Hege
Aktionsraum
auch: Home Range
Der Aktionsraum ist der gesamte Bereich, den ein Wildtier innerhalb eines bestimmten Zeitraums regelmäßig nutzt. Er umfasst Einstand, Kerngebiet und Streifgebiet; der englische Fachbegriff lautet Home Range.
Was bedeutet „Aktionsraum“?
Wildtiere bewegen sich nicht zufällig, sondern nutzen ihren Lebensraum nach einem Muster. Die Wildökologie fasst den gesamten regelmäßig begangenen Bereich eines Tieres über einen festgelegten Zeitraum als Aktionsraum zusammen. Innerhalb davon gibt es Zonen unterschiedlicher Bedeutung. Der Einstand ist ein deckungsreicher Bereich zum Ruhen und für den Rückzug bei Störung. Das Kerngebiet wird am stärksten genutzt und enthält meist Einstand und bevorzugte Äsungsflächen. Das Streifgebiet reicht weiter und wird nur gelegentlich aufgesucht, etwa zur Nahrungs- oder Partnersuche. Ein Territorium ist dagegen ein Bereich, den ein Tier aktiv gegen Artgenossen verteidigt.
Raumgrößen einzelner Wildarten
Die Größen schwanken stark. Ein Rehbock verteidigt im Sommer ein Territorium von etwa 10 bis 40 ha, eine Rehgeiß nutzt ein Streifgebiet von 10 bis 30 ha ohne Territorium. Für den Feldhasen werden 10 bis 50 ha genannt. Füchse streifen häufig über etwa 100 bis 500 ha, in Städten meist deutlich weniger. Rotwild beansprucht im Sommer bis rund 500 ha, in der Spitze bis zu 5.000 ha. Beim Luchs erreicht das Streifgebiet mehrere Tausend Hektar, wobei Kuder meist größere Gebiete haben als Katzen. Für ein Fischottermännchen werden etwa 40 km Gewässerlauf angegeben.
Aktionsraum und Zerschneidung der Landschaft
Je größer der Aktionsraum, desto stärker leidet eine Art unter Straßen und Siedlungen. Diese Habitatfragmentierung isoliert Populationen, unterbricht Wanderwege und gefährdet den genetischen Austausch. Beim Luchs gelten Zerschneidung und fehlender Genfluss daher als zentrale Schutzthemen. Grünbrücken über Autobahnen und Wildkorridore verbinden getrennte Teillebensräume wieder.
„Aktionsraum“ in der Jägerprüfung
Prüflinge sollen Aktionsraum, Einstandsgebiet, Streifgebiet und Territorium sauber auseinanderhalten und Größenordnungen einzelner Arten kennen. Gefragt wird etwa nach dem Streifgebiet des Feldhasen, dem Aktionsraum des Fischotters oder danach, welche Wildart den größten Raumbedarf hat, nämlich der Luchs. Typischer Fehler: Territorium und Aktionsraum gleichsetzen.
Häufige Fragen zu „Aktionsraum“
Was ist der Unterschied zwischen Aktionsraum und Streifgebiet?
Der Aktionsraum ist der gesamte regelmäßig genutzte Bereich. Das Streifgebiet ist dessen äußerer Teil, den das Tier nur gelegentlich aufsucht, etwa zur Äsung oder Partnersuche.
Welche Wildart hat das größte Streifgebiet?
Unter den heimischen Wildarten der Luchs. Sein Streifgebiet umfasst mehrere Tausend Hektar zusammenhängenden Wald.
Wie groß ist das Territorium eines Rehbocks?
Im Sommer verteidigt ein Rehbock etwa 10 bis 40 ha. Rehgeißen haben kein Territorium, sondern ein Streifgebiet von 10 bis 30 ha.
„Aktionsraum“ kommt in 7 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Hege und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- EinstandEinstand ist der jägersprachliche Begriff für den deckungsreichen Bereich, in dem sich Wild bevorzugt aufhält, ruht und bei Störungen Schutz sucht – vereinfacht gesagt sein Rückzugsort.
- HabitatfragmentierungHabitatfragmentierung bezeichnet die Zerschneidung zusammenhängender Lebensräume, etwa durch Straßen und Siedlungen, wodurch Wildtierpopulationen isoliert, Wanderwege unterbrochen und der Genfluss gefährdet werden.
- WildkorridorEin Wildkorridor ist ein verbindender Landschaftsstreifen, etwa aus Hecken, Wald oder Gewässerläufen, über den Wildtiere zwischen voneinander isolierten Lebensräumen wandern können.
- GrünbrückeEine Grünbrücke ist eine naturnah bepflanzte Überführung über eine Autobahn, auf der Wildtiere den Verkehrsweg queren können. Sie wirkt der Zerschneidung von Lebensräumen entgegen.
- BiotopverbundEin Biotopverbund verbindet voneinander getrennte Lebensräume über Hecken, Feldraine, Trittsteinbiotope oder Wildkorridore, damit Tiere zwischen ihnen wandern und Bestände sich austauschen können.
- LuchsDer Luchs, genauer Eurasischer Luchs (Lynx lynx), ist Europas größte Katze und ein streng geschützter Lauer- und Pirschjäger mit Pinselohren, Backenbart, Stummelwedel und Tellertatzen.
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