Hege & Naturschutz

Populationsökologie: Tragkapazität, K-Strategen, r-Strategen und Dynamik

Populationsökologie ist die Wissenschaft von der Dynamik tierischer Bestände. Sie liefert die Grundlagen für nachhaltiges Wildtiermanagement: Wer nicht verst…

ca. 8 Min. Aktualisiert am 10.6.2026 Redaktion & Prüfung

Populationsökologie ist die Wissenschaft von der Dynamik tierischer Bestände. Sie liefert die Grundlagen für nachhaltiges Wildtiermanagement: Wer nicht versteht, wie sich Populationen entwickeln, kann keine fundierten Abschusspläne erstellen.

Populationswachstum: exponentiell vs. logistisch

Exponentielles Wachstum (J-Kurve): • Ohne begrenzende Faktoren → Population wächst immer schneller • In der Natur nur kurzfristig möglich (z. B. nach Seucheneinbruch, bei Neubesiedelung) • Beispiel: Wildschweinpopulation nach mildem Winter mit hohem Bucheckern-Angebot

Logistisches Wachstum (S-Kurve / sigmoidales Wachstum): • Population wächst zunächst schnell, verlangsamt sich bei hoher Dichte • Stabilisiert sich bei der Tragkapazität (K = carrying capacity) • Wachstumsrate ist maximal bei K/2 – hier ist nachhaltiger Abschuss am effektivsten! • Prüfungsregel: Nachhaltige Jagd entnimmt den jährlichen Zuwachs, nicht mehr

Tragkapazität (K-Wert) – zentrales Konzept

  • Tragkapazität: Maximale Individuenzahl, die ein Lebensraum dauerhaft tragen kann
  • Wird durch den knappsten Faktor limitiert (Liebigs Minimumgesetz!)
  • Saisonal veränderlich: Winter ist der Flaschenhals (weniger Nahrung, mehr Energie für Thermoregulation)
  • Überschreitungsphase: Wenn Bestand > K → erhöhte Sterblichkeit, schlechtere Reproduktion, Wildschäden
  • Jagd als Regulierung: Hält Bestand unter K → bessere Kondition, weniger Schäden

[Bild: /images/abbildungen/sg1/logistische_wachstumskurve.png Logistische Wachstumskurve mit K-Wert, r-max und maximalem Zuwachs markiert

K-Strategen und r-Strategen – zwei Lebensgeschichtsstrategien

K-Strategen (K = Tragkapazität): • Wenige Jungtiere pro Wurf; intensive elterliche Fürsorge; lange Lebensdauer • Niedrige Reproduktionsrate, aber hohe Überlebensrate der Nachkommen • Populationen nahe der Tragkapazität; dichteabhängige Regulation dominiert • Beispiele: Rotwild (1 Kalb/Jahr), Wildschwein (4–8 Frischlinge; Mittelwert), Wolf, Luchs • Konsequenz für Jagd: Bestandsentnahme muss vorsichtig sein – Überjagung erholt sich langsam!

r-Strategen (r = intrinsische Wachstumsrate): • Viele Jungtiere pro Wurf; geringe elterliche Fürsorge; kurze Lebensdauer • Hohe Reproduktionsrate, aber hohe Sterblichkeit der Nachkommen • Populationen schwanken stark; erholen sich schnell nach Einbrüchen • Beispiele: Kaninchen (4–6 Würfe à 4–6 Jungtiere/Jahr), Feldhase (3–4 Würfe à 2–3 Junge), Fasan • Konsequenz für Jagd: Bestand erholt sich schnell; intensive Bejagung möglich

Dichteabhängige und dichteunabhängige Regulation

Dichteabhängig (wirken stärker bei hoher Dichte – negatives Feedback): • Nahrungskonkurrenz: Weniger Äsung pro Tier → schlechtere Kondition → geringere Reproduktion • Krankheiten und Parasiten: Übertragung schneller bei hoher Dichte (z. B. Räude, ASP) • Intraspezifische Aggression: Territorialkämpfe, Infantizid • Emigration: Jungtiere weichen in schlechtere Gebiete aus (Dispersion)

Dichteunabhängig (wirken unabhängig von der Dichte): • Strenge Winter, Dürre, Nassperioden, Hochwasser • Massiver Pestizideinsatz, Flächenverlust • Können Populationen unabhängig vom Bestandsniveau stark dezimieren

Populationsdynamik und Abschussplanung

  • Jährlicher Zuwachs = Geburten + Zuwanderung − Sterblichkeit − Abwanderung
  • Nachhaltiger Abschuss: Entnahme ≤ jährlicher Zuwachs
  • Abschussplan NRW (aktuelle Rechtslage): verbindlich für Schalenwild ausgenommen Schwarz- und Rehwild (§ 25 LJG NRW); kein verbindlicher Abschussplan und keine Mindestabschüsse für Schwarzwild; Rehwild nach aktueller NRW-Rechtslage nicht abschussplanpflichtig
  • Ziel: Bestand unterhalb der Grenze zu Wildschäden halten (Schäl-, Fege-, Verbissschäden)

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