Wildbiologie
Waschbär
auch: Procyon lotor
Der Waschbär (Procyon lotor) ist ein Kleinbär nordamerikanischer Herkunft aus der Ordnung der Raubtiere, der in Deutschland als etabliertes Neozoon und invasive gebietsfremde Art gilt.
Was ist ein Waschbär?
Systematisch gehört der Waschbär zur Ordnung der Raubtiere und zur Familie der Kleinbären (Procyonidae), nicht zu den Mardern. Seine Heimat ist Nordamerika. In Deutschland wurden Tiere im 20. Jahrhundert ausgesetzt oder sind aus Haltungen und Pelztierfarmen entkommen; bekannt ist vor allem die Ansiedlung am Edersee in Nordhessen. Inzwischen lebt die Art in vielen Landesteilen, in Wäldern und an Gewässern ebenso wie in Dörfern und Städten. Jagdsprachlich heißen das männliche Tier Rüde, das weibliche Fähe und die Jungen Welpen.
Maske, Ringelrute und tastende Pfoten
Sicher erkennbar ist der Waschbär an der schwarzen, scharf begrenzten Gesichtsmaske und an der geringelten Rute. Die Vorderpfoten wirken fast wie Hände, sind sehr beweglich und äußerst tastempfindlich. Das namengebende „Waschen“ ist kein Säubern, sondern ein Ertasten und Bearbeiten der Nahrung. Der Waschbär klettert und schwimmt gut und ist überwiegend nachts aktiv. Als Allesfresser nimmt er Früchte, Mais, Eicheln und Beeren ebenso wie Insekten, Würmer, Krebse, Amphibien, Eier, Jungvögel, Kleinsäuger und Abfälle. Diese breite Nahrungspalette erklärt, warum er sich in so unterschiedlichen Lebensräumen behauptet. Probleme entstehen vor allem für Höhlen- und Gebäudebrüter, Amphibien und Reptilien; in Häusern beschädigt er Dämmung und Dachbereiche.
Invasive Art und Gesundheitsrisiko
Die EU führt die Art auf ihrer Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten, rechtlich gestützt auf die Verordnung (EU) 1143/2014. Haltung, Zucht, Transport, Vermarktung und Freisetzung sind damit grundsätzlich stark eingeschränkt. Wie er jagdlich behandelt wird, bestimmt zusätzlich das Landesrecht: In vielen Ländern darf er ganzjährig bejagt werden, grundsätzlich unter dem Vorbehalt des Elterntierschutzes nach § 22 Abs. 4 BJagdG, den Bayern für ihn allerdings aufhebt; Hessen sieht dagegen eine Jagdzeit vom 1. August bis 28. Februar vor, Jungtiere ausgenommen. Gesundheitlich wichtig ist der Waschbärspulwurm Baylisascaris procyonis, dessen Eier mit dem Kot ausgeschieden werden. Beim Umgang mit Kot, Fallwild und erlegten Tieren gehören daher Handschuhe und sorgfältige Hygiene dazu.
„Waschbär“ in der Jägerprüfung
Mit Dutzenden Fragen im Bestand ist der Waschbär ein Dauerthema. Verlangt werden die Einordnung als eingebürgertes Raubwild, seine Kletter- und Schwimmfähigkeit, die nächtliche Lebensweise und die Frage, ob und wann er bejagt werden darf. Als besonders erfolgreiche Methode nennt die Prüfung die Fallenjagd. Landesspezifisch geht es etwa darum, dass er in Niedersachsen dem Jagdrecht unterliegt. Ein häufiger Fehler ist die Zuordnung zu den Mardern oder die Verwechslung mit dem Marderhund.
Häufige Fragen zu „Waschbär“
Warum heißt der Waschbär Waschbär?
Er bewegt Nahrung oft mit den Vorderpfoten, besonders am Wasser. Dabei prüft er sie tastend, statt sie zu reinigen. Seine Pfoten sind dafür besonders feinfühlig.
Ist der Waschbärspulwurm für Menschen gefährlich?
Eine Ansteckung ist selten, kann aber schwer verlaufen, wenn Larven Gewebe oder Nervensystem schädigen. Die Eier gelangen über Waschbärkot in die Umgebung, deshalb sind Handschuhe und Hygiene wichtig.
Was unterscheidet Waschbär und Marderhund?
Der Waschbär ist ein Kleinbär aus Nordamerika mit scharfer Maske und geringelter Rute und ein sehr guter Kletterer. Der Marderhund ist ein Hundeartiger aus Ostasien mit kurzer, einfarbiger Rute.
„Waschbär“ kommt in 67 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- MarderhundDer Marderhund (Nyctereutes procyonoides), auch Enok genannt, stammt aus Ostasien und gehört zu den Hundeartigen. Hierzulande gilt er als etabliertes Neozoon und invasive Art; mit Mardern ist er nicht verwandt.
- Invasive ArtEine invasive Art ist eine gebietsfremde, aus anderen Regionen eingeschleppte Art, die sich stark ausbreitet und heimische Arten verdrängt oder Ökosysteme schädigt.
- RaubwildRaubwild ist die jagdrechtliche Sammelbezeichnung für bestimmte Haarwildarten, die zu den Raubtieren gehören und sich von Fleisch oder als Allesfresser ernähren, etwa Fuchs, Dachs, Marder, Iltis, Wiesel, Waschbär und Marderhund.
- PrädatorenmanagementPrädatorenmanagement ist die gezielte Bejagung von Fressfeinden wie Fuchs, Krähe oder Elster, um gefährdete Bodenbrüter und Niederwild zu schützen – wirksam nur zusammen mit einer Verbesserung des Lebensraums.
- ElterntierschutzElterntierschutz ist die Regel aus § 22 Abs. 4 BJagdG: Während der Setz- und Brutzeiten bleiben Alttiere, die ihre Jungen noch aufziehen, von der Jagd verschont, bis der Nachwuchs selbstständig ist.
- NutriaDie Nutria (Myocastor coypus), auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt, ist ein aus Südamerika stammendes, am Wasser lebendes Nagetier mit rundem, beschupptem Schwanz und orangefarbenen Nagezähnen. Mit dem Biber ist sie nicht gleichzusetzen.
- SteinmarderDer Steinmarder (Martes foina) ist ein Marderartiger aus der Gruppe des Raubwildes und ein ausgeprägter Kulturfolger; von seinem Verwandten, dem Baummarder, unterscheidet ihn vor allem der weiße, oft gegabelte Kehlfleck.
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