Anschuss
Streifschuss
Ein Streifschuss ist ein Treffer, bei dem das Geschoss das Stück nur tangential, also seitlich streifend, erfasst. Typisch sind viele Haare und Hautfetzen am Anschuss, Schweiß findet sich oft nur dort.
Was ist ein „Streifschuss“?
Beim Streifschuss liegt eine tangentiale Trefferlage vor: Das Geschoss geht nicht mitten durch den Wildkörper, sondern erfasst ihn nur seitlich. Wie das Stück darauf reagiert, hängt von Wildart und Schussart ab; mehr Klarheit bringen die Pirschzeichen. Der Begriff wird beim Büchsenschuss auf Schalenwild ebenso verwendet wie beim Schrotschuss auf Fuchs oder Federwild. Abzugrenzen ist er vom reinen Schuss in die Decke, der ähnliche Pirschzeichen hinterlassen kann.
Pirschzeichen am Anschuss
Am Anschuss liegen beim Streifschuss vergleichsweise viele Haare und Hautfetzen. In Prüfungsfragen wird die Kombination aus viel Schnitthaar und Hautfetzen dem Streifschuss zugeordnet. Die Anschusslehre nennt als weiteren Hinweis Risshaare, die mitsamt Wurzel herausgerissen wurden und auf eine tangentiale Trefferlage oder einen Deckenschuss deuten. Findet sich Schweiß nur am Anschuss und danach nichts mehr, kann ebenfalls ein Streifschuss vorliegen. Beim Schrotschuss auf den Fuchs zuckt das Stück zusammen, flüchtet weiter und dreht sich unter Umständen nach der getroffenen Stelle um. Fällt Federwild und steht wieder auf, spricht das für einen Streif- oder Prellschuss; hier heißt es sofort nachsetzen.
Streifschuss und Wildbrethygiene
Auch bei älteren Verletzungen spielt der Streifschuss eine Rolle. Hat ein erlegtes Stück eine eiternde Wunde, die wahrscheinlich von einem früheren Streifschuss stammt, steht sie nicht im Zusammenhang mit der Erlegung. Soll das Wildbret zum menschlichen Verzehr gelangen, muss es dann zur amtlichen Fleischuntersuchung, weil sich Bakterien im ganzen Körper ausgebreitet haben können.
„Streifschuss“ in der Jägerprüfung
Am häufigsten wird gefragt, welcher Schuss vorliegt, wenn am Anschuss eines Rehs viel Schnitthaar und Hautfetzen gefunden werden – gemeint ist der Streifschuss. Außerdem wird die Unterscheidung von Schnitt- und Risshaaren gezielt abgefragt, und im Fleischhygienerecht geht es um die Frage, ob ein Stück mit alter Streifschusswunde untersucht werden muss.
Häufige Fragen zu „Streifschuss“
Woran erkennt man einen Streifschuss?
Am Anschuss finden sich viele Haare und Hautfetzen, darunter oft Risshaare mit Wurzel. Schweiß liegt häufig nur am Anschuss selbst, danach verliert sich die Spur.
Muss Wild mit einer alten Streifschusswunde untersucht werden?
Ja, wenn es zum Verzehr bestimmt ist und die Wunde eitert. Sie hängt nicht mit der Erlegung zusammen, deshalb ist eine amtliche Fleischuntersuchung nötig.
„Streifschuss“ kommt in 5 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Anschuss und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- AnschussDer Anschuss ist in der Jägersprache die Stelle, an der das Wild stand, als es beschossen wurde. Hier sucht der Jäger nach Pirschzeichen, und hier beginnt jede Nachsuche.
- PirschzeichenPirschzeichen sind die Spuren, die beschossenes Wild am Anschuss und auf seiner Fluchtfährte hinterlässt, etwa Schweiß, Haare, Knochensplitter oder Panseninhalt.
- SchnitthaarSchnitthaar sind Haare, die das Geschoss beim Treffer glatt vom Wildkörper abtrennt; am Anschuss gefunden, zeigen sie einen Treffer an und geben Hinweise auf den Sitz der Kugel.
- SchusszeichenSchusszeichen sind die Reaktionen, die Wild im Moment des Schusses zeigt – etwa Zeichnen, Kugelschlag oder beim Federwild das Himmeln; sie helfen, Treffer und Trefferlage einzuschätzen.
- KrellschussEin Krellschuss ist ein Treffer, bei dem das Geschoss einen Dornfortsatz der Wirbelsäule streift, ohne das Rückenmark zu durchtrennen. Das Stück bricht vorübergehend gelähmt zusammen, wird aber oft nach kurzer Zeit wieder hoch und flüchtet.
- NachsucheDie Nachsuche ist die Suche nach krankgeschossenem Wild mit einem ausgebildeten Jagdhund, meist einem Schweißhund. Sie ist Pflicht des Jägers und soll das Leiden des Stückes schnell beenden.
- SchrotschussDer Schrotschuss ist der Schuss mit einer Schrotpatrone aus der Flinte, bei dem viele kleine Kugeln als Garbe wirken; waidgerecht ist er auf höchstens 35 Meter.
- Bedenkliche MerkmaleBedenkliche Merkmale sind Auffälligkeiten am lebenden oder erlegten Wild, die Zweifel an der Genusstauglichkeit wecken; Anlage 4 der Tier-LMHV fasst sie in 13 Kategorien zusammen.