Wildbiologie · Jägersprache
Schwingen
Schwingen ist das jägersprachliche Wort für die Flügel des Federwildes und der Greifvögel; gemeint sind die Flügel samt ihren großen Flugfedern.
Was bedeutet „Schwingen“?
Wo der Laie von Flügeln spricht, sagt der Jäger Schwingen. Das Wort gilt für Federwild ebenso wie für Greifvögel, Falken und Eulen und bezieht die großen Flugfedern mit ein. Es gehört zu einer Reihe von Körperbezeichnungen der Vögel: Ständer sind die Beine, Fänge die Greifwerkzeuge von Greifvögeln und Eulen, der Stoß ist der Schwanz. Wer diese Begriffe beherrscht, kann Beobachtungen im Revier knapp und eindeutig beschreiben und Merkmale in Bestimmungstabellen richtig lesen.
Die Form der Schwingen als Bestimmungsmerkmal
Die Silhouette der Schwingen verrät viel über Art und Lebensweise. Hühnervögel haben kurze, breite und gerundete Schwingen für einen schnellen Startflug, aber nicht für lange Strecken; bei der Wachtel sind sie vergleichsweise kurz und spitz. Habicht und Sperber jagen im Wald mit kurzen, runden Schwingen und langem Stoß. Falken wie der Turmfalke haben spitze Schwingen, Bussarde und Adler breite, Weihen lange Schwingen für ihren niedrigen, gaukelnden Suchflug. Möwen erkennt man an langen, spitzen Schwingen, die gutes Segeln und Gleiten ermöglichen. Beim Wildtruthahn gehören abgesenkte Schwingen und der aufgefächerte Stoß zum Imponierverhalten.
Schwingen beim Zeichnen und am Malerfederchen
Auch nach dem Schuss geben die Schwingen Hinweise. Bekommt ein Fasanenhahn Schrote in die Lunge, steigt er senkrecht auf, schlägt mit den Schwingen und stürzt dann ab; der Jäger sagt, er himmelt. An der Waldschnepfe sitzt das Malerfederchen am Schwingenbug, also am Flügelbug.
„Schwingen“ in der Jägerprüfung
Direkt nach dem Wort wird selten gefragt. Es taucht aber in Bestimmungsaufgaben auf, etwa wenn ein Greifvogel mit spitzen Schwingen beschrieben wird, der beim Flug rüttelt; gemeint ist dann der Turmfalke. Auch die Lage des Malerfederchens am Schwingenbug der Waldschnepfe und das Himmeln des lungengetroffenen Fasans werden abgefragt. Wer Schwingen, Stoß und Ständer sicher unterscheidet, versteht solche Beschreibungen sofort.
Häufige Fragen zu „Schwingen“
Was ist der Unterschied zwischen Schwingen und Stoß?
Schwingen sind die Flügel, der Stoß ist der Schwanz des Vogels. Beide dienen gemeinsam der Bestimmung, etwa bei Sperber und Habicht mit kurzen Schwingen und langem Stoß.
Wo sitzt das Malerfederchen der Waldschnepfe?
Am Schwingenbug, also am Knick des Flügels. Die Frage nach der Lage dieser Feder gehört zu den bekannten Detailfragen zur Waldschnepfe.
„Schwingen“ kommt in 4 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- FederwildFederwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle wildlebenden Vogelarten, die dem Jagdrecht unterliegen – etwa Hühnervögel, Enten, Gänse, Tauben, Schnepfen, Rabenvögel sowie Greifvögel und Falken.
- StänderStänder ist das jägersprachliche Wort für die Beine der Vögel, insbesondere des Federwildes; bei Greifvögeln und Eulen heißen die Greifwerkzeuge dagegen Fänge.
- StoßStoß ist das jägersprachliche Wort für den Schwanz der Vögel, also die Gesamtheit der Schwanzfedern; seine Form ist ein wichtiges Merkmal bei der Bestimmung von Federwild und Greifvögeln.
- FangFang hat jagdlich mehrere Bedeutungen: Es bezeichnet das Maul des Fuchses und anderer Hundeartiger, im Plural (Fänge) die Greifwerkzeuge von Greifvögeln und Eulen und schließlich das Fangen von Wild als Teil der Jagdausübung.
- FalkeFalken (Familie Falconidae) sind schnelle Greifvögel mit langen, spitzen, sichelförmigen Flügeln und einem Falkenzahn am Oberschnabel; in Deutschland prüfungsrelevant sind vor allem Wander-, Turm- und Baumfalke.
- WaldschnepfeDie Waldschnepfe (Scolopax rusticola) ist ein heimlich lebender Schnepfenvogel feuchter Wälder. Kennzeichen sind der lange, gerade Stecher, das laubfarbene Tarngefieder und weit hinten sitzende Augen.
- SperberDer Sperber (Accipiter nisus) ist ein kleiner, wendiger Greifvogel der Wälder und Deckungen, der vor allem Kleinvögel schlägt und dem größeren Habicht in Gestalt und Jagdweise stark ähnelt.
- FasanDer Fasan, genauer Jagdfasan (Phasianus colchicus), ist ein ursprünglich asiatischer Hühnervogel, der in Europa eingebürgert wurde und heute als typisches Niederwild reich gegliederter Feldfluren gilt; jagdrechtlich zählt er zum Federwild.
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