Wildbiologie · Jägersprache
Stangen
auch: Stange
Stangen sind die beiden Hauptäste von Geweih oder Gehörn, die auf den Rosenstöcken wachsen und Sprossen bzw. Enden tragen. Abgeworfene Stangen heißen Abwurfstangen und unterliegen dem Aneignungsrecht.
Was bedeutet „Stangen“?
Jede Hälfte eines Geweihs heißt Stange. Sie bildet die Hauptachse, von der Aug-, Eis- und Mittelsprosse abzweigen und die beim Rothirsch in der Krone endet. Am unteren Ende liegt die Rose, darunter der dauerhafte Rosenstock. Beim Rehgehörn spricht man ebenfalls von Stangen; ihre raue, knopfartige Oberfläche heißt Perlung. Ein Spießer trägt je eine unverzweigte Stange. Das Längenwachstum von Stangen und Enden erfolgt an den Spitzen, nicht an der Basis. Werden die Stangen im Jahreszyklus abgeworfen, bleibt an ihrer Unterseite eine Bruchfläche zurück, das Petschaft.
Abwurfstangen: Wem gehören sie?
Abgeworfene Stangen sind Sachen, die dem Jagdrecht unterliegen. Das Aneignungsrecht daran steht allein dem Jagdausübungsberechtigten des Reviers zu, auch in einem Gemeinschaftsjagdbezirk. Es umfasst neben den Abwurfstangen krankes oder verendetes Wild und die Eier von Federwild. Wer als Dritter Stangen sammeln möchte, braucht dafür keinen Jagdschein, wohl aber die schriftliche Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten. Eignet sich jemand Abwurfstangen unter Verletzung fremden Jagdrechts an oder beschädigt sie, begeht er Jagdwilderei; dafür droht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.
Stangen bei Rot-, Dam- und Sikawild
Die Form der Stangen hilft beim Unterscheiden der Hirscharten. Rotwild trägt ein Geweih mit Stangen, Sprossen und Krone. Sikawild hat ein kleineres, leichteres Stangengeweih ohne Schaufel. Beim Damhirsch verbreitert sich der obere Teil zur Schaufel; ein Damhirsch vom 2. Kopf zeigt in der Regel Stangen mit Aug- und Mittelsprosse und einen nur angedeuteten Schaufelansatz.
„Stangen“ in der Jägerprüfung
Die meisten Fragen betreffen das Aneignungsrecht an Abwurfstangen: wem es zusteht, ob zum Sammeln ein Jagdschein nötig ist und welche Erlaubnis Dritte brauchen. Daneben geht es um den Geweihaufbau und die Stangenform junger Damhirsche. Auch die Einordnung der unerlaubten Aneignung als Jagdwilderei kann Gegenstand einer Frage sein. Nicht verwechseln darf man das Wort mit dem Stangenholz aus der Waldkunde.
Häufige Fragen zu „Stangen“
Braucht man zum Sammeln von Abwurfstangen einen Jagdschein?
Nein. Erforderlich ist aber die schriftliche Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten, dem das Aneignungsrecht zusteht. Wer sich Stangen ohne diese Berechtigung zueignet, riskiert eine Strafbarkeit wegen Jagdwilderei.
Was ist Stangenholz?
Stangenholz ist ein Begriff aus dem Waldbau und bezeichnet eine Entwicklungsstufe zwischen Dickung und Baumholz, deren Bäume in Brusthöhe etwa 15 cm Durchmesser haben. Mit Geweihstangen hat es nichts zu tun.
„Stangen“ kommt in 28 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- GeweihEin Geweih ist der knöcherne Kopfschmuck der männlichen Hirsche wie Rot-, Dam-, Sika- und Elchhirsch. Es sitzt auf den Rosenstöcken, wird jedes Jahr abgeworfen und unter dem Bast neu gebildet.
- GehörnGehörn ist die jagdsprachliche Bezeichnung für den Kopfschmuck des Rehbocks. Biologisch ist es ein Geweih aus Knochen, das jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
- RosenstockDer Rosenstock ist der knöcherne Stirnzapfen, auf dem Geweih oder Gehörn der Hirscharten sitzt. Er bleibt dauerhaft bestehen, während der Kopfschmuck darauf jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
- RosenRosen sind beim Schalenwild die kranzförmigen Verdickungen am unteren Ende der Geweih- oder Gehörnstangen, direkt über dem Rosenstock. Bei Raufußhühnern und Fasan heißen die roten Stellen über den Augen ebenfalls Rosen.
- JagdausübungsberechtigterJagdausübungsberechtigter ist, wem in einem Jagdbezirk das Recht zusteht, die Jagd auszuüben – im Eigenjagdbezirk der Eigentümer oder Nutznießer, im gemeinschaftlichen Jagdbezirk die Jagdgenossenschaft oder, bei Verpachtung, der Jagdpächter.
- SpießerEin Spießer ist ein junger männlicher Geweih- oder Gehörnträger, dessen Stangen noch unverzweigt sind, also je nur einen Spieß ohne Enden tragen; beim Rot- und Damhirsch ist das meist der erste Kopf.
- DamwildDamwild (Dama dama) ist eine mittelgroße Hirschart aus der Gruppe der Echten Hirsche, deren männliche Stücke ein Schaufelgeweih tragen; jagdlich zählt es zum Schalenwild und zum Hochwild.
- SikawildSikawild (Cervus nippon) ist eine aus Ostasien stammende, in Deutschland eingebürgerte Hirschart, die jagdlich zum Schalenwild und zum Hochwild zählt und in Größe zwischen Reh- und Rotwild steht.
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