Wildbiologie
Spiegel
Der Spiegel ist die helle, meist weiße Haarfläche am Hinterteil von Schalenwild wie Reh-, Dam- und Sikawild; er dient beim Ansprechen als Merkmal für Art, Geschlecht und Gesundheit.
Was bedeutet „Spiegel“ beim Schalenwild?
Mit Spiegel meint der Jäger die helle Haarpartie am Hinterteil des Wildes. Er gehört neben Körpergröße, Decke, Kopfschmuck, Lebensraum und Verhalten zu den Merkmalen, mit denen Schalenwild sicher nach der Art bestimmt wird. Beim Reh ist er zugleich ein wichtiges Ansprechmerkmal für das Geschlecht, und am erlegten Stück verrät seine Beschaffenheit etwas über den Gesundheitszustand. Das Wort hat im Jagdrecht noch eine zweite, ganz andere Bedeutung: Spiegel als Vorrichtung zum Anstrahlen des Zieles zählen zu den verbotenen Hilfsmitteln beim Erlegen von Wild.
Der Spiegel bei Reh-, Dam- und Sikawild
Beim Rehwild ist der Spiegel in der Winterdecke beim gesunden Stück weiß. Im Winter lassen sich die Geschlechter daran sicher trennen: Weibliche Stücke zeigen die Schürze, beim Bock hilft zusätzlich der Pinsel. Im Sommerhaar ist der Spiegel dagegen nur angedeutet und taugt nicht zur Geschlechtsbestimmung. Damwild trägt einen weißen, deutlich schwarz umrahmten Spiegel. Stellt es bei Gefahr den langen Wedel hoch, wird die helle Fläche zum weithin sichtbaren Warnsignal, besonders bei der Flucht in Prellsprüngen. Auch beim Sikawild ist der weiße Spiegel dunkel eingefasst und hilft bei der Abgrenzung.
Verschmutzter Spiegel als Warnzeichen
Ein kotverschmierter oder dunkel verfärbter Spiegel, oft zusammen mit verschmutzten Hinterläufen oder Sprunggelenken, deutet auf Durchfall hin. Als mögliche Ursachen kommen Kokzidien oder Magen- und Darmwürmer in Betracht; befallene Stücke können abgemagert sein. Für die Wildbrethygiene ist ein stark verschmutzter Spiegel ein Warnzeichen: Ob ein bedenkliches Merkmal nach Anlage 4 der Tierischen Lebensmittel-Hygieneverordnung vorliegt, etwa eine Störung des Allgemeinbefindens, ist beim Aufbrechen sorgfältig zu prüfen.
„Spiegel“ in der Jägerprüfung
Die Fragen zielen vor allem auf das Rehwild: Farbe im Winter, Geschlechtsunterscheidung im Winter über Spiegel, Schürze und Pinsel, fehlende Unterscheidbarkeit im Sommer. Außerdem wird der verschmierte Spiegel als Krankheitszeichen und als bedenkliches Merkmal abgefragt. Häufiger Fehler ist die Annahme, man könne Bock und Ricke das ganze Jahr am Spiegel trennen.
Häufige Fragen zu „Spiegel“
Kann man Rehbock und Ricke am Spiegel unterscheiden?
Im Winter ja: Die Ricke hat am Spiegel die Schürze, der Bock den Pinsel. Im Sommer ist der Spiegel nur angedeutet, dann gelingt die Unterscheidung daran nicht.
Was bedeutet ein verschmutzter Spiegel beim erlegten Reh?
Er weist auf Durchfall hin, etwa durch Kokzidien oder Magen-Darm-Würmer. Er kann auf eine Störung des Allgemeinbefindens hindeuten, die nach der Tierischen Lebensmittel-Hygieneverordnung ein bedenkliches Merkmal ist; das Stück ist deshalb besonders sorgfältig zu beurteilen.
„Spiegel“ kommt in 26 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- DamwildDamwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart aus der Gruppe der Echten Hirsche, deren männliche Stücke ein Schaufelgeweih tragen; jagdlich zählt es zum Schalenwild und zum Hochwild.
- SikawildSikawild (Cervus nippon) ist eine aus Ostasien stammende, in Deutschland eingebürgerte Hirschart, die jagdlich zum Schalenwild und zum Hochwild zählt und in Größe zwischen Reh- und Rotwild steht.
- WedelWedel ist das jägersprachliche Wort für den Schwanz des Schalenwildes, vor allem bei Rot-, Dam- und Sikawild. Beim Reh ist er so kurz, dass er von außen kaum zu sehen ist.
- PinselPinsel ist in der Jägersprache das äußerlich sichtbare männliche Geschlechtsmerkmal von Rehbock, Keiler und Damhirsch. Beim Luchs heißen außerdem die Haarbüschel an den Ohrspitzen Pinsel.
- Bedenkliche MerkmaleBedenkliche Merkmale sind Auffälligkeiten am lebenden oder erlegten Wild, die Zweifel an der Genusstauglichkeit wecken; Anlage 4 der Tier-LMHV fasst sie in 13 Kategorien zusammen.
- AnsprechenAnsprechen ist in der Jägersprache das sichere Bestimmen eines Stückes Wild vor dem Schuss: Wildart, Geschlecht, Altersklasse, Gesundheitszustand und ob es erlegt werden darf.
- SchalenwildSchalenwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer mit Schalen – Hirschartige, Hornträger und Schwarzwild.
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