Wildbiologie · Jägersprache
Ständer
auch: Staender
Ständer ist das jägersprachliche Wort für die Beine der Vögel, insbesondere des Federwildes; bei Greifvögeln und Eulen heißen die Greifwerkzeuge dagegen Fänge.
Was bedeutet „Ständer“?
Wo der Laie von Vogelbeinen spricht, sagt der Jäger Ständer. Der Ausdruck gehört zu den Körperbezeichnungen des Federwildes, zu denen auch Schwingen für die Flügel und Stoß für den Schwanz zählen. Bei Greifvögeln und Eulen heißen die Greifwerkzeuge dagegen Fänge. Bei Säugetieren wie dem Rehwild heißen die Beine Läufe. Der Begriff taucht in der Wildkunde, bei der Beurteilung von Schusszeichen und in der Wildbrethygiene auf.
Ständer als Bestimmungs- und Altersmerkmal
Die Ständer helfen, Gruppen zu unterscheiden. Hühnervögel haben kräftige Ständer mit Scharrfunktion. Bei Fasan, Rebhuhn und Wachtel sind sie meist unbefiedert oder nur schwach befiedert, bei den Raufußhühnern wie Auer-, Birk- und Haselwild sowie dem Alpenschneehuhn befiedert; das gilt als Anpassung an Kälte, beim Alpenschneehuhn einschließlich der Zehen auch als Schneeschutz. Auch das Alter lässt sich teilweise ablesen: Ein Rebhuhn mit grauen Ständern ist älter als ein Jahr. Bei flüggen Ringeltauben sind Ständer, Iris und Schnabel noch dunkel, außerdem fehlen die Halsflecken.
Ständer nach dem Schuss und bei der Wildbrethygiene
Ein Stück Federwild, das nach dem Schuss einen Ständer sichtbar herabhängen lässt, ist geständert, also am Bein getroffen. Streicht ein Fasan mit herunterhängenden Ständern weiter, deutet das auf einen Waidwundtreffer hin. Vorsicht bei der Wiesenralle: Sie fliegt von Natur aus mit hängenden Ständern. Bei der Untersuchung erlegten Federwildes gelten Geschwülste oder Wucherungen an den Ständern oder im Kopfbereich als bedenkliche Merkmale, die eine amtliche Fleischuntersuchung erforderlich machen.
„Ständer“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung nutzt das Wort vor allem in drei Zusammenhängen: Schusszeichen beim Federwild, bedenkliche Merkmale am erlegten Vogel und Altersbestimmung bei Rebhuhn oder Ringeltaube. Wer weiß, dass Raufußhühner befiederte Ständer haben und dass die Wiesenralle mit hängenden Ständern fliegt, vermeidet typische Fehlschlüsse.
Häufige Fragen zu „Ständer“
Was bedeutet „geständert“ beim Federwild?
Geständert ist ein Vogel, der am Ständer getroffen wurde. Man erkennt es am sichtbar herabhängenden Bein nach dem Schuss.
Warum haben Raufußhühner befiederte Ständer?
Die Befiederung dient als Kälteanpassung. Beim Alpenschneehuhn sind auch die Zehen befiedert und schützen im Schnee.
„Ständer“ kommt in 8 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- FederwildFederwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle wildlebenden Vogelarten, die dem Jagdrecht unterliegen – etwa Hühnervögel, Enten, Gänse, Tauben, Schnepfen, Rabenvögel sowie Greifvögel und Falken.
- SchwingenSchwingen ist das jägersprachliche Wort für die Flügel des Federwildes und der Greifvögel; gemeint sind die Flügel samt ihren großen Flugfedern.
- StoßStoß ist das jägersprachliche Wort für den Schwanz der Vögel, also die Gesamtheit der Schwanzfedern; seine Form ist ein wichtiges Merkmal bei der Bestimmung von Federwild und Greifvögeln.
- FangFang hat jagdlich mehrere Bedeutungen: Es bezeichnet das Maul des Fuchses und anderer Hundeartiger, im Plural (Fänge) die Greifwerkzeuge von Greifvögeln und Eulen und schließlich das Fangen von Wild als Teil der Jagdausübung.
- LäufeLäufe ist das Wort der Jägersprache für die Beine des Haarwildes, zum Beispiel bei Reh, Rot- oder Damwild; man unterscheidet Vorder- und Hinterläufe.
- HühnervögelHühnervögel (Galliformes) sind kräftig gebaute, überwiegend am Boden lebende Vögel mit starken Ständern, kurzen runden Schwingen und schnellem Startflug; alle heimischen Arten brüten am Boden und sind Nestflüchter.
- Bedenkliche MerkmaleBedenkliche Merkmale sind Auffälligkeiten am lebenden oder erlegten Wild, die Zweifel an der Genusstauglichkeit wecken; Anlage 4 der Tier-LMHV fasst sie in 13 Kategorien zusammen.
- SchusszeichenSchusszeichen sind die Reaktionen, die Wild im Moment des Schusses zeigt – etwa Zeichnen, Kugelschlag oder beim Federwild das Himmeln; sie helfen, Treffer und Trefferlage einzuschätzen.
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