Wildbiologie
Gehörn
auch: Rehgehörn
Gehörn ist die jagdsprachliche Bezeichnung für den Kopfschmuck des Rehbocks. Biologisch ist es ein Geweih aus Knochen, das jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
Was bedeutet „Gehörn“?
Beim Reh spricht der Jäger nicht von Geweih, sondern von Gehörn. Gemeint ist dasselbe Gebilde, das bei Rot-, Dam-, Sika- und Elchwild Geweih heißt: ein knöcherner Kopfschmuck, der auf den Rosenstöcken sitzt und jährlich erneuert wird. Nur der Bock trägt ein Gehörn; Ricke und Schmalreh haben keines. Mit echten Hörnern hat das Gehörn trotz des Namens nichts zu tun. Hörner, wie sie Muffel-, Gams- und Steinwild tragen, sind Hornscheiden auf einem Knochenzapfen, wachsen zeitlebens und werden nie abgeworfen. Das Gewaff des Keilers wiederum besteht aus vergrößerten Eckzähnen.
Aufbau und Jahreszyklus
Ein Gehörn gliedert sich in Rosenstock, Rose, Stange und Enden; die raue, knotige Oberfläche der Stangen nennt man Perlung. Im Herbst bis Frühwinter, meist zwischen Oktober und Dezember, wird es abgeworfen; ältere, starke Böcke werfen oft schon im Oktober oder November und damit zuerst ab. Über den Winter wächst das neue Gehörn unter einer gut durchbluteten Haut, dem Bast. Im Frühjahr streift der Bock den Bast an Bäumen und Sträuchern ab. Ältere Böcke fegen meist im März und April und sind im April fertig, jüngere später. Seine dunkle Farbe erhält das Gehörn vor allem durch Pflanzensäfte beim Fegen. Mit dem Fegen beginnt die Reviermarkierung; zur Blattzeit im Sommer ist das Gehörn längst blank.
Gehörnentwicklung und Stärke
Bereits das Bockkitz schiebt ein kleines Erstlingsgehörn ohne Rosen. Erst danach folgt das Jährlingsgehörn mit Rosen, das auch schon Gabeln tragen kann. Nach der Form unterscheidet man Knopfbock, Spießer, Gabler und Sechser. Das stärkste Gehörn trägt ein Bock im Regelfall im Alter von drei bis sechs Jahren. Den größten Einfluss auf die Stärke hat die Ernährung während des Wachstums; Alter, Konstitution, Umwelt und Veranlagung kommen hinzu. Für die Trophäe wird das abgeschlagene Gehörn ein bis zwei Tage gewässert und danach abgekocht.
„Gehörn“ in der Jägerprüfung
Die Kopfschmuck-Systematik gehört zu den meistgeprüften Bereichen der Wildkunde. Gefragt werden Abwurf- und Fegezeiten, die Ursache für Stärke und Färbung, das Alter mit dem stärksten Gehörn und die Behandlung der Trophäe. Manche Fragen schreiben „Geweih (Gehörn)“, um klarzumachen, dass biologisch ein Geweih gemeint ist. Klassische Fehler: beim Reh von Geweih sprechen, Gehörn mit Horn gleichsetzen oder die Gehörnform als sicheres Alters- und Qualitätsurteil verstehen.
Häufige Fragen zu „Gehörn“
Worin unterscheiden sich Gehörn und Geweih?
Biologisch in nichts: Beides ist Knochensubstanz auf Rosenstöcken und wird jährlich abgeworfen. Jagdsprachlich heißt der Kopfschmuck beim Rehbock Gehörn, bei Rot-, Dam-, Sika- und Elchwild Geweih.
Wann wirft der Rehbock sein Gehörn ab?
Meist zwischen Oktober und Dezember. Bei älteren, starken Böcken fällt es gewöhnlich eher als bei jungen.
Warum ist das Gehörn dunkel?
Die Färbung stammt hauptsächlich von Pflanzensäften, die beim Fegen und Schlagen an Stämmen und Zweigen an den Stangen haften bleiben.
„Gehörn“ kommt in 31 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- GeweihEin Geweih ist der knöcherne Kopfschmuck der männlichen Hirsche wie Rot-, Dam-, Sika- und Elchhirsch. Es sitzt auf den Rosenstöcken, wird jedes Jahr abgeworfen und unter dem Bast neu gebildet.
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- RosenstockDer Rosenstock ist der knöcherne Stirnzapfen, auf dem Geweih oder Gehörn der Hirscharten sitzt. Er bleibt dauerhaft bestehen, während der Kopfschmuck darauf jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
- BastBast ist die behaarte, gut durchblutete Haut, die das wachsende Geweih oder Gehörn überzieht und mit Nährstoffen versorgt. Ist der Kopfschmuck fertig, streift das Stück den Bast durch Fegen ab.
- GablerGabler ist die jagdliche Bezeichnung für einen Rehbock oder Hirsch, dessen Stangen sich jeweils zu einer Gabel mit zwei Enden verzweigen. Der Name beschreibt nur die Form des Kopfschmucks, nicht ein festes Alter.
- SpießerEin Spießer ist ein junger männlicher Geweih- oder Gehörnträger, dessen Stangen noch unverzweigt sind, also je nur einen Spieß ohne Enden tragen; beim Rot- und Damhirsch ist das meist der erste Kopf.
- RosenRosen sind beim Schalenwild die kranzförmigen Verdickungen am unteren Ende der Geweih- oder Gehörnstangen, direkt über dem Rosenstock. Bei Raufußhühnern und Fasan heißen die roten Stellen über den Augen ebenfalls Rosen.
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