Wildbiologie · Jägersprache
Dachs
auch: Meles meles, Europäischer Dachs
Der Dachs (Meles meles) ist der größte heimische Marderartige: ein kräftiger, grabender Allesfresser mit schwarz-weiß gestreiftem Gesicht, der in weitverzweigten, oft über Generationen genutzten Bauen lebt.
Was ist ein „Dachs“?
Der Europäische Dachs gehört zur Ordnung der Raubtiere und zur Familie der Marderartigen, deren größter Vertreter in Deutschland er ist. Obwohl er ein Raubtiergebiss besitzt, frisst er fast alles, was er beim Suchen und Graben findet. Jagen im Sinne einer langen Hetze ist nicht seine Art. Er unterliegt dem Jagdrecht und zählt jagdlich zum Raubwild. In der Jägersprache hat er eigene Bezeichnungen: Das männliche Tier heißt Dachs oder Dachsrüde, das weibliche Dachsfähe oder Dächsin, der Nachwuchs Jungdachs. Das Fell nennt man Schwarte, den kurzen Schwanz Pürzel oder Bürzel.
Merkmale, Nahrung und Lebensweise
Unverwechselbar ist das weiße Gesicht mit schwarzen Längsstreifen, die über Augen und Ohren laufen. Die Vorderpfoten tragen lange Krallen und sind zum Graben gebaut. Seine Spur unterscheidet sich von der des Fuchses: Der Dachs nagelt, der Fuchs schnürt. Wichtigste Nahrung sind Regenwürmer, die einen großen Anteil ausmachen können. Hinzu kommen je nach Jahreszeit Insektenlarven, Schnecken, Obst, Mais, Eicheln, Bucheckern, Kleinsäuger, Eier und Aas. Im Winter hält der Dachs Winterruhe, keinen echten Winterschlaf: Er senkt Körpertemperatur und Herzschlag nur mäßig, zehrt von seinem Fett und verlässt bei mildem Wetter den Bau. Außerdem kennt er eine Keimruhe, also eine verzögerte Entwicklung des befruchteten Eies.
Der Dachsbau
Der Bau, häufig Dachsburg genannt, ist ein System aus Röhren und Kesseln mit mehreren Ein- und Ausfahrten. Kessel dienen als Wohn- oder Wurfkammer. Vor den Eingängen fällt eine breitgetretene Spur auf, das Geschleif. Der Dachs hält seine Wohnung sauber und setzt seine Losung in Kotgruben außerhalb ab, den Aborten. Oft wohnt auch ein Fuchs im selben Bau, allerdings in getrennten Teilen – dieses Nebeneinander heißt Burgfriede.
Jagdzeiten und Wildbret
Jagdzeiten, Baujagd und Fallenjagd regeln die Länder. So ist der Dachs in Berlin und Bremen ganzjährig geschont, in Mecklenburg-Vorpommern dagegen ganzjährig jagdbar. In Bayern ist die Jagd vom 1. August bis 31. Januar erlaubt, in Hessen vom 1. August bis 31. Oktober, in Brandenburg bis 31. Januar. Erlegte Dachse werden wie Schwarzwild abgeschwartet. Da auch der Dachs Trichinen tragen kann, darf sein Fleisch nur nach einer Trichinenuntersuchung gegessen werden.
„Dachs“ in der Jägerprüfung
Mit rund 150 unterschiedlichen Fragen gehört der Dachs zu den meistgeprüften Raubwildarten. Gefragt wird nach Familie, Fellbezeichnung, Winterruhe, Bau und Hauptnahrung, nach der Wohngemeinschaft mit dem Fuchs, nach der Lage des Dachsbarts am Rücken sowie nach der Trichinenpflicht. Eine beliebte Falle: Keiler, Bache und Frischling sind Begriffe des Schwarzwildes und passen nicht zum Dachs, auch wenn beide eine Schwarte tragen.
Häufige Fragen zu „Dachs“
Hält der Dachs Winterschlaf?
Nein, er hält Winterruhe. Er bleibt bei Frost und Schnee lange im Bau, ist aber reaktionsfähig und kommt bei milder Witterung heraus.
Wie heißt das Fell des Dachses?
Jägersprachlich heißt es Schwarte, nicht Balg. Entsprechend wird der Dachs abgeschwartet.
Was frisst ein Dachs hauptsächlich?
Regenwürmer bilden oft den Großteil seiner Nahrung. Ergänzend nimmt er Larven, Schnecken, Früchte, Feldfrüchte, Baumsamen, Kleinsäuger, Eier und Aas.
Warum muss Dachsfleisch untersucht werden?
Der Dachs kann wie Schwarzwild Trichinen tragen. Verzehrt werden darf das Fleisch daher nur nach einer Trichinenuntersuchung.
„Dachs“ kommt in 146 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RaubwildRaubwild ist die jagdrechtliche Sammelbezeichnung für bestimmte Haarwildarten, die zu den Raubtieren gehören und sich von Fleisch oder als Allesfresser ernähren, etwa Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Waschbär und Marderhund.
- FuchsDer Fuchs, genauer Rotfuchs (Vulpes vulpes), ist ein Hundeartiger und das häufigste heimische Raubwild in Deutschland. Er ist ein anpassungsfähiger Kulturfolger und Allesfresser mit Schwerpunkt auf Mäusen und anderen Kleinsäugern.
- SchwarteSchwarte ist die jägersprachliche Bezeichnung für die Haut samt Borstenkleid des Schwarzwildes; auch das Fell des Dachses heißt Schwarte.
- TrichinenprobeDie Trichinenprobe ist eine Muskelprobe, die bei trichinenpflichtigem Wild wie Schwarzwild, Dachs oder Waschbär entnommen und amtlich auf Trichinen untersucht wird, bevor das Wildbret verzehrt werden darf.
- ErdhundErdhunde, auch Bauhunde genannt, sind kleine, mutige und scharfe Jagdhunde wie Teckel und Terrier, die vor allem für die Arbeit im Fuchs- und Dachsbau gezüchtet und ausgebildet werden.
- BaummarderDer Baummarder (Martes martes), im Volksmund auch Edelmarder, ist ein waldgebundener Marder mit gelblichem, meist ungegabeltem Kehlfleck, dunkler Nase und sehr guter Kletterfähigkeit.
- MarderhundDer Marderhund (Nyctereutes procyonoides), auch Enok genannt, stammt aus Ostasien und gehört zu den Hundeartigen. Hierzulande gilt er als etabliertes Neozoon und invasive Art; mit Mardern ist er nicht verwandt.
- IltisDer Iltis (Mustela putorius) ist ein kräftiger, dämmerungs- und nachtaktiver Marderartiger mit heller Gesichtsmaske und stark riechendem Analdrüsensekret; er ist die Wildform des Frettchens.
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