Wildbiologie · Jägersprache
Rosenstock
Der Rosenstock ist der knöcherne Stirnzapfen, auf dem Geweih oder Gehörn der Hirscharten sitzt. Er bleibt dauerhaft bestehen, während der Kopfschmuck darauf jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
Was ist ein „Rosenstock“?
Hirsche und Rehböcke tragen ihren Kopfschmuck nicht direkt auf dem Schädeldach, sondern auf zwei knöchernen Fortsätzen der Stirn, den Rosenstöcken. Von unten nach oben folgen darauf die Rose, also die Verdickung am Übergang, dann die Stange mit ihren Enden. Das gilt für das Geweih von Rot-, Dam-, Sika- und Elchhirsch ebenso wie für das Gehörn des Rehbocks. Anders beim Horn von Muffel-, Gams- und Steinwild: Hier sitzt eine Hornscheide auf einem Hornzapfen und wird nicht abgeworfen. Der Rosenstock ist kein jägersprachliches Sonderwort, sondern ein anatomischer Fachbegriff der Wildkunde.
Der Rosenstock im Geweihzyklus
Beim Abwurf löst sich die Stange oberhalb des Rosenstocks; die Bruchfläche an der abgeworfenen Stange heißt Petschaft. Anschließend überzieht Basthaut den Rosenstock, und darunter bildet sich das neue Geweih. Beim mittelalten Rothirsch fällt der Abwurf meist in den Februar oder März, rund fünf Monate später ist das neue Geweih verfegt. Beim Bockkitz werden die wachsenden Rosenstöcke erstmals im Frühherbst des Geburtsjahres erkennbar. Darauf bildet es ein Erstlingsgehörn noch ohne Rosen; erst das Jährlingsgehörn trägt Rosen. Ein seltener Sonderfall ist der Doppelkopf beim Rotwild: Wird eine Stange nicht abgeworfen, trägt der Rosenstock nach dem Schieben zwei Geweihjahrgänge.
Was der Rosenstock über das Stück verrät
Tiefe Rosenstöcke gelten zusammen mit Dachrosen, einem kräftigen Träger und heimlichem Verhalten als Hinweis auf einen älteren Rehbock. Beim männlichen Damwild sind Rosenstöcke und Pinsel das ganze Jahr über recht gut zu erkennen, auch nach dem Abwurf. Wird ein Rosenstock gebrochen, bleibt eine Missbildung zurück oder die betroffene Stange fehlt dauerhaft.
„Rosenstock“ in der Jägerprüfung
Prüfungsfragen verlangen den Aufbau von Geweih und Gehörn, die Geweihentwicklung im Jahresverlauf und den Zeitpunkt, zu dem beim Bockkitz die Rosenstöcke sichtbar werden. Dazu kommen Abnormitäten wie Doppelkopf und Rosenstockbruch sowie Merkmale älterer Böcke. Ein verbreiteter Fehler ist, Geweih und Horn gleichzusetzen: Nur beim Geweih bzw. Gehörn gibt es Rosenstöcke und einen jährlichen Abwurf.
Häufige Fragen zu „Rosenstock“
Was passiert mit dem Rosenstock beim Abwurf?
Er bleibt am Schädel erhalten. Abgeworfen wird nur die Stange oberhalb davon; anschließend überzieht Basthaut den Rosenstock, und das neue Geweih wächst nach.
Was bedeutet ein Rosenstockbruch?
Bricht ein Rosenstock, entsteht eine bleibende Missbildung, oder die Stange auf dieser Seite fehlt dauerhaft.
„Rosenstock“ kommt in 7 Prüfungsfragen vor
So oft taucht der Begriff in unserem Fragenbestand aus Wildbiologie und den übrigen Sachgebieten auf. Übe die Fragen dazu im Trainer, bis du sie sicher beantwortest.
Kostenlos Prüfungsfragen übenVerwandte Begriffe
- GeweihEin Geweih ist der knöcherne Kopfschmuck der männlichen Hirsche wie Rot-, Dam-, Sika- und Elchhirsch. Es sitzt auf den Rosenstöcken, wird jedes Jahr abgeworfen und unter dem Bast neu gebildet.
- GehörnGehörn ist die jagdsprachliche Bezeichnung für den Kopfschmuck des Rehbocks. Biologisch ist es ein Geweih aus Knochen, das jedes Jahr abgeworfen und neu gebildet wird.
- RosenRosen sind beim Schalenwild die kranzförmigen Verdickungen am unteren Ende der Geweih- oder Gehörnstangen, direkt über dem Rosenstock. Bei Raufußhühnern und Fasan heißen die roten Stellen über den Augen ebenfalls Rosen.
- StangenStangen sind die beiden Hauptäste von Geweih oder Gehörn, die auf den Rosenstöcken wachsen und Sprossen bzw. Enden tragen. Abgeworfene Stangen heißen Abwurfstangen und unterliegen dem Aneignungsrecht.
- BastBast ist die behaarte, gut durchblutete Haut, die das wachsende Geweih oder Gehörn überzieht und mit Nährstoffen versorgt. Ist der Kopfschmuck fertig, streift das Stück den Bast durch Fegen ab.
- RotwildRotwild (Cervus elaphus) ist die größte heimische Hirsch- und Schalenwildart Deutschlands. Jagdlich meint der Begriff die gesamte Art; der Hirsch ist das männliche Stück, das weibliche ab dem dritten Lebensjahr Alttier.
- RehwildRehwild (Capreolus capreolus) ist die kleinste und am weitesten verbreitete freilebende Schalenwildart Deutschlands. Das Reh gehört zur Familie der Hirsche; der Bock trägt ein Gehörn.
- SchalenwildSchalenwild ist die jagdliche Sammelbezeichnung für alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer mit Schalen – Hirschartige, Hornträger und Schwarzwild.
Weitere Begriffe aus Wildbiologie
RotteRickeRudelSchalenRebhuhnRauschzeitSchmalrehRaubwildAlle Begriffe aus Wildbiologie