Hege & Naturschutz
Wildtiermanagement und Abschusspläne
Modernes Wildtiermanagement steuert Wildbestände mit klaren Instrumenten: Abschussplan, Streckenliste, Monitoring und Wildschadensmanagement. In NRW ist der …
Modernes Wildtiermanagement steuert Wildbestände mit klaren Instrumenten: Abschussplan, Streckenliste, Monitoring und Wildschadensmanagement. In NRW ist der Abschussplan für Schalenwild verbindlich – er ist das Herzstück jagdlicher Planung.
Abschussplanung – verbindlich für Schalenwild
Was ist der Abschussplan? • Festlegung der zu erlegenden Stückzahl pro Wildart, Geschlecht und Altersklasse. • In NRW abschussplanpflichtig nach § 25 LJG NRW i. V. m. DVO LJG-NRW: Schalenwild ausgenommen Schwarz- und Rehwild (d. h. insbesondere Rotwild, Damwild, Muffelwild). • Rehwild: kein verbindlicher Abschussplan in NRW nach aktueller Rechtslage; die Abschusszahlen werden über körperliche Nachweise und Streckenmeldungen gesteuert. • Schwarzwild: kein verbindlicher Abschussplan – intensive Bejagung aus Seuchenschutz- und Schadensgründen. • Grundlage: Wildbestandserhebung, Verbissgutachten, Streckenzahlen der Vorjahre.
Verfahren 1. Aufstellung durch den Jagdausübungsberechtigten (Revierinhaber) 2. Vorlage bei der Unteren Jagdbehörde (UJB) 3. Anhörung der Hegegemeinschaft 4. Bestätigung oder Festsetzung durch die UJB • Planungszeitraum: in NRW 3 Jagdjahre (1. April – 31. März)
Altersklassen beim Schalenwild
Rehwild (3 Klassen): • Klasse III: Kitze und Schmalrehe/-böcke (1. Lebensjahr) → höchster Abschussanteil! • Klasse II: Mittelalte Stücke (Rehböcke 2–4 Jahre, Ricken 2–5 Jahre) • Klasse I: Alte, reife Stücke (Böcke ab 5 Jahren) → geringer Abschussanteil
Rotwild (3 Klassen): • Klasse III: Kälber und Schmaltiere/-spießer (1./2. Lebensjahr) • Klasse II: Mittelalte Stücke • Klasse I: Alte Hirsche (ab ca. 10 Jahren, je nach Region) – selektiv entnehmen • Geschlechterverhältnis: Ziel ca. 1:1 (Hirsch:Tier) bei der Erlegung
Wildbestandserhebung und Monitoring
Direkte Methoden • Scheinwerfertaxation: Feldhasen, Rehe – mit Scheinwerfer nachts auf Äckern zählen • Balzplatz-Zählung: für Birk- und Auerwild (in NRW kaum relevant) • Reviergänge: systematisches Beobachten und Zählen
Indirekte Methoden • Losungsanalyse (Schalen, Losung): Rückschlüsse auf Bestandsdichte und Gesundheit • Fährtenzählung im Schnee: Überquerungen an definierten Strecken • Wildkameras: Fotofallenmonitoring – Altersklassen, Geschlechterverhältnis, Aktivitätsmuster • Verbissgutachten: bewertet Verbissdruck auf Waldverjüngung → zeigt ob Bestand zu hoch ist
Streckenliste und Dokumentation
- Streckenliste: Pflichtdokumentation aller erlegten, gefundenen und anderweitig zu Tode gekommenen Wildtiere
- Inhalt: Wildart, Geschlecht, Alter, Datum, Ort, Gewicht (Aufbrechwild)
- Grundlage: für künftige Abschusspläne und Wildschadensfeststellungen
- Wildmarken/Plomben: Kennzeichnung von erlegtem Schalenwild (Reviernummer, laufende Nummer)
- Hegeschau: jährliche öffentliche Präsentation der Strecke und Trophäen; Diskussion der Abschussergebnisse
Wildschadensverhütung
- Verbissschutz: Einzelschutz (Verbissschutzhüllen, Drahtkegel) für wertvolle Pflanzen
- Wildschutzzäune: Elektrozäune oder Fangzäune um Kulturflächen und Forstkulturen
- Repellentien: Wildvergrämungschemikalien (Wölkchen, Spritzmittel); begrenzte Wirkung
- Vergrämung: Wildäcker und Kirrungen als Ablenkungsflächen (weg von Schadenflächen)
- Schadensersatzrecht: Jagdausübungsberechtigter haftet für Schalenwildschäden in der Landwirtschaft
Hegering, Kreisjägerschaft und Landesjägerschaft NRW
Hegering • Lokaler Zusammenschluss von Jagdausübungsberechtigten (ca. 5–20 Reviere) • Koordiniert lokale Hegemaßnahmen, Drückjagden, Prädatorenregulierung • Erster Ansprechpartner für Behörden bei lokalen Problemen
Kreisjägerschaft • Zusammenschluss der Hegeringe eines Kreises oder einer kreisfreien Stadt • Koordiniert Abschussplanung, Wildkrankheitsüberwachung, Jagdausbildung • Anerkannter Naturschutzverband
Landesjägerschaft NRW (LJN) • Dachverband aller Kreisjägerschaften in NRW • Vertritt jagdpolitische Interessen; erlässt Empfehlungen und Richtlinien • Führt Jagdprüfungen mit durch (Prüfungsordnung)
Grünbrücken und Wildtierkorridore
- Fragmentierung von Lebensräumen durch Straßen und Siedlungen: größtes Problem für Wildtierpopulationen
- Grünbrücken (Wildtierpassagen): begrünte Brücken über Autobahnen → ermöglichen Wanderungen
- Unterführungen: kleinere Betonkorridore unter Straßen für Kleintiere und Amphibien
- Wildtierkorridore: länderübergreifende Vernetzung von Lebensräumen (Bundeskonzept Wildtierkorridore)
- NRW: aktive Planung von Grünbrücken an A1, A3, A44 etc. im Landesverkehrswegeplan