Wildbiologie · Jägersprache
Auerwild
auch: Auerhuhn, Auerhahn, Auerhenne, Tetrao urogallus
Auerwild ist die jägersprachliche Sammelbezeichnung für das Auerhuhn (Tetrao urogallus), den größten Hühnervogel Europas. Der Hahn heißt Auerhahn, die Henne Auerhenne; jagdlich zählt es zum Hochwild.
Was ist Auerwild?
Mit Auerwild meint der Jäger das Auerhuhn, also Hahn, Henne und Junge zusammen. Es gehört zu den Hühnervögeln und dort zu den Raufußhühnern, erkennbar an befiederten Ständern und Zehen. Wie alle heimischen Hühnervögel brütet es am Boden, und die Küken sind Nestflüchter. Die Jungen einer führenden Henne bilden das Gesperre; der Hahn beteiligt sich nicht an der Aufzucht. Auerwild ist eine Leitart lichter, störungsarmer und strukturreicher Wälder und lebt wie das Haselwild ausschließlich im Wald. Jagdlich wird es zusammen mit Stein- und Seeadler zum Federwild gezählt, das als Hochwild gilt.
Auerhahn und Auerhenne unterscheiden
Der Hahn ist sehr groß und schwer, dunkel bis schwarz gefärbt und hat eine metallisch grünlich schimmernde Brust. Über den Augen leuchten rote Rosen, die in der Balz besonders auffallen; verlängerte Kehlfedern bilden den Federbart, der Schnabel ist hell und kräftig, der Stoß wird bei der Balz breit gefächert. Die Henne ist deutlich kleiner und leichter und trägt ein rotbraun bis graubraun gebändertes Tarngefieder, oft mit rostbrauner Brust. Federbart und Balzfächer fehlen ihr. Mit der Birkhenne kann sie verwechselt werden, ist aber größer und kräftiger. Birk- und Auerwild können sich sogar kreuzen.
Die Balzarie des Auerhahns
Der Balzgesang besteht aus vier Teilen in fester Folge: Knappen, Trillern, Hauptschlag und Schleifen, auch Wetzen genannt. Während des kurzen Schleifens ist die Wahrnehmung des Hahns eingeschränkt, was die frühere Pirsch auf den balzenden Hahn ausnutzte. Die pauschale Aussage, der Hahn sei dabei blind und taub, gilt als übertrieben. Heute wird die Balz nicht mehr als normale Jagdpraxis gelernt, denn Auerwild ist in Deutschland stark gefährdet und steht im Kontext von Schutz und Monitoring.
Lebensraum und Gefährdung
Auerwild braucht großflächige, altholzreiche und teils aufgelichtete Wälder, oft im Bergland, mit viel Beerkraut am Boden. Die Heidelbeere ist im Sommer wichtige Äsung, im Winter leben die Vögel vor allem von Nadeln, etwa von Kiefer und Tanne. Die Küken brauchen Ameisen und andere Insekten. Dichte junge Wirtschaftswälder, Zerschneidung, Freizeitbetrieb, Prädation und Klimaveränderungen verschlechtern den Lebensraum. Geschützt wird es durch Habitatmanagement, Besucherlenkung, Störungsvermeidung und Monitoring.
„Auerwild“ in der Jägerprüfung
Häufig gefragt werden die Balzphasen in richtiger Reihenfolge, Sommer- und Winteräsung, die Zuordnung zum Hochwild, Bodenbrut und Nestflucht sowie der Lebensraum. Fehlerquellen sind die Verwechslung von Auer- und Birkhenne und die Annahme, der Hahn helfe bei der Aufzucht.
Häufige Fragen zu „Auerwild“
Welche Phasen hat die Balz des Auerhahns?
Knappen, Trillern, Hauptschlag und Schleifen oder Wetzen – immer in dieser Reihenfolge. Beim Schleifen ist der Hahn für kurze Zeit weniger aufmerksam.
Was frisst Auerwild?
Im Sommer ist die Heidelbeere besonders wichtig, im Winter nehmen die Vögel vor allem Nadeln von Kiefer und Tanne auf. Küken sind auf Ameisen und Insekten angewiesen.
Warum ist Auerwild in Deutschland so selten?
Es hat Lebensraum verloren, weil Wälder dichter und stärker zerschnitten wurden. Hinzu kommen Störungen durch Freizeitnutzung, Prädation und klimatische Veränderungen.
„Auerwild“ kommt in 62 Prüfungsfragen vor
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Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- HühnervögelHühnervögel (Galliformes) sind kräftig gebaute, überwiegend am Boden lebende Vögel mit starken Ständern, kurzen runden Schwingen und schnellem Startflug; alle heimischen Arten brüten am Boden und sind Nestflüchter.
- BirkwildBirkwild ist die jägersprachliche Bezeichnung für das Birkhuhn (Tetrao tetrix), ein Raufußhuhn offener Moor-, Heide- und Hochlagen, dessen Hahn blauschwarz gefärbt ist und einen leierförmigen Stoß trägt.
- HaselwildHaselwild ist die jägersprachliche Bezeichnung für das Haselhuhn (Tetrastes bonasia), das kleinste heimische Raufußhuhn, das sehr heimlich in unterholzreichen Wäldern lebt.
- GesperreGesperre ist die jägersprachliche Bezeichnung für die Küken eines Hühnervogels zusammen mit der Henne, die sie führt. Der Begriff wird etwa bei Auer-, Birk-, Hasel- und Fasanenwild verwendet.
- BalzBalz bezeichnet das Paarungswerben bei Vögeln, vor allem bei Hühnervögeln: Dabei umwerben die Hähne die Hennen durch Rufe, Körperhaltung, Gefieder, Kämpfe oder auf festen Balzplätzen.
- BodenbrüterBodenbrüter sind Vögel, die ihr Nest gut getarnt direkt auf dem Boden anlegen – dazu zählen alle heimischen Hühnervögel, aber etwa auch Gänse, Schnepfen und die Weihen.
- NestflüchterNestflüchter sind Jungtiere, die schon kurz nach Schlupf oder Geburt weit entwickelt sind, das Nest verlassen und dem führenden Elterntier folgen. Typisch sind Hühnervögel, Enten und Junghasen.
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