Wildbiologie · Jägersprache
Schnecken
auch: Muffelhörner, Widderhörner
Schnecken heißen in der Jägersprache die spiralig eingedrehten Hörner des Muffelwidders; im allgemeinen Sinn sind Schnecken zudem Weichtiere, die als Nahrung vieler Wildarten und als Zwischenwirt des Leberegels vorkommen.
Was bedeutet „Schnecken“ beim Muffelwild?
Der Muffelwidder trägt spiralig gewundene Hörner, die jagdlich Schnecken genannt werden. Sie bestehen aus Hornsubstanz, die über einem knöchernen Zapfen wächst, und werden nicht abgeworfen. Damit gehört das Muffelwild zu den Hornträgern und nicht zu den Hirschen, deren Geweih oder Gehörn aus Knochen besteht und regelmäßig abgeworfen wird. Stark beschneckt sind vor allem die Widder. Viele Schafe, also die weiblichen Stücke, bilden nur kleine Hörner aus, die als Stümpfe oder Stummel bezeichnet werden. Das Hornwachstum setzt schon früh im ersten Lebensjahr ein; beim Lamm sind noch keine ausgeprägten Schnecken zu sehen.
Schnecken und Altersansprache
Die Form der Schnecken verändert sich mit dem Alter. Junge Widder tragen kurze, eng anliegende Schnecken. Beim mittelalten Widder sind sie weiter eingedreht und zeigen sichtbare Wachstumsringe, die Hinweise auf das Alter geben. Alte Widder haben stark eingedrehte Schnecken, deren Spitzen nach außen oder oben zeigen; dazu kommen kräftiger Hals, massiger Körper und der helle Sattelfleck. Die Hornstärke darf dennoch nie allein über das Ansprechen entscheiden. Ein Sonderfall ist der Einwachser: Seine Schnecken wachsen nach innen, sodass die Spitzen auf Dauer Scheuerwunden am Hals verursachen. Ein solcher Widder sollte erlegt werden. In der Brunft kämpfen die Widder heftig und schlagen dabei die Schnecken gegeneinander.
Schnecken als Tiere: Nahrung und Parasitenwirt
In der Wildkunde tauchen Schnecken auch als Weichtiere auf. Sie stehen auf dem Speiseplan zahlreicher Arten: Schwarzwild, Dachs, Baummarder, Iltis, Waldschnepfe, Tauchenten, Graureiher, Igel und Feuersalamander nehmen sie auf. Wichtig für die Wildgesundheit ist ihre Rolle als Zwischenwirt im Entwicklungskreislauf des Leberegels. Wo Schnecken als Schädlinge auftreten, werden sie mit Molluskiziden bekämpft.
„Schnecken“ in der Jägerprüfung
Prüfungsfragen nutzen beide Bedeutungen. Beim Muffelwild geht es darum, ob beide Geschlechter Kopfschmuck tragen, was ein Einwachser ist und warum Schnecken nicht abgeworfen werden. Bei den Weichtieren wird nach dem Leberegel und nach dem Nahrungsspektrum von Dachs, Iltis oder Graureiher gefragt. Häufiger Fehler: Schnecken für ein Geweih zu halten.
Häufige Fragen zu „Schnecken“
Werfen Muffelwidder ihre Schnecken ab?
Nein. Schnecken sind echte Hörner: Hornsubstanz umhüllt einen knöchernen Zapfen, und ein Abwurf findet nicht statt. Jährlich abgeworfen werden nur Geweihe und Gehörne der Hirschartigen.
Was ist ein Einwachser beim Muffelwild?
Ein Widder, dessen Schnecken nach innen wachsen. Die Spitzen scheuern mit der Zeit Wunden in den Hals, deshalb sollte ein solches Stück erlegt werden.
Warum sind Schnecken für den Leberegel wichtig?
Schnecken sind im Entwicklungskreislauf des Leberegels als Zwischenwirt eingeschaltet. Damit gehören sie in der Wildkunde auch zum Thema Parasiten und Wildgesundheit.
„Schnecken“ kommt in 12 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- MuffelwildMuffelwild, auch Mufflon genannt, ist das kleinste Wildschaf. Es gehört zu den Hornträgern und Wiederkäuern und wird jagdrechtlich als Schalenwild geführt; der Widder trägt Schnecken.
- KruckenKrucken sind die Hörner des Gamswildes: hakenförmig nach hinten gebogene Hornscheiden über einem Knochenzapfen, die Bock und Geiß tragen und die zeitlebens nicht abgeworfen werden.
- GehörnGehörn ist die jagdsprachliche Bezeichnung für den Kopfschmuck des Rehbocks. Biologisch ist es ein Geweih aus Knochen, das jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
- GeweihEin Geweih ist der knöcherne Kopfschmuck der männlichen Hirsche wie Rot-, Dam-, Sika- und Elchhirsch. Es sitzt auf den Rosenstöcken, wird jedes Jahr abgeworfen und unter dem Bast neu gebildet.
- GamswildGamswild, auch Gämse oder Gams (Rupicapra rupicapra), ist ein ziegenartiger Hornträger der Gebirge und zählt jagdrechtlich zum Schalenwild. Bock und Geiß tragen Krucken, die nie abgeworfen werden.
- DachsDer Dachs (Meles meles) ist der größte heimische Marderartige: ein kräftiger, grabender Allesfresser mit schwarz-weiß gestreiftem Gesicht, der in weitverzweigten, oft über Generationen genutzten Bauen lebt.
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