Wildbiologie · Jägersprache
Ricke
auch: Rehgeiß
Ricke ist die jägersprachliche Bezeichnung für das weibliche Stück Rehwild. Sie trägt kein Gehörn und ist im Winter an der Schürze am Spiegel zu erkennen.
Was bedeutet „Ricke“?
Im Alltag würde man von einem weiblichen Reh oder einer Rehgeiß sprechen, der Jäger sagt Ricke. Vom männlichen Bock unterscheidet sie sich zunächst dadurch, dass sie keinen Kopfschmuck trägt. Ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, das in der Regel noch keine Kitze hat, heißt Schmalreh. Die Ricke führt ihre Kitze; außerhalb der Blattzeit lebt Rehwild oft allein oder in kleinen Verbänden, im Winter in lockeren Sprüngen. Wie viele Ricken in einem Bockrevier stehen, hängt von der Qualität des Lebensraums als Setzplatz ab.
Ricke, Bock und Schmalreh ansprechen
Im Winter hilft der Spiegel, also der helle Fleck um das Weidloch. Bei der Ricke wirkt er wegen der Schürze, einem Haarbüschel, herz- bis kleeblattförmig, beim Bock eher nierenförmig. Diese Faustregel ersetzt nicht das Gesamtbild. Sicher unterscheiden lässt sich der Bock im Dezember an Pinsel und Kurzwildbret. Im Sommer verrät das Gesäuge, auch Spinne genannt, die führende Ricke; im Juni lässt sich daran zweifelsfrei erkennen, ob ein weibliches Stück Kitze hat. Ab dem Herbst sind Schmalreh und Ricke oft nicht mehr sicher auseinanderzuhalten, selbst bei gutem Licht. Eine noch rote Ricke mit schwachem Kitz im Oktober spricht für ein sehr altes Stück mit spät gesetztem Nachwuchs.
Blattzeit, Keimruhe und Setzzeit
Die Blattzeit liegt meist zwischen Mitte Juli und Mitte August. Der Bock treibt die Ricke dabei oft in Hexenringen. Beim Blatten ahmt der Jäger den Fiepton oder das Angstgeschrei der Ricke nach, um den Bock anzulocken. Nach dem Beschlagen folgt eine Keimruhe von rund viereinhalb Monaten, erst ab Dezember entwickelt sich der Embryo. Insgesamt trägt die Ricke rund neuneinhalb Monate. Gesetzt wird im Mai und Juni, meist zwei Kitze, bei jungen Ricken oft eines und selten drei. Die Kitze liegen als Ablieger regungslos in der Deckung und werden etwa sechs bis sieben Monate gesäugt.
Abschussreihenfolge und Jagdzeiten
Die führende Ricke ist besonders zu schonen. Sollen eine alte Ricke und ihr Kitz erlegt werden, wird zuerst das Kitz und danach die Ricke geschossen. Maßgeblich für die Jagdzeiten sind die Bundesjagdzeitenverordnung und die davon abweichenden Landesregelungen. In Bayern dürfen Ricken vom 1. September bis 15. Januar bejagt werden, in Sachsen vom 1. August bis 31. Januar; Kitze haben nach der Bundesjagdzeitenverordnung vom 1. September bis 28. Februar Jagdzeit. In Bremen, Hamburg und Berlin haben Ricken vom 1. September bis 31. Januar Jagdzeit, in Brandenburg vom 1. September bis 15. Januar.
„Ricke“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung fragt vor allem nach dem sicheren Ansprechen: Spiegel und Schürze im Winter, Gesäuge im Sommer, Pinsel beim Bock. Beliebt sind Fallbeispiele, in denen aus Decke, Zeitpunkt und Kitz auf das Alter einer Ricke geschlossen werden soll. Ebenso wichtig ist die richtige Reihenfolge beim Abschuss von Kitz und Ricke. Ein häufiger Irrtum ist, ein einzelnes weibliches Stück im Spätherbst sicher als Schmalreh oder Ricke bestimmen zu wollen.
Häufige Fragen zu „Ricke“
Woran erkennt man eine Ricke?
Sie trägt kein Gehörn. Im Winter zeigt ihr Spiegel durch die Schürze eine herzförmige Form, im Sommer verrät das Gesäuge eine führende Ricke.
Wie viele Kitze bekommt eine Ricke?
Meist zwei. Junge Ricken setzen oft nur ein Kitz, drei Kitze sind selten. Gesetzt wird im Mai und Juni.
Was wird beim Blatten nachgeahmt?
Der Fiepton der Ricke, gelegentlich auch ihr Angstgeschrei. So lockt der Jäger in der Blattzeit den Bock heran.
„Ricke“ kommt in 46 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- KitzKitz heißt in der Jägersprache das Jungtier des Rehwilds im ersten Lebensjahr; auch bei Gams- und Steinwild spricht man von Kitzen.
- SchmalrehEin Schmalreh ist ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, das in der Regel noch kein eigenes Kitz geführt hat; das gleichaltrige männliche Stück heißt Jährlingsbock.
- BlattzeitBlattzeit ist das Jägerwort für die Brunft, also die Paarungszeit, des Rehwilds; sie fällt in den Sommer, meist von Mitte Juli bis Mitte August.
- SpiegelDer Spiegel ist die helle, meist weiße Haarfläche am Hinterteil von Schalenwild wie Reh-, Dam- und Sikawild; er dient beim Ansprechen als Merkmal für Art, Geschlecht und Gesundheit.
- GesäugeGesäuge ist das Euter bzw. die Milchdrüsen weiblicher Wildtiere. Bei Reh- und Hirscharten heißt es jägersprachlich auch Spinne; es verrät, ob ein weibliches Stück Nachwuchs führt.
- SetzzeitDie Setzzeit ist der Zeitraum, in dem weibliches Haarwild, vor allem Schalenwild, seine Jungen zur Welt bringt (jägersprachlich: setzt); sie fällt bei den meisten Arten in das Frühjahr oder den Frühsommer.
- ElterntierschutzElterntierschutz ist die Regel aus § 22 Abs. 4 BJagdG: Während der Setz- und Brutzeiten bleiben Alttiere, die ihre Jungen noch aufziehen, von der Jagd verschont, bis der Nachwuchs selbstständig ist.
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