Wildbiologie · Jägersprache
Pinsel
Pinsel ist in der Jägersprache das äußerlich sichtbare männliche Geschlechtsmerkmal von Rehbock, Keiler und Damhirsch. Beim Luchs heißen außerdem die Haarbüschel an den Ohrspitzen Pinsel.
Was bedeutet „Pinsel“?
Im häufigsten Sinn bezeichnet der Pinsel ein von außen sichtbares männliches Geschlechtsmerkmal des Schalenwildes. Beim Rehbock, beim Keiler und beim männlichen Damwild dient er als Geschlechtsmerkmal, das auch ohne Kopfschmuck den männlichen Tieren zugeordnet werden kann. Eine zweite, ganz andere Bedeutung gibt es beim Luchs: Dort sind die Pinsel die Haarbüschel an den Spitzen der Ohren, die zusammen mit Backenbart und Stummelwedel zu seinen Erkennungszeichen gehören.
Der Pinsel beim Ansprechen
Seinen Wert zeigt der Pinsel vor allem dann, wenn der Kopfschmuck fehlt. Im Dezember, nach dem Abwerfen des Gehörns, lässt sich ein Rehbock am Pinsel sicher von einer Ricke unterscheiden; zusätzlich helfen das Kurzwildbret, der eher nierenförmige Spiegel des Bockes und die Schürze der Ricke. Beim Schwarzwild gilt der Pinsel im Frühsommer als zuverlässigstes Merkmal, um einen Keiler von einer Bache zu trennen. Beim männlichen Damwild sind Pinsel und Rosenstöcke das ganze Jahr über recht gut zu sehen. Dennoch gilt: Spiegel, Schürze und Pinsel ergänzen das Gesamtbild, ersetzen aber nie Jahreszeit, Verhalten und Körperbau.
Der Pinsel beim Aufbrechen
Auch beim Versorgen des Wildbrets verlangt der Pinsel Aufmerksamkeit. Beim Rehbock wird er zunächst umschärft und nach hinten weggezogen, aber noch nicht abgetrennt; erst nachdem Bauch- und Brusthöhle geleert sind, wird er abgeschärft. Beim männlichen Schwarzwild soll der Bereich um den Pinsel großzügig herausgeschnitten und die Brunftkugeln sollen vollständig entfernt werden.
„Pinsel“ in der Jägerprüfung
Prüfungsfragen zielen meist auf die Unterscheidung der Geschlechter ohne Kopfschmuck: Bock und Ricke im Winter, Keiler und Bache im Frühsommer, Damhirsch zu jeder Jahreszeit. Außerdem soll der Pinsel in Aufzählungen der Körperteile von Reh- und Schwarzwild genannt werden, und beim Beschreiben des Aufbrechens ist der richtige Umgang mit ihm gefragt. Wer beim Luchs von Pinseln spricht, meint dagegen die Ohrbüschel.
Häufige Fragen zu „Pinsel“
Woran erkennt man im Winter einen Rehbock ohne Gehörn?
Am Pinsel und am Kurzwildbret. Ergänzend helfen der Spiegel, der beim Bock eher nierenförmig wirkt, und die Schürze, die nur die Ricke trägt.
Was ist der Pinsel beim Luchs?
Beim Luchs meint der Begriff die Haarbüschel an den Ohrspitzen. Mit dem Geschlechtsmerkmal von Rehbock oder Keiler hat diese Bedeutung nichts zu tun.
„Pinsel“ kommt in 10 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- RickeRicke ist die jägersprachliche Bezeichnung für das weibliche Stück Rehwild. Sie trägt kein Gehörn und ist im Winter an der Schürze am Spiegel zu erkennen.
- KeilerKeiler heißt in der Jägersprache das männliche Wildschwein ab dem dritten Lebensjahr; kennzeichnend ist sein Gewaff aus vergrößerten Eckzähnen, den Gewehren und Haderern.
- SpiegelDer Spiegel ist die helle, meist weiße Haarfläche am Hinterteil von Schalenwild wie Reh-, Dam- und Sikawild; er dient beim Ansprechen als Merkmal für Art, Geschlecht und Gesundheit.
- LuchsDer Luchs, genauer Eurasischer Luchs (Lynx lynx), ist Europas größte Katze und ein streng geschützter Lauer- und Pirschjäger mit Pinselohren, Backenbart, Stummelwedel und Tellertatzen.
- AufbrechenAufbrechen ist in der Jägersprache das Öffnen der Bauchhöhle eines erlegten Stückes Schalenwild und das Entnehmen der inneren Organe. Umgangssprachlich entspricht das dem Ausweiden.
- AnsprechenAnsprechen ist in der Jägersprache das sichere Bestimmen eines Stückes Wild vor dem Schuss: Wildart, Geschlecht, Altersklasse, Gesundheitszustand und ob es erlegt werden darf.
- DamwildDamwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart aus der Gruppe der Echten Hirsche, deren männliche Stücke ein Schaufelgeweih tragen; jagdlich zählt es zum Schalenwild und zum Hochwild.
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