Hege
Verbissgutachten
auch: Vegetationsgutachten
Ein Verbissgutachten ist ein forstliches Gutachten, das bewertet, wie stark Schalenwild die Verjüngung des Waldes beeinflusst. Es zeigt, ob der Wildbestand für den Wald zu hoch ist.
Was ist ein „Verbissgutachten“?
Das Verbissgutachten untersucht, wie stark Schalenwild die jungen Bäume eines Waldes verbeißt und ob die Verjüngung dadurch gefährdet ist. Man spricht deshalb auch vom Gutachten zum Einfluss des Schalenwildes auf die Waldverjüngung oder vom Vegetationsgutachten. Im Wildtiermanagement zählt es zu den indirekten Methoden, um die Höhe eines Wildbestands einzuschätzen – neben Losungsanalyse, Fährtenzählung im Schnee und Fotofallen. Während diese Verfahren das Wild selbst erfassen, schaut das Verbissgutachten auf die Wirkung des Bestands im Lebensraum. Hohe Verbissbelastung ist ein Hinweis darauf, dass mehr Wild vorhanden ist, als der Wald verkraftet.
Verbissgutachten und Abschussplanung
Das Gutachten ist eine der Grundlagen für den Abschussplan, zusammen mit Wildbestandserhebungen und den Streckenzahlen der Vorjahre. In Nordrhein-Westfalen gilt der verbindliche Abschussplan für Schalenwild mit Ausnahme von Schwarz- und Rehwild; den Plan erstellt der Jagdausübungsberechtigte, die untere Jagdbehörde bestätigt ihn oder setzt ihn fest. Die Aussage des Gutachtens ist klar: Bleiben die Tanne und vergleichbar empfindliche Arten auf Dauer verbissen, obwohl sie geschützt wurden, gilt der Bestand als überhöht – dann ist mehr zu erlegen. Verbiss gilt damit als der ehrlichste Hinweis für überhöhte Wildbestände.
Was Verbiss im Wald anrichtet
Verbiss betrifft besonders Tanne, Eiche, Buche und Douglasie. Er führt zu Zwieselbildung und zur Entmischung, im schlimmsten Fall bleibt die natürliche Verjüngung ganz aus. Weil Rehverbiss ausgefasert und Hasenverbiss glatt geschnitten ist, lässt sich der Verursacher am Schadbild unterscheiden.
„Verbissgutachten“ in der Jägerprüfung
Die Prüfung fragt vor allem nach der Begriffsbestimmung: Gemeint ist eine forstliche Bewertung, wie sehr Schalenwild die Waldverjüngung beeinflusst. In einer Fragenvariante geht es um forstliche Vegetationsgutachten, die die Forstverwaltung alle drei Jahre erstellt und die sich auf die Fläche einer Hegegemeinschaft beziehen; solche Einzelheiten sind je nach Landesrecht verschieden. Im Zusammenhang wichtig ist die Rolle des Gutachtens für die Abschussplanung.
Häufige Fragen zu „Verbissgutachten“
Wozu dient ein Verbissgutachten?
Es bewertet den Verbissdruck auf die Waldverjüngung und zeigt so, ob der Schalenwildbestand zu hoch ist. Die Ergebnisse fließen in die Abschussplanung ein.
Welche Folgen hat ein schlechtes Verbissgutachten für die Jagd?
Wenn empfindliche Baumarten trotz Schutzmaßnahmen dauerhaft verbissen werden, gilt der Bestand als zu hoch. Der Abschuss wird dann angehoben.
„Verbissgutachten“ kommt in 2 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Hege und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- VerbissAls Verbiss bezeichnet man das Abäsen der Knospen und Triebe junger Bäume und Sträucher durch Wild, vor allem durch Rehwild. Er gehört zu den forstlichen Wildschäden und kann die Waldverjüngung verhindern.
- AbschussplanDer Abschussplan ist die behördlich bestätigte oder festgesetzte Planung, wie viele Stücke einer Wildart nach Geschlecht und Altersklasse in einem Revier für ein Jagdjahr oder – je nach Landesrecht – für mehrere Jagdjahre erlegt werden sollen.
- WildtiermanagementWildtiermanagement ist die planvolle Steuerung von Wildbeständen mit Instrumenten wie Abschussplan, Streckenliste, Monitoring und Wildschadensmanagement, gestützt auf Forschung und Populationsökologie.
- HegegemeinschaftEine Hegegemeinschaft ist ein Zusammenschluss benachbarter Jagdausübungsberechtigter im Gebiet eines abgegrenzten Wildlebensraums, der die Hege bestimmter Wildarten wie Rotwild revierübergreifend abstimmt.
- LosungsanalyseDie Losungsanalyse ist eine indirekte Methode des Wildtiermanagements: Gefundene Losung wird ausgewertet, um auf Bestandsdichte und Gesundheitszustand des Wildes zu schließen.
- FährtenzählungDie Fährtenzählung ist eine indirekte Methode der Wildbestandserhebung, bei der vor allem im Schnee gezählt wird, wie oft Wild festgelegte Strecken überquert hat.
- WildkameraEine Wildkamera, auch Fotofalle genannt, ist eine selbsttätig auslösende Kamera, mit der Jäger und Monitoring-Stellen Wildvorkommen, Aktivitätszeiten und Bestandsstruktur erfassen.
- WildschadenWildschaden ist ein Schaden, den frei lebendes Wild an land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen und Kulturen anrichtet; ersatzpflichtig ist er nach § 29 BJagdG nur bei bestimmten Wildarten.
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