Wildkrankheiten

Außenparasiten

Außenparasiten (Ektoparasiten) leben auf oder in der Haut des Wildes und ernähren sich von Blut, Hautschuppen oder Gewebeflüssigkeit. Sie verursachen nicht n…

ca. 18 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Außenparasiten (Ektoparasiten) leben auf oder in der Haut des Wildes und ernähren sich von Blut, Hautschuppen oder Gewebeflüssigkeit. Sie verursachen nicht nur direkte Schäden durch Blutentzug und Hautreizungen, sondern sind auch wichtige Überträger (Vektoren) von Krankheitserregern. Für den Jäger sind Außenparasiten relevant, weil sie die Wildgesundheit beeinflussen, die Decken- und Schwartenbeschaffenheit verändern und einige auch auf den Menschen übergehen können. Besonders die Räude kann den Gesundheitszustand ganzer Wildpopulationen massiv beeinträchtigen.

Flöhe

Flöhe sind flügellose, seitlich abgeflachte Insekten mit kräftigen Sprungbeinen. Sie sind temporäre Parasiten – sie saugen Blut und verlassen den Wirt wieder.

Betroffene Wildarten: Nahezu alle Wildarten, besonders Hase, Wildkaninchen, Fuchs, Marder Lebenszyklus: Ei → Larve (im Bau/Lager) → Puppe → erwachsener Floh Bedeutung: Flöhe sind Zwischenwirte des Gurkenkernbandwurms (Dipylidium caninum) und können Myxomatose mechanisch übertragen (Kaninchenfloh)

  • Der Kaninchenfloh (Spilopsyllus cuniculi) ist der wichtigste mechanische Überträger der Myxomatose
  • Flöhe verursachen Juckreiz, Haarausfall und können bei starkem Befall zu Blutarmut führen
  • Flöhe können vom Wild auf Jagdhunde übergehen

Läuse, Haarlinge und Federlinge

Diese drei Gruppen werden häufig verwechselt, unterscheiden sich aber deutlich

[Vergleichstabelle: Läuse, Haarlinge und Federlinge Merkmal Läuse Haarlinge Federlinge Ernährung Blutsaugend Hautschuppen, Haare Federn, Hautschuppen Wirtsspezifisch Ja Ja Ja Vorkommen Säugetiere Säugetiere Vögel Mundwerkzeug Stechend-saugend Beißend-kauend Beißend-kauend Kopfform Schmal, spitz Breit, rundlich Breit, rundlich Gesundheitsfolge Blutarmut, Juckreiz Juckreiz, Haarausfall Federverlust, Juckreiz Beispiele Schweinelaus Hirschhaarling Hühnerfederling

Läuse sind die einzigen echten Blutsauger in dieser Gruppe. Haarlinge und Federlinge ernähren sich kauend von Hautschuppen und Haaren bzw. Federn. Alle drei Gruppen sind streng wirtsspezifisch – sie können nicht zwischen verschiedenen Tierarten wechseln.

Starker Befall deutet auf ein geschwächtes Immunsystem des Wirtes hin und ist ein bedenkliches Merkmal bei der Wildbrethygiene.

Lausfliegen (Hirschlausfliegen)

Lausfliegen (Familie Hippoboscidae) sind abgeflachte, ledrig-zähe Fliegen, die als Blutsauger auf Wild leben. Die bekannteste Art ist die Hirschlausfliege (Lipoptena cervi).

Besonderheiten: • Geflügelte Fliegen, die nach dem Anfliegen des Wirtes ihre Flügel abwerfen • Krallen sich im Fell fest, sehr schwer zu entfernen • Saugen Blut beim Schalenwild, besonders Rotwild und Rehwild • Können auch Menschen anfliegen und stechen (schmerzhaft!) • Meist im Herbst aktiv, bevorzugt in Waldgebieten

Zecken

Zecken sind die wichtigsten Außenparasiten für den Jäger – sowohl als Krankheitsüberträger beim Wild als auch als direkte Gefahr für den Menschen.

Biologie der Zecken: • Klasse: Spinnentiere (Arachnida), nicht Insekten! • Wichtigste Art: Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) • Entwicklung: Ei → Larve (6 Beine) → Nymphe (8 Beine) → Adulte (8 Beine) • Jedes Stadium benötigt eine Blutmahlzeit zur Weiterentwicklung • Dreiwirtige Zecke: Jedes Stadium befällt einen anderen Wirt • Aktivität: März bis Oktober, besonders bei feuchtwarmem Wetter • Warteposition: "Questing" – Zecke sitzt auf Grashalmen und Büschen (bis ca. 1,5 m Höhe) und wartet auf vorübergehende Wirte • Wirtsfindung: Durch Körperwärme, CO2 und Buttersäure im Schweiß

Übertragbare Krankheiten durch Zecken

[Vergleichstabelle: Durch Zecken übertragene Krankheiten Krankheit Erreger Übertragungszeit Symptome beim Menschen Impfung FSME Virus (Flavivirus) Sofort bei Stich Hirnhautentzündung, Lähmungen Ja! Borreliose Bakterium (Borrelia burgdorferi) 12-24 Stunden Wanderröte, Gelenkschmerzen Nein Tularämie Bakterium (Francisella tularensis) Stunden Fieber, Lymphknotenschwellung Nein Babesiose Einzeller (Babesia) 24-48 Stunden Fieber, Anämie (v.a. bei Hunden) Nein

Richtige Entfernung von Zecken: • Zeckenzange oder Zeckenkarte verwenden • Möglichst hautnah greifen • Gleichmäßig herausziehen (NICHT drehen!) • KEIN Öl, Klebstoff oder Nagellack verwenden (Zecke erbricht sich und spritzt Erreger in die Wunde) • Stichstelle desinfizieren • Bei Wanderröte (roter Ring um die Stichstelle) innerhalb von Tagen: Arzt aufsuchen (Borreliose-Verdacht!)

Grabmilben und Räude

Die Räude ist eine der bedeutendsten Außenparasitenerkrankungen beim Wild und wird durch verschiedene Grabmilbenarten (Sarcoptes, Psoroptes, Chorioptes) verursacht.

Arten der Räude

Sarkoptesräude (Grabräude): • Erreger: Sarcoptes scabiei (verschiedene Varianten je nach Wildart) • Betroffene Wildarten: Fuchs (Fuchsräude), Gamswild (Gamsräude), Schwarzwild, Steinwild • Die Milben graben Gänge in die obere Hautschicht und legen dort Eier ab • Verursacht extremen Juckreiz

Gamsräude: Die Gamsräude ist die für die Jägerprüfung wichtigste Form der Räude. Sie kann in Gamswildpopulationen verheerende Auswirkungen haben und zu Bestandseinbrüchen von 80-90% führen.

Symptome der Gamsräude: • Beginnt am Kopf (Haupt), besonders an den Lauschern • Ausbreitung über Hals, Rücken, Bauch bis zu den Läufen • Haarausfall in großen Bereichen ("Glatzenbildung") • Borkige, krustige Hautverdickungen • Extremer Juckreiz – Tiere scheuern sich an Bäumen und Felsen • Starke Abmagerung durch Energieverlust und Schmerzen • Im Winter erfrieren betroffene Tiere ohne schützendes Fell • Verendete Gämsen häufig am Fuß von Felswänden (Absturz)

Fuchsräude: • Ähnlicher Verlauf wie Gamsräude • Haarausfall, borkige Haut, extreme Abmagerung • Befallene Füchse wirken wie "nackte Hunde" • Übertragung auf Jagdhunde möglich!

[Vergleichstabelle: Räudeformen beim Wild Merkmal Gamsräude Fuchsräude Schwarzwildräude Erreger Sarcoptes scabiei rupicaprae Sarcoptes scabiei vulpes Sarcoptes scabiei suis Bestandsgefährdung Sehr hoch (80-90% Verluste) Mäßig Gering Beginn Am Haupt Am Körper Am Körper Juckreiz Extrem Stark Mäßig Übertragung auf Hunde Selten Ja! Möglich Übertragung auf Mensch Pseudokrätze möglich Pseudokrätze möglich Selten

Genusstauglichkeit bei Räude

Maßnahmen bei Räude: • Erkrankte Stücke erlegen (Schwerpunktbejagung) • Fallwild untersuchen lassen • Fütterungen und Kirrungen in betroffenen Gebieten überwachen • Kontakt zwischen Jagdhunden und räudigem Wild vermeiden • Bei Gamsräude: Bestandsmanagement, Ruhezonen schaffen

Typische Prüfungsfragen

  • Zu welcher Tiergruppe gehören Zecken? Wie viele Beine haben sie?
  • Nennen Sie vier Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden.
  • Was ist der Unterschied zwischen Läusen und Haarlingen?
  • Beschreiben Sie den Verlauf der Gamsräude.
  • Wann ist Wildbret bei Räudebefall genusstauglich?
  • Welche Bedeutung haben Flöhe als Zwischenwirte?
  • Wie lange dauert es, bis Borrelien durch Zeckenstich übertragen werden?
  • Was ist bei der Entfernung von Zecken zu beachten?

Häufige Fehler und Stolperfallen

  • Zecken als Insekten bezeichnen: Zecken sind Spinnentiere mit 8 Beinen, keine Insekten mit 6 Beinen!
  • FSME und Borreliose verwechseln: FSME wird sofort übertragen (Impfung möglich), Borreliose erst nach 12-24h (keine Impfung).
  • Haarlinge als Blutsauger bezeichnen: Haarlinge kauen an Haaren und Hautschuppen – nur Läuse saugen Blut.
  • Räude pauschal als nicht genusstauglich einstufen: Bei leichtem Befall ist das Wildbret bedingt genusstauglich.
  • Grabmilben mit Zecken verwechseln: Beide sind Spinnentiere, aber Grabmilben bohren sich in die Haut, Zecken saugen nur von außen.
  • Fuchsräude auf Hunde-Übertragung vergessen: Jagdhunde können sich bei Kontakt mit räudigem Fuchs infizieren.

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