz. Ein tollwutverdächtiger Fuchs wird nicht gestreift, sondern unverändert mit Balg der zuständigen Veterinärbehörde zur Untersuchung übergeben. Zeigt ein Hase beim Abbalgen eine grünlich verfärbte Bauchdecke, muss er als Ganzes amtlich untersucht oder unschädlich beseitigt werden.
„Balg“ in der Jägerprüfung
Geprüft werden die richtige Zuordnung von Balg, Decke und Schwarte, die jägersprachlichen Körperteile von Hase und Fuchs, die Farbvarianten des Fuchses und der Wert des Balges im Jahreslauf. Hinzu kommen Hygienefragen zum Abbalgen. Typische Fehler: vom Balg des Dachses oder von der Decke des Fuchses zu sprechen.
Häufige Fragen zu „Balg“
Wann ist der Fuchsbalg am wertvollsten?
Im Winter. Nur dann hat der Fuchs einen verwertbaren Balg, und auch bei anderem Raubwild ist der Winterbalg am wertvollsten.
Heißt das Fell des Dachses Balg?
Nein. Beim Dachs spricht der Jäger von der Schwarte, wie beim Schwarzwild.
Was ist beim Abbalgen eines Fuchses zu beachten?
In Gebieten mit Fuchsbandwurm wird der Balg angefeuchtet, und der Jäger trägt Handschuhe und Mundschutz. Tollwutverdächtige Füchse werden gar nicht gestreift, sondern zur Untersuchung abgegeben.
„Balg“ kommt in 15 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- DeckeDecke ist das jägersprachliche Wort für Haut und Fell des Schalenwildes und vieler weiterer Haarwildarten, etwa bei Reh-, Rot- und Damwild.
- SchwarteSchwarte ist die jägersprachliche Bezeichnung für die Haut samt Borstenkleid des Schwarzwildes; auch das Fell des Dachses heißt Schwarte.
- FuchsDer Fuchs, genauer Rotfuchs (Vulpes vulpes), ist ein Hundeartiger und das häufigste heimische Raubwild in Deutschland. Er ist ein anpassungsfähiger Kulturfolger und Allesfresser mit Schwerpunkt auf Mäusen und anderen Kleinsäugern.
- RaubwildRaubwild ist die jagdrechtliche Sammelbezeichnung für bestimmte Haarwildarten, die zu den Raubtieren gehören und sich von Fleisch oder als Allesfresser ernähren, etwa Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Waschbär und Marderhund.
- HaarwildHaarwild ist der jagdliche Sammelbegriff für alle wildlebenden Säugetiere, die nach Bundesjagdgesetz und gegebenenfalls Landesrecht dem Jagdrecht unterliegen – im Gegensatz zum Federwild, den jagdrechtlich erfassten Vögeln.
- BaummarderDer Baummarder (Martes martes), im Volksmund auch Edelmarder, ist ein waldgebundener Marder mit gelblichem, meist ungegabeltem Kehlfleck, dunkler Nase und sehr guter Kletterfähigkeit.
- SteinmarderDer Steinmarder (Martes foina) ist ein Marderartiger aus der Gruppe des Raubwildes und ein ausgeprägter Kulturfolger; von seinem Verwandten, dem Baummarder, unterscheidet ihn vor allem der weiße, oft gegabelte Kehlfleck.
Weitere Begriffe aus Wildbiologie
BalzBacheBastAuerwildÄsungBiberÄserBirkwildAlle Begriffe aus Wildbiologie