Wildbiologie · Jägersprache
Schmalreh
Ein Schmalreh ist ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, das in der Regel noch kein eigenes Kitz geführt hat; das gleichaltrige männliche Stück heißt Jährlingsbock.
Was ist ein Schmalreh?
Beim Rehwild unterscheidet die Jägersprache die Stücke nach Geschlecht und Alter. Im ersten Lebensjahr heißt das Jungtier Kitz. Im zweiten Lebensjahr wird das weibliche Stück als Schmalreh bezeichnet, das männliche als Jährlingsbock. Ältere weibliche Stücke nennt man Ricke. Das Schmalreh ist schlanker gebaut als die Ricke und führt normalerweise noch kein Kitz. Geschlechtsreif ist es aber bereits: Schmalrehe können im zweiten Lebensjahr beschlagen werden. Einen Kopfschmuck trägt das Schmalreh wie jedes weibliche Reh nicht.
Ansprechen: Schmalreh oder Ricke?
Im Sommer lässt sich das Schmalreh vergleichsweise gut ansprechen: Es wirkt schlanker, und ihm fehlt das Gesäuge, an dem man die führende Ricke erkennt. Ende Juni sieht man einen jungen Bock mit einem weiblichen Stück meist als Jährlingsbock mit Schmalreh. Den Haarwechsel hat ein gesundes Schmalreh im Juni abgeschlossen. Im Winter trägt es wie die Ricke eine Schürze, und der Spiegel wirkt herz- bis kleeblattförmig. Ab Herbst ist das Schmalreh deshalb oft nicht mehr sicher von der Ricke zu unterscheiden – selbst bei gutem Licht und kurzer Entfernung kann man im späten November an einem einzeln äsenden Stück keine eindeutige Aussage treffen. Am erlegten Stück hilft das Gebiss: Beim Schmalreh läuft noch der Zahnwechsel, ab etwa 14 bis 15 Monaten ist das Dauergebiss vollständig.
Bejagung und Wildbrethygiene
Für Schmalrehe eignet sich etwa eine Büchse im Kaliber .243 Win. Ein Schuss spitz von hinten auf ein äsendes Stück gilt als nicht waidgerecht. Entdeckt der Jäger bei einer Revierfahrt ein Schmalreh, steigt er aus und schießt angestrichen, etwa an einem Baum. Deutet nach dem Schuss ein Krümmen des Rückens auf einen Weidwundschuss hin, wartet er rund zwei Stunden und setzt dann den Hund am Riemen am Anschuss an. Weist das erlegte Stück eine ältere, eiternde Wunde auf, die nicht mit der Erlegung zusammenhängt, ist eine amtliche Fleischuntersuchung nötig. Auffälliges Verhalten mit Scheuerwunden am Kopf kann auf Tollwut hindeuten. Die Jagdzeit richtet sich nach Landesrecht; in Niedersachsen haben Schmalrehe vom 1. April bis 15. Mai sowie vom 1. September bis 31. Januar Jagdzeit.
„Schmalreh“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung verbindet das Schmalreh mit vielen Situationen: Ansprechen im Jahreslauf, Unterscheidbarkeit von der Ricke im Spätherbst, Verfärben, geeignete Kaliber, waidgerechte Schussabgabe, Verhalten nach einem Weidwundschuss und Fleischuntersuchung. Häufiger Fehler ist die Annahme, man könne Schmalreh und Ricke im Winter zuverlässig auseinanderhalten.
Häufige Fragen zu „Schmalreh“
Wie alt ist ein Schmalreh?
Ein Schmalreh steht im zweiten Lebensjahr. Im ersten Jahr heißt das weibliche Jungtier noch Kitz, danach spricht man von der Ricke.
Kann ein Schmalreh schon trächtig werden?
Ja. Bereits im zweiten Lebensjahr kann ein Schmalreh beschlagen werden. Junge Ricken setzen danach häufig nur ein Kitz.
Woran erkennt man ein Schmalreh im Winter?
Im Winter ist das kaum möglich, denn auch das Schmalreh trägt eine Schürze und ähnelt der Ricke stark. Sicherer gelingt das Ansprechen im Sommer, wenn das Gesäuge der führenden Ricke sichtbar ist.
„Schmalreh“ kommt in 45 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- RickeRicke ist die jägersprachliche Bezeichnung für das weibliche Stück Rehwild. Sie trägt kein Gehörn und ist im Winter an der Schürze am Spiegel zu erkennen.
- KitzKitz heißt in der Jägersprache das Jungtier des Rehwilds im ersten Lebensjahr; auch bei Gams- und Steinwild spricht man von Kitzen.
- SpiegelDer Spiegel ist die helle, meist weiße Haarfläche am Hinterteil von Schalenwild wie Reh-, Dam- und Sikawild; er dient beim Ansprechen als Merkmal für Art, Geschlecht und Gesundheit.
- GesäugeGesäuge ist das Euter bzw. die Milchdrüsen weiblicher Wildtiere. Bei Reh- und Hirscharten heißt es jägersprachlich auch Spinne; es verrät, ob ein weibliches Stück Nachwuchs führt.
- AnsprechenAnsprechen ist in der Jägersprache das sichere Bestimmen eines Stückes Wild vor dem Schuss: Wildart, Geschlecht, Altersklasse, Gesundheitszustand und ob es erlegt werden darf.
- BlattzeitBlattzeit ist das Jägerwort für die Brunft, also die Paarungszeit, des Rehwilds; sie fällt in den Sommer, meist von Mitte Juli bis Mitte August.
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