Anschuss · Jägersprache
Schnitthaar
auch: Schnitthaare
Schnitthaar sind Haare, die das Geschoss beim Treffer glatt vom Wildkörper abtrennt; am Anschuss gefunden, zeigen sie einen Treffer an und geben Hinweise auf den Sitz der Kugel.
Was bedeutet „Schnitthaar“?
Schnitthaar ist ein Begriff der Jägersprache für Haare, die das Geschoss beim Durchschlagen der Decke oder Schwarte sauber abschneidet. Sie bleiben am Anschuss liegen und gehören neben Schweiß und Knochensplittern zu den Pirschzeichen. Wer am Anschuss Schnitthaar findet, kann davon ausgehen, dass das Stück getroffen wurde. Besonders deutlich wird das bei Geschossen mit Scharfrand. Dieser Absatz am Geschossmantel stanzt ein glattes Einschussloch und liefert so Schnitthaar. Im Alltag würde man schlicht von abgeschossenen Haaren sprechen.
Was die Haare über die Trefferlage verraten
Da die Behaarung je nach Körperstelle verschieden ist, lassen sich aus Länge, Farbe und Form Rückschlüsse ziehen. Haare vom Bauch sind lang, gewellt und hell. Rückenhaare sind kurz und dunkel mit hellen Spitzen. Haare von den Läufen sind kurz und steif. Wichtig ist die Unterscheidung vom Risshaar: Es wird vom Geschoss mitsamt Wurzel herausgerissen und deutet auf einen Streifschuss oder einen Schuss nur durch die Decke hin. Liegen viel Schnitthaar und Hautfetzen am Anschuss, spricht das beim Rehwild ebenfalls für einen Streifschuss.
Schnitthaar im Zusammenspiel mit anderen Pirschzeichen
Schnitthaar allein reicht selten für eine sichere Diagnose. Erst zusammen mit Schusszeichen, Schweiß und weiteren Funden ergibt sich ein Bild. Äsungsreste, wenig Schnitthaar und etwas dunkler Schweiß weisen auf einen Weidwundschuss hin; hier ist eine längere Wartezeit vor der Nachsuche nötig. Beim Krellschuss findet man dagegen kaum Schweiß, allenfalls Schnitthaar und etwas hellen Schweiß – das Stück kann sich wieder erholen, deshalb muss sofort gehandelt werden. Den Anschuss kontrolliert der Jäger erst nach einer kurzen Wartezeit und vorsichtig, ohne ihn zu betreten.
„Schnitthaar“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung fragt, welche Funde zu den Pirschzeichen zählen und was am Anschuss einen Treffer belegt. Typisch sind außerdem Fallbeschreibungen, bei denen aus Schnitthaar, Hautfetzen, Schweiß und Äsungsresten auf die Trefferlage geschlossen werden muss, sowie die Frage nach dem Scharfrand am Geschoss. Häufige Fehlerquelle ist die Verwechslung von Schnitt- und Risshaar.
Häufige Fragen zu „Schnitthaar“
Was ist der Unterschied zwischen Schnitthaar und Risshaar?
Schnitthaar hat das Geschoss glatt abgeschnitten, es zeigt einen Treffer an. Risshaar wurde samt Wurzel herausgerissen und spricht für einen Streifschuss oder einen Schuss nur durch die Decke.
Woran erkennt man Bauchhaar am Anschuss?
Bauchhaare sind lang, gewellt und hell. Rückenhaare wären dagegen kurz und dunkel mit hellen Spitzen, Laufhaare kurz und steif.
Was ist ein Scharfrand am Geschoss?
Ein Absatz am Mantel eines Büchsengeschosses. Er stanzt ein sauberes Einschussloch und sorgt dafür, dass am Anschuss Schnitthaar zu finden ist.
„Schnitthaar“ kommt in 12 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Anschuss und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- AnschussDer Anschuss ist in der Jägersprache die Stelle, an der das Wild stand, als es beschossen wurde. Hier sucht der Jäger nach Pirschzeichen, und hier beginnt jede Nachsuche.
- PirschzeichenPirschzeichen sind die Spuren, die beschossenes Wild am Anschuss und auf seiner Fluchtfährte hinterlässt, etwa Schweiß, Haare, Knochensplitter oder Panseninhalt.
- SchusszeichenSchusszeichen sind die Reaktionen, die Wild im Moment des Schusses zeigt – etwa Zeichnen, Kugelschlag oder beim Federwild das Himmeln; sie helfen, Treffer und Trefferlage einzuschätzen.
- NachsucheDie Nachsuche ist die Suche nach krankgeschossenem Wild mit einem ausgebildeten Jagdhund, meist einem Schweißhund. Sie ist Pflicht des Jägers und soll das Leiden des Stückes schnell beenden.
- StreifschussEin Streifschuss ist ein Treffer, bei dem das Geschoss das Stück nur tangential, also seitlich streifend, erfasst. Typisch sind viele Haare und Hautfetzen am Anschuss, Schweiß findet sich oft nur dort.
- KrellschussEin Krellschuss ist ein Treffer, bei dem das Geschoss einen Dornfortsatz der Wirbelsäule streift, ohne das Rückenmark zu durchtrennen. Das Stück bricht vorübergehend gelähmt zusammen, wird aber oft nach kurzer Zeit wieder hoch und flüchtet.
- SchweißSchweiß ist in der Jägersprache das Blut des Wildes; Farbe und Beschaffenheit am Anschuss verraten die Trefferlage.