Ausrüstung für Jungjäger: was man wann braucht
Was schon während der Ausbildung nützt, was erst nach dem Jagdschein gekauft werden darf, und welche Vorgaben für Waffenschrank, Munition und Signalkleidung gelten.
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Die Ausrüstungslisten in Katalogen sind lang. Für den Anfang braucht man weniger, als sie nahelegen — und einiges darf man erst kaufen, wenn Jagdschein und Waffenbesitzkarte vorliegen. Sinnvoll ist eine Reihenfolge: zuerst das, was Ausbildung und Prüfung erleichtert, dann das, was das Recht vor der ersten Waffe verlangt, zuletzt das, was sich aus dem eigenen Revier ergibt.
Während der Ausbildung
- Wetterfeste, leise Kleidung in gedeckten Farben und feste, wasserdichte Schuhe für Revierpraxis und Schießstand.
- Gehörschutz und Schießbrille. Viele Stände verlangen sie in ihrer Standordnung; ein eigener, gut sitzender Gehörschutz lohnt sich früh.
- Ein Fernglas ist für die Ausbildung nicht zwingend, aber beim Ansprechen von Wild im Revier sofort nützlich. Viele leihen sich anfangs eines.
- Bestimmungsbücher und Lehrbuch für Bäume, Sträucher, Spuren und Wildarten.
Waffen braucht man für die Ausbildung nicht selbst. Auf der Schießstätte ist der vorübergehende Erwerb einer Waffe zum Schießen erlaubnisfrei (§ 12 Abs. 1 Nr. 5 WaffG), und in der Jägerausbildung dürfen Teilnehmer ab 14 Jahren mit einer Berechtigungsbescheinigung unter Aufsicht mit Jagdwaffen schießen (§ 27 Abs. 5, § 13 Abs. 8 WaffG). Eigene Schusswaffen erwirbt man erst mit den nötigen Erlaubnissen.
Vor der ersten Waffe: die sichere Aufbewahrung
Wer Waffen und Munition besitzt, muss sie so aufbewahren, dass sie nicht abhandenkommen und Unbefugte sie nicht an sich nehmen können (§ 36 WaffG). Die Allgemeine Waffengesetz-Verordnung legt die Mindeststandards fest: Erlaubnispflichtige Schusswaffen gehören in ein Behältnis, das mindestens dem Widerstandsgrad 0 nach DIN EN 1143-1 entspricht (§ 13 AWaffV). Wer am 6. Juli 2017 bereits einen Schrank der Stufe A oder B nach altem Recht nutzte, darf ihn weiter nutzen, ebenso Mitbewohner im Haushalt (§ 36 Abs. 4 WaffG). Ein gebraucht gekaufter Altschrank nützt einem neuen Besitzer deshalb nichts; er braucht mindestens Widerstandsgrad 0.
Die Waffenbehörde lässt sich die Aufbewahrung in der Regel vor oder mit dem Antrag auf die Waffenbesitzkarte nachweisen und kann sie auch später vor Ort kontrollieren. Der Waffenschrank ist deshalb die erste große Anschaffung, noch vor der Waffe.
Waffen und Munition
Mit gültigem Jahresjagdschein darf man Langwaffen ohne vorherige Erwerbserlaubnis kaufen; die Eintragung in die Waffenbesitzkarte ist innerhalb von zwei Wochen zu beantragen. Kurzwaffen brauchen vor dem Kauf eine Erwerbserlaubnis. Wie das Verfahren abläuft, steht im Ratgeber Nach der Jägerprüfung.
Welche Waffe passt, hängt vom Revier ab: In einem Feldrevier mit Niederwild ist die Flinte wichtiger, in einem Waldrevier mit Rehen und Sauen die Büchse. Für den Schuss auf Schalenwild schreibt § 19 Abs. 1 Nr. 2 BJagdG Mindestwerte vor: Auf Rehwild und Seehunde sind Büchsenpatronen unter 1.000 Joule Auftreffenergie auf 100 Meter verboten; auf das übrige Schalenwild und auf Wölfe gelten mindestens 6,5 Millimeter Kaliber und 2.000 Joule. Die Länder können strengere Vorgaben machen.
Im Revier und auf Gesellschaftsjagden
- Signalkleidung: Bei Gesellschaftsjagden, also etwa Treib- und Drückjagden, müssen sich alle unmittelbar Beteiligten deutlich farblich von der Umgebung abheben (§ 4 Abs. 12 VSG 4.4 der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau). Geeignet ist großflächige Oberbekleidung in Signalfarbe wie eine Warnweste; ein Hutband allein reicht nicht.
- Messer: ein feststehendes Jagdmesser zum Aufbrechen, dazu Handschuhe. Einhandmesser und feststehende Messer mit mehr als 12 cm Klinge dürfen nur mit berechtigtem Interesse geführt werden (§ 42a WaffG); im verschlossenen Behältnis ist der Transport immer zulässig. Beim Messerverbot auf Veranstaltungen ist die Jagd ausdrücklich ausgenommen (§ 42 Abs. 4a WaffG).
- Hygiene beim Aufbrechen: Einweghandschuhe, Wasser, Tücher, eine Wildwanne oder Folie für den Transport. Mehr dazu im Ratgeber Wildbrethygiene.
- Erste Hilfe: ein kleines Verbandpäckchen, Rettungsdecke, Taschenlampe, Mobiltelefon mit geladenem Akku.
- Sitzkissen und Ansitzdecke machen lange Ansitze erträglicher, als man denkt.
Was warten kann
Wärmebild- und Nachtsichttechnik, Zweitwaffen, Spezialoptiken und eine umfangreiche Bekleidung sind für die ersten Monate nicht nötig. Die Rechtslage zu Nachtsichttechnik ist außerdem nicht einheitlich und hängt von Gerät, Wildart und Land ab. Wer erst im eigenen Revier Erfahrungen sammelt, kauft später gezielter.
Quellen
- Waffengesetz, § 36 (Aufbewahrung) gesetze-im-internet.de
- Allgemeine Waffengesetz-Verordnung, § 13 (Aufbewahrung) gesetze-im-internet.de
- Waffengesetz, § 13 (Erwerb und Besitz durch Jäger) gesetze-im-internet.de
- Waffengesetz, § 42a (Führen von Messern) gesetze-im-internet.de
- Bundesjagdgesetz, § 19 (Sachliche Verbote) gesetze-im-internet.de
- SVLFG: VSG 4.4 Jagd (Ausgabe 22.08.2024) svlfg.de
- Waffengesetz, § 12 (Ausnahmen) gesetze-im-internet.de
- Waffengesetz, § 27 (Schießstätten) gesetze-im-internet.de
- Waffengesetz, § 42 (Verbot des Führens bei Veranstaltungen) gesetze-im-internet.de
- Landesjagdgesetz NRW, § 19 recht.nrw.de
- BbgJagdDV, § 4 bravors.brandenburg.de
- Verordnung (EU) 2021/57 (Blei in Feuchtgebieten) eur-lex.europa.eu
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