Wildbiologie · Jägersprache
Einstand
auch: Tageseinstand, Wildeinstand, Einstandsgebiet
Einstand ist der jägersprachliche Begriff für den deckungsreichen Bereich, in dem sich Wild bevorzugt aufhält, ruht und bei Störungen Schutz sucht – vereinfacht gesagt sein Rückzugsort.
Was bedeutet „Einstand“?
Im Alltag würde man vom Versteck oder Tagesquartier eines Tieres sprechen. Der Jäger nennt diesen Ort Einstand. Gemeint ist ein Gebiet mit guter Deckung, das Wild regelmäßig aufsucht, um zu ruhen, und in das es bei Beunruhigung ausweicht. Wildökologisch liegt der Einstand im Kerngebiet des Aktionsraums, also in dem Teil, den ein Tier am intensivsten nutzt; dort befinden sich meist auch bevorzugte Äsungsflächen. Weiter außen schließt das Streifgebiet an, das nur gelegentlich zur Nahrungssuche oder Partnerwahl aufgesucht wird. Vom Einstand zu den Äsungsflächen zieht Wild auf festen Wechseln.
Einstand bei verschiedenen Wildarten
Standwild wie das Reh hat seinen Einstand dauerhaft im Revier, wechselt aber im Jahreslauf zwischen Einständen und Äsungsflächen. Der Rehbock markiert seinen Bereich durch Fegen, wobei er Duftstoffe aus der Drüse unter der Stirnlocke abstreift, sowie über Duftdrüsen an den Hinterläufen. Wird Rehwild im Einstand gestört, schreckt es mit einem bellenden Warnlaut. Beim Schwarzwild bestimmt häufig die Leitbache, wo die Rotte ihren Einstand bezieht und welche Wechsel sie nutzt. Damwild braucht für seinen Einstand kleine Mischwälder mit viel Buschholz. Wechselwild dagegen hat in einem Revier keinen festen Einstand.
Den Einstand jagdlich nutzen
Um festzustellen, ob Wild in einem bestimmten Einstand steckt, kreist der Jäger, besonders im Winter. Ziel dieses Vorgehens ist es, das Wild im Einstand zu bestätigen. Beim Ausneuen geht er nach Neuschnee einer Spur bis zum Versteck nach, eine besondere Jagdart auf den Marder. Bei Drückjagden wird Wild im Einstand nur vorsichtig beunruhigt; dafür gibt es den Ausdruck Anrühren. Auch Maßnahmen gegen Wildschäden berücksichtigen den Einstand: Werden Pflanzen einzeln geschützt statt eingezäunt, bleibt eine Kultur dem Wild als Deckung erhalten.
„Einstand“ in der Jägerprüfung
Vierzehn unterschiedliche Fragen enthalten den Begriff. Häufig geht es um den Zweck des Kreisens, den Begriff Wechselwild, die Einstandsmarkierung des Rehbocks und die Lebensraumansprüche einzelner Arten. Wer Einstand mit Territorium gleichsetzt, liegt falsch: Ein Territorium wird aktiv verteidigt, was nicht jede Wildart tut.
Häufige Fragen zu „Einstand“
Warum kreist der Jäger um einen Einstand?
Das Kreisen dient dazu, Wild in seinem Einstand zu bestätigen, also sicher festzustellen, dass es sich dort aufhält. Häufig geschieht das im Winter.
Was ist Wechselwild?
Wild, das in einem Revier keinen dauerhaften Einstand hat, sondern nur zeitweise hindurchzieht. Das Gegenstück ist Standwild.
Wie markiert der Rehbock seinen Einstand?
Vor allem durch Fegen und Plätzen. Dabei hinterlässt er Duftstoffe aus seinen Drüsen, etwa unter der Stirnlocke.
„Einstand“ kommt in 14 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Verwandte Begriffe
- WechselEin Wechsel ist in der Jägersprache ein Pfad, den Wild regelmäßig benutzt, etwa zwischen Einstand, Äsung und Ruheplätzen; im Alltag spricht man von einem Wildpfad.
- AktionsraumDer Aktionsraum ist der gesamte Bereich, den ein Wildtier innerhalb eines bestimmten Zeitraums regelmäßig nutzt. Er umfasst Einstand, Kerngebiet und Streifgebiet; der englische Fachbegriff lautet Home Range.
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- DrückjagdDie Drückjagd ist eine Bewegungs- und Gesellschaftsjagd vor allem auf Schalenwild, bei der wenige Treiber und Hunde das Wild ruhig in Bewegung bringen, sodass es vertraut an Schützen auf festen Ständen vorbeizieht.
- DuftdrüseEine Duftdrüse ist ein Hautorgan, über das Wild Geruchsstoffe abgibt – etwa zur Reviermarkierung, zum Anlocken eines Partners, zur Verständigung oder zur Abwehr von Feinden.
- FährteFährte ist das jägersprachliche Wort für die Spur des Schalenwildes, also die Abfolge seiner Tritte im Boden; den einzelnen Abdruck eines Laufes nennt man Tritt oder Trittsiegel.
- RuhezoneEine Ruhezone ist ein Bereich im Revier oder Lebensraum, der bewusst von Störungen freigehalten wird, damit Wild dort ungestört ruhen, brüten und setzen kann.
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