Wildbiologie · Jägersprache
Rehwild
auch: Reh, Capreolus capreolus
Rehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
Was ist „Rehwild“?
Mit Rehwild bezeichnet der Jäger die Wildart, die im Alltag schlicht Reh heißt. Zoologisch zählt es zu den Paarhufern und Wiederkäuern, innerhalb der Hirsche zur Unterfamilie der Trughirsche. Das Reh ist also weder das Weibchen des Hirsches noch ein junges Stück Rotwild, sondern eine eigenständige Art. Als anpassungsfähiger Kulturfolger lebt es in Übergängen zwischen Wald und Feld ebenso wie in offener Agrarlandschaft. Bei der Äsung ist es ein Konzentratselektierer, der nährstoffreiche, leicht verdauliche Pflanzen auswählt. Das männliche Stück heißt Bock, das weibliche Ricke, das Jungtier im ersten Lebensjahr Kitz.
Gehörn, Decke und Jahreszyklus
Nur der Bock trägt Kopfschmuck, und dieser heißt beim Reh Gehörn, nicht Geweih, obwohl er ebenfalls aus Knochen besteht und jedes Jahr abgeworfen wird. Schon im ersten Lebensjahr bilden männliche Kitze kleine Knöpfe. Abgeworfen wird zwischen Oktober und Dezember, ältere Böcke meist früher. Im Winter wächst das neue Gehörn unter dem Bast, im Frühjahr wird es verfegt, danach besetzen die Böcke Territorien. Je nach Ausbildung unterscheidet man Knopfbock, Spießer, Gabler und Sechser. Die Sommerdecke ist rotbraun, die Winterdecke graubraun; verfärbt wird meist im April und Mai sowie im September und Oktober. Der Spiegel ist in der Winterdecke weiß. Ein Korkenziehergehörn deutet auf starken Befall mit Innenparasiten hin.
Lebensweise, Wildschäden und Bejagung
Das Reh ist die einzige heimische Schalenwildart mit Keimruhe. Im Sommer lebt es eher einzeln und territorial, im Winter finden sich lockere Gruppen, sogenannte Sprünge. An jungen Bäumen verursacht der Bock Fegeschäden; zusammen mit Rotwild verbeißt Rehwild Knospen und Triebe, besonders von Eiche, Buche, Tanne und Douglasie. Starker Verbiss kann die natürliche Waldverjüngung verhindern. Gejagt wird vor allem vom Ansitz, auf der Pirsch, bei der Blattjagd und auf Bewegungsjagden. Büchsenpatronen müssen auf Rehwild nach § 19 BJagdG eine Auftreffenergie auf 100 m von mindestens 1.000 Joule haben. Eine Trichinenuntersuchung ist beim Reh nicht vorgeschrieben.
Jagdzeiten nach Landesrecht
Die Jagdzeiten für Rehwild legen die Länder fest, deshalb müssen sie stets nach dem jeweils geltenden Landesrecht gelernt werden. Ein Beispiel ist Bayern: Dort beginnt die Bockjagd bereits am 16. April und endet am 15. Oktober; in Sachsen-Anhalt, wo die Bundesjagdzeit gilt, darf der Rehbock dagegen vom 1. Mai bis 15. Oktober bejagt werden. In Mecklenburg-Vorpommern reicht die Jagdzeit auf den Bock vom 16. April bis 31. Januar, in Nordrhein-Westfalen vom 1. Mai bis 31. Januar. In Berlin dürfen Böcke und Schmalrehe vom 1. April bis 31. Mai und vom 1. August bis 31. Januar bejagt werden, Ricken und Kitze vom 1. September bis 31. Januar. Auch Abschuss- und Bewirtschaftungsregeln können sich von Land zu Land unterscheiden.
„Rehwild“ in der Jägerprüfung
Kaum eine Wildart wird so oft abgefragt wie das Reh. Im Mittelpunkt stehen Ansprechen, Jägersprache, Fortpflanzung mit Keimruhe, Gebiss und Zahnwechsel, Wildschäden und der Jahreszyklus des Gehörns. Typische Fehler sind, beim Reh von Geweih zu sprechen, das Reh für die Hirschkuh zu halten oder Jagdzeiten eines Landes bundesweit zu verallgemeinern. Beim Ansprechen soll der Spiegel mit oder ohne Schürze helfen, ersetzt aber nie das Gesamtbild.
Häufige Fragen zu „Rehwild“
Ist das Reh die Frau vom Hirsch?
Nein. Das Reh ist eine eigene Art aus der Familie der Hirsche und auch kein Jungtier des Rotwildes. Das weibliche Reh heißt in der Jägersprache Ricke.
Wann wirft der Rehbock sein Gehörn ab?
Zwischen Oktober und Dezember, wobei alte, starke Böcke in der Regel den Anfang machen. Im Winter wächst das neue Gehörn unter dem Bast heran.
Was bedeutet Konzentratselektierer beim Reh?
Das Reh ist auf nährstoffreiche, leicht verdauliche Äsung spezialisiert und sucht sie gezielt aus. Der Begriff gehört zu den Standardfragen rund um die Ernährung des Rehwildes.
„Rehwild“ kommt in 690 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- RickeRicke ist die jägersprachliche Bezeichnung für das weibliche Stück Rehwild. Sie trägt kein Gehörn und ist im Winter an der Schürze am Spiegel zu erkennen.
- KitzKitz heißt in der Jägersprache das Jungtier des Rehwilds im ersten Lebensjahr; auch bei Gams- und Steinwild spricht man von Kitzen.
- SchmalrehEin Schmalreh ist ein weibliches Reh im zweiten Lebensjahr, das in der Regel noch kein eigenes Kitz geführt hat; das gleichaltrige männliche Stück heißt Jährlingsbock.
- GehörnGehörn ist die jagdsprachliche Bezeichnung für den Kopfschmuck des Rehbocks. Biologisch ist es ein Geweih aus Knochen, das jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
- BlattzeitBlattzeit ist das Jägerwort für die Brunft, also die Paarungszeit, des Rehwilds; sie fällt in den Sommer, meist von Mitte Juli bis Mitte August.
- SpiegelDer Spiegel ist die helle, meist weiße Haarfläche am Hinterteil von Schalenwild wie Reh-, Dam- und Sikawild; er dient beim Ansprechen als Merkmal für Art, Geschlecht und Gesundheit.
- VerbissAls Verbiss bezeichnet man das Abäsen der Knospen und Triebe junger Bäume und Sträucher durch Wild, vor allem durch Rehwild. Er gehört zu den forstlichen Wildschäden und kann die Waldverjüngung verhindern.
- SchalenwildSchalenwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer mit Schalen – Hirschartige, Hornträger und Schwarzwild.
Weitere Begriffe aus Wildbiologie
RebhuhnRosenRauschzeitRosenstockRaubwildRotteRanzzeitRotwildAlle Begriffe aus Wildbiologie