Hege
Tragkapazität
auch: K Wert
Die Tragkapazität, abgekürzt K, ist die größte Zahl an Individuen einer Art, die ein Lebensraum auf Dauer ernähren und beherbergen kann.
Was bedeutet „Tragkapazität“?
Tragkapazität ist ein Grundbegriff der Populationsökologie. Er beschreibt die Obergrenze, bis zu der ein Bestand in einem bestimmten Lebensraum dauerhaft existieren kann. Die Abkürzung K stammt vom englischen Ausdruck carrying capacity, deshalb spricht man auch vom K-Wert. Begrenzt wird die Tragkapazität durch den Faktor, der am knappsten ist; das entspricht dem Minimumgesetz nach Liebig. Sie ist nicht über das ganze Jahr gleich: Der Winter wirkt als Engpass, weil es weniger Nahrung gibt und die Tiere mehr Energie für die Wärmeregulation aufwenden müssen.
Logistisches Wachstum: wie ein Bestand an die Tragkapazität heranwächst
Wildbestände wachsen nicht unbegrenzt, sondern folgen einer S-förmigen Kurve. Anfangs nimmt die Population rasch zu, mit steigender Dichte bremst das Wachstum ab, bis sich der Bestand nahe der Tragkapazität einpendelt. Den größten Zuwachs gibt es bei halber Tragkapazität, also bei K/2; hier lässt sich am wirkungsvollsten nachhaltig entnehmen. Übersteigt ein Bestand K, steigt die Sterblichkeit, die Fortpflanzung verschlechtert sich und Wildschäden nehmen zu. Bei hoher Dichte greifen dichteabhängige Faktoren von selbst regulierend ein, während etwa Winterwitterung oder Pestizide unabhängig von der Dichte wirken.
Tragkapazität und Jagd
Die Jagd kann einen Bestand gezielt unterhalb von K halten. Die Folge sind Stücke in besserer Kondition und geringere Schäden. Als Leitlinie für nachhaltige Bejagung gilt, jährlich nicht mehr als den Zuwachs zu entnehmen. Wie vorsichtig das geschehen muss, hängt von der Fortpflanzungsstrategie ab: K-Strategen wie Rotwild mit einem Kalb im Jahr, Wolf oder Luchs leben nahe der Tragkapazität; ist ein solcher Bestand einmal überjagt, dauert die Erholung lange. r-Strategen wie Wildkaninchen oder Fasan vermehren sich schnell und gleichen Verluste rasch aus.
Einordnung in die Jägerprüfung
Der Begriff gehört in das Sachgebiet Wildbiologie und Hege, genauer in die Populationsökologie. Dort liefert er die Grundlage, um Abschussplanung, nachhaltige Nutzung und die Entstehung von Wildschäden zu erklären. Wer die Tragkapazität verstanden hat, kann auch die Begriffe K-Stratege und r-Stratege sowie das logistische Wachstum sicher einordnen.
Häufige Fragen zu „Tragkapazität“
Was ist der K-Wert in der Wildbiologie?
Der K-Wert ist die Tragkapazität eines Lebensraums, also die höchste Individuenzahl, die er dauerhaft verkraftet. Er wird durch den knappsten Umweltfaktor bestimmt.
Warum ist der Zuwachs bei K/2 am größten?
Im logistischen Wachstum verlangsamt sich die Vermehrung mit zunehmender Dichte. Bei halber Tragkapazität ist die Wachstumsrate maximal, deshalb ist dort eine nachhaltige Entnahme am effektivsten.
Was passiert, wenn ein Wildbestand die Tragkapazität überschreitet?
Mehr Tiere sterben, die Fortpflanzung lässt nach, und die Wildschäden steigen. Die Kondition der Stücke verschlechtert sich.
„Tragkapazität“ für die Jägerprüfung lernen
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- K-StrategeEin K-Stratege ist eine Tierart, die wenige Junge bekommt, diese intensiv versorgt und deren Bestand sich nahe der Tragkapazität des Lebensraums einpendelt; Beispiel ist das Rotwild.
- r-StrategeEin r-Stratege ist eine Tierart, die sich rasch und mit vielen Jungen vermehrt, dafür wenig in den einzelnen Nachwuchs investiert. Beispiele aus dem Revier sind Wildkaninchen, Feldhase und Fasan.
- BestandshegeBestandshege ist der Teil der Hege, der den Wildbestand selbst durch gezielte Bejagung steuert – nach Zahl, Geschlechterverhältnis, Altersaufbau und Gesundheit.
- AbschussplanDer Abschussplan ist die behördlich bestätigte oder festgesetzte Planung, wie viele Stücke einer Wildart nach Geschlecht und Altersklasse in einem Revier für ein Jagdjahr oder – je nach Landesrecht – für mehrere Jagdjahre erlegt werden sollen.
- WildschadenWildschaden ist ein Schaden, den frei lebendes Wild an land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen und Kulturen anrichtet; ersatzpflichtig ist er nach § 29 BJagdG nur bei bestimmten Wildarten.
- NotzeitNotzeit ist eine Zeit außergewöhnlichen Nahrungsmangels, in der Wild seinen Bedarf nicht mehr aus dem Lebensraum decken kann. Nur dann ist eine Fütterung des Wildes grundsätzlich gerechtfertigt.
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