Waffenkunde
Bleifreies Geschoss
auch: Bleifreie Munition
Ein bleifreies Geschoss ist ein Büchsen- oder Flintenlaufgeschoss ohne Blei, meist aus Kupfer, Messing oder Tombak, das nach dem Deformations- oder Zerlegungsprinzip wirkt.
Was ist ein „bleifreies Geschoss“?
Das Geschoss ist das Bauteil einer Patrone, das den Lauf verlässt und im Ziel wirkt. Bei klassischen Konstruktionen besteht es ganz oder teilweise aus Blei. Bleifreie Geschosse verzichten darauf und werden aus Kupfer, Messing oder einer Kupfer-Zink-Legierung, dem Tombak, gefertigt. Wie bleihaltige Geschosse funktionieren sie entweder als Deformationsgeschoss, das sich im Wildkörper verformt, oder als Zerlegungsgeschoss. In vielen Revieren und Ländern sind sie vorgeschrieben oder werden bevorzugt verwendet. Neben Büchsengeschossen gibt es auch bleifreie Flintenlaufgeschosse für den Schuss auf Schalenwild mit der Flinte.
Gründe und Eigenschaften
Hinter dem Umstieg stehen Gründe des Umwelt- und Gesundheitsschutzes sowie der Schutz der Greifvögel; bleifreie Munition wird deshalb auch im Zusammenhang mit Greifvögeln und Fallwildhygiene genannt. Mit einem bleifreien Geschoss ist eine Verunreinigung des Wildbrets mit Blei ausgeschlossen. Im Ziel verlieren solche Geschosse oft weniger Masse und zeigen eine höhere Durchschlagskraft. Pauschale Nachteile lassen sich nicht ableiten: Es trifft nicht zu, dass Wild generell weiter flüchtet, dass sie nur für leichte Wildarten wie Rehe taugen oder dass nur Wiederlader sie nutzen können. Wie bei jeder Munition beeinflusst die Geschossart aber mit, wie viel Wildbret zerstört wird.
Bleifreies Flintenlaufgeschoss und Bleischrot
Schalenwild darf mit der Flinte erlegt werden, wenn ein bleifreies Flintenlaufgeschoss oder ein Fangschuss verwendet wird. Für das Saarland nennen die Prüfungsantworten ausdrücklich, dass etwa ein anwechselndes Reh auf der Drückjagd mit einem bleifreien Flintenlaufgeschoss im Kaliber 12 erlegt werden darf. Vom Geschoss zu trennen ist das Schrot: Seit 2023 ist Bleischrot EU-weit in Feuchtgebieten und im Umkreis von 100 Metern darum verboten. Stahl, Bismut oder Wolfram sind dann passend zur Waffe zu wählen, bei Hochleistungsstahlschrot nur mit Stahlschrotbeschuss und Herstellerfreigabe.
„Bleifreies Geschoss“ in der Jägerprüfung
Typisch sind Aussagen zu bleifreien Büchsengeschossen, die als zutreffend oder falsch eingeordnet werden müssen, etwa zu Masseverlust, Eindringtiefe, Fluchtstrecken und Einsatzbereich. Außerdem sollen bleifreie Geschosse bei der Aufzählung von Büchsengeschossarten genannt werden können. Im Waffenteil gehört das Thema zum Aufbau der Büchsenmunition, im Hegeteil zum Greifvogelschutz.
Häufige Fragen zu „Bleifreies Geschoss“
Woraus bestehen bleifreie Geschosse?
Sie werden meist aus Kupfer, Messing oder Tombak, einer Kupfer-Zink-Legierung, hergestellt. Je nach Bauart verformen sie sich im Wild oder zerlegen sich.
Sind bleifreie Geschosse nur für Rehwild geeignet?
Nein, diese Einschränkung trifft nicht zu. Bleifreie Büchsengeschosse verlieren im Ziel oft weniger Masse und haben eine höhere Durchschlagskraft.
Warum werden bleifreie Geschosse verwendet?
Sie schließen Bleipartikel im Wildbret aus und dienen dem Umwelt- und Greifvogelschutz. Außerdem sind sie vielerorts vorgeschrieben oder erwünscht.
„Bleifreies Geschoss“ kommt in 7 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Waffenkunde und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- BüchsenpatroneEine Büchsenpatrone ist die Munition für gezogene Läufe; sie besteht aus Hülse, Zündhütchen, Treibladung und Geschoss und muss für Schalenwild die Mindestwerte des § 19 BJagdG erfüllen.
- TeilmantelgeschossEin Teilmantelgeschoss (TM) ist ein Büchsengeschoss, dessen Mantel die Spitze offen lässt, sodass der Bleikern dort frei liegt. Beim Auftreffen pilzt es auf und gibt viel Energie im Wildkörper ab.
- ZerlegungsgeschossEin Zerlegungsgeschoss ist ein Büchsengeschoss, das beim Auftreffen auf den Wildkörper in Splitter zerbricht und so seine Energie sehr früh abgibt; typisches Beispiel ist das H-Mantel-Geschoss.
- FlintenlaufgeschossEin Flintenlaufgeschoss ist ein Einzelgeschoss, das statt einer Schrotladung aus dem glatten Flintenlauf verschossen wird. Mit ihm darf aus der Flinte auch Schalenwild erlegt werden.
- ZielballistikZielballistik ist der Teil der Ballistik, der beschreibt, wie ein Geschoss beim Auftreffen im Ziel wirkt – jagdlich also seine Wirkung im Wildkörper.
- GreifvögelGreifvögel sind meist tagaktive Beutegreifer mit Hakenschnabel, kräftigen Fängen und sehr scharfem Sehvermögen, etwa Bussarde, Habicht, Sperber, Milane, Weihen und Adler. Sie können dem Jagdrecht unterliegen, sind aber streng geschützt und nicht regulär bejagbar.
- SchrotpatroneEine Schrotpatrone ist die Munition der Flinte: In einer meist aus Kunststoff gefertigten Hülse liegen Pulver, Pfropfen und viele kleine Metallkugeln, die Schrote.
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