Wildbiologie · Jägersprache
Setzzeit
Die Setzzeit ist der Zeitraum, in dem weibliches Haarwild, vor allem Schalenwild, seine Jungen zur Welt bringt (jägersprachlich: setzt); sie fällt bei den meisten Arten in das Frühjahr oder den Frühsommer.
Was bedeutet „Setzzeit“?
Setzen ist das jägersprachliche Wort für das Gebären beim Haarwild. Die Setzzeit bezeichnet also die Geburtszeit der Jungtiere. Bei Federwild spricht man stattdessen von der Brutzeit, weshalb in Gesetzen und Prüfungsfragen häufig die Doppelformel „Brut- und Setzzeit“ auftaucht. Beim Schalenwild gehört die Setzzeit zusammen mit Brunft und Tragzeit zum Jahresrhythmus jeder Art. Diese biologischen Zeiträume lassen sich allgemein lernen; die konkreten Jagdzeiten richten sich dagegen nach dem jeweiligen Landesrecht.
Setzzeiten wichtiger Schalenwildarten
Rehwild setzt meist im Mai und Juni. Da unter den heimischen Schalenwildarten nur das Reh eine Keimruhe kennt, liegen Blattzeit im Sommer und Setzzeit viele Monate auseinander; die Gesamttragzeit beträgt rund 9½ Monate. Meist kommen zwei Kitze, die als Ablieger regungslos in der Deckung liegen. Damwild setzt meist im Juni und Juli, in der Regel ein einzelnes geflecktes Kalb; die Tiere sondern sich dazu vom Rudel ab. Gamswild setzt meist im Mai und Juni, und schon bald nach der Geburt läuft das Kitz mit der Geiß mit. Rotwild bringt seine Kälber im späten Frühjahr, Muffelwild im Frühjahr und Elchwild im Frühjahr bis Frühsommer. Beim Schwarzwild ist das Frischen variabel, Frischlinge sind ganzjährig möglich.
Elterntierschutz während der Setzzeit
Rechtlich ist die Setzzeit wegen des Elterntierschutzes bedeutsam. Während der Brut- und Setzzeit dürfen Elterntiere, die für die Aufzucht notwendig sind, nicht bejagt werden, bis die Jungen selbstständig sind. Das gilt auch für Wildarten ohne Schonzeit wie das Wildkaninchen. Beteiligt sich bei einer Art auch das männliche Tier an der Aufzucht, ist es ebenfalls geschützt. Auch Fangjagd und das Mähen von Schussschneisen im Röhricht gehören in die Zeit außerhalb von Brut und Setzen.
„Setzzeit“ in der Jägerprüfung
Die meisten Fragen verbinden die Setzzeit mit dem Elterntierschutz: Wer ist geschützt, und gilt der Schutz auch bei ganzjährig bejagbarem Wild? In der Wildkunde werden die Setzzeiten der Schalenwildarten und beim Rehwild die Keimruhe erfragt. Häufige Fehler sind, den Schutz nur auf das Muttertier zu beziehen, oder die Setzzeit von Reh- und Damwild zu vertauschen.
Häufige Fragen zu „Setzzeit“
Wann ist die Setzzeit beim Rehwild?
Meist im Mai und Juni. Die Ricke setzt dann in der Regel zwei Kitze, junge Ricken oft nur eines.
Gilt der Schutz in der Setzzeit auch für männliche Tiere?
Ja, wenn das Vatertier bei der jeweiligen Art an der Aufzucht beteiligt ist. Maßgeblich ist, ob das Elterntier für die Aufzucht der Jungen notwendig ist.
Warum liegen beim Reh Blattzeit und Setzzeit so weit auseinander?
Nach der Befruchtung im Sommer ruht der Keim etwa viereinhalb Monate. Erst ab Dezember entwickelt sich der Embryo weiter, sodass die Kitze im folgenden Frühjahr gesetzt werden.
„Setzzeit“ kommt in 5 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- ElterntierschutzElterntierschutz ist die Regel aus § 22 Abs. 4 BJagdG: Während der Setz- und Brutzeiten bleiben Alttiere, die ihre Jungen noch aufziehen, von der Jagd verschont, bis der Nachwuchs selbstständig ist.
- SchonzeitDie Schonzeit ist der Zeitraum außerhalb der Jagdzeit, in dem eine Wildart nicht bejagt werden darf; für Wild ohne festgesetzte Jagdzeit gilt nach § 22 BJagdG ganzjährige Schonung.
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- DamwildDamwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart aus der Gruppe der Echten Hirsche, deren männliche Stücke ein Schaufelgeweih tragen; jagdlich zählt es zum Schalenwild und zum Hochwild.
- KitzKitz heißt in der Jägersprache das Jungtier des Rehwilds im ersten Lebensjahr; auch bei Gams- und Steinwild spricht man von Kitzen.
- BrunftBrunft ist das Jägerwort für die Paarungszeit des Schalenwilds, vor allem der Hirscharten; beim Reh heißt sie Blattzeit, bei Schwarz- und Muffelwild Rauschzeit.
- SchalenwildSchalenwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer mit Schalen – Hirschartige, Hornträger und Schwarzwild.
- KitzrettungKitzrettung umfasst alle Maßnahmen, mit denen Rehkitze vor der Mahd in Wiesen aufgespürt und aus dem Gefahrenbereich des Mähwerks gebracht werden, heute meist per Drohne mit Wärmebildkamera.
Weitere Begriffe aus Wildbiologie
SikawildSchwingenSperberSchwarzwildSpiegelSchwarteSpießerSchneckenAlle Begriffe aus Wildbiologie